Entscheidung um Herrenchiemsee gefallen
„Für unsere Märchenschlösser wird ein Märchen wahr“: Bayerns Königsschlösser sind Weltkulturerbe
Herrenchiemsee/Paris – Am Samstag (12. Juli) hat das Schloss Herrenchiemsee auf der Insel im Chiemsee gemeinsam mit drei weiteren Prachtbauten von König Ludwig II. das begehrte Kultursiegel erhalten. Für Bayern ist es ein historischer Moment – und für die Insel ein Ritterschlag.
Update, 15.48 Uhr – Entscheidung ist gefallen
Die bayerischen Schlösser, die König Ludwig II. erbauen ließ, darunter auch Herrenchiemsee, sind von nun an Unsesco-Weltkulturerbe. Ministerpräsident Dr. Markus Söder gibt dazu an: „Für unsere Märchenschlösser wird ein Märchen wahr: Wir sind Weltkulturerbe! Die UNESCO zeichnet die Königsschlösser in Bayern von König Ludwig II. als Weltkulturerbe aus. Das ist ein weltweiter Ritterschlag für Schloss Neuschwanstein, Schloss Herrenchiemsee, Schloss Linderhof und das Königshaus am Schachen. Es würdigt unsere Geschichte, Kultur und Baukunst. Bayern ist ein gastliches Land und unsere Königschlösser sind ein Besuchermagnet für Menschen aus aller Welt. Gerade Neuschwanstein ist Bayerns Wahrzeichen schlechthin. Das Märchenschloss verbindet große Kunst und Kultur und auch ein bisschen Kitsch und Klischee. Beim Anblick des Schlosses denken weltweit manche vielleicht an Disney - aber nein: Neuschwanstein ist und bleibt das Original aus Bayern. Die Anerkennung durch die UNESCO ist eine große Freude, aber auch ein Auftrag: Wir wollen unser kulturelles Erbe bewahren und für kommende Generationen erhalten. Deswegen investiert der Freistaat viel Geld in Erhalt und Restaurierung unseres kulturellen Erbes.“
Erstmeldung, 7.30 Uhr
Es ist ein Ort von märchenhafter Schönheit, ein Abbild französischer Königspracht inmitten bayerischer Seenlandschaft: das Schloss Herrenchiemsee. Am Samstag (12. Juli) könnte das Bauwerk auf der Herreninsel im Chiemsee zusammen mit drei weiteren Schlössern von König Ludwig II. den wohl bedeutendsten Kultur-Titel der Welt erhalten – das Unesco-Welterbe-Siegel.
Im Pariser Hauptquartier der Unesco tagt derzeit das Welterbekomitee. Noch bis zum 16. Juli beraten Expertinnen und Experten über neue Einträge in die exklusive Liste der Kultur- und Naturstätten mit „außergewöhnlichem universellem Wert“. Wann genau die Entscheidung über Bayerns Märchenschlösser fällt, ist offen – doch für Samstag wird sie erwartet.
Herrenchiemsee: Ein Denkmal europäischer Größenfantasie
Im Fokus vieler bayerischer Hoffnungen steht Herrenchiemsee, das wohl ambitionierteste, aber unvollendete Werk Ludwigs II. Das Schloss auf der Insel im Chiemsee sollte nichts Geringeres sein als eine deutsche Antwort auf Versailles. Es vereint prunkvolle Architektur mit feinster Handwerkskunst und erzählt vom Größenstreben eines Königs, dessen Visionen Realität wurden – zumindest in Stein, Marmor und Gold.
Während Neuschwanstein international als Inbegriff des Märchenschlosses gilt, gilt Herrenchiemsee unter Kennern als der konzeptionell durchdachteste Palast des „Kini“. Besucher erleben dort nicht nur königlichen Glanz, sondern auch das Spiel aus politischem Rückzug, Ästhetik und Selbstinszenierung, das Ludwig II. meisterhaft beherrschte.
Millioneninvestitionen für den Erhalt
In den letzten Jahren hat der Freistaat Bayern immense Summen in die Restaurierung und Pflege der Ludwig-Schlösser investiert: 43 Millionen Euro flossen allein in Neuschwanstein, fast 60 Millionen in die Venusgrotte von Linderhof. Auch Herrenchiemsee wurde mit großem Aufwand gepflegt und konserviert – nicht zuletzt, um den Anforderungen der Unesco gerecht zu werden.
Der bayerische Generalkonservator Mathias Pfeil zeigt sich optimistisch: „Ich halte die Erfolgsaussichten des Antrags für außerordentlich günstig.“ Die Bauwerke seien weltweit bekannt, in exzellentem Zustand und mit höchster technischer sowie künstlerischer Qualität restauriert worden.
Ein Traum, der vor Jahrzehnten begann
Die Unesco-Bewerbung trägt den Namen „Gebaute Träume“ – und sie ist selbst das Ergebnis eines jahrzehntelangen Traums. Bereits 1997 brachte Pfeils Vorgänger Michael Petzet den Vorschlag ins Spiel – damals aus Sorge, dass der Bau eines Luxushotels in Sichtweite von Neuschwanstein das historische Ensemble stören könnte.
Die Idee, Ludwigs Schlösser zum Welterbe zu erklären, nahm über Jahrzehnte Gestalt an. 2001 und 2007 beschloss der Bayerische Landtag, die Bewerbung auf den Weg zu bringen. Nun steht das Vorhaben womöglich kurz vor dem Ziel.
Schloss-Hoffnung mit Signalwirkung
Sollte das Unesco-Komitee zustimmen, wäre das nicht nur eine hohe Auszeichnung für Herrenchiemsee, Linderhof und Neuschwanstein, sondern auch ein starkes kulturpolitisches Signal: Die gebauten Träume Ludwigs II. wären nicht mehr nur Touristenattraktionen, sondern offiziell Weltkulturerbe – Monumente von universeller Bedeutung.
Laut Unesco gibt es weltweit derzeit 1.223 Welterbestätten – 54 davon in Deutschland. Herrenchiemsee wäre dann Teil einer globalen Liste, auf der etwa der Kölner Dom, das Wattenmeer und die Altstadt von Quedlinburg stehen.
Hintergrund: Die Bewerbung umfasst vier Bauwerke:
- Schloss Neuschwanstein (Schwangau)
- Schloss Linderhof (Ettal)
- Schloss Herrenchiemsee (Herreninsel im Chiemsee)
- Königshaus am Schachen (Wettersteingebirge bei Garmisch)
Ob Ludwig II. je geahnt hat, dass seine Träume einmal Welterbe werden könnten? Am Samstag könnten sie es tatsächlich sein – zumindest auf Herrenchiemsee dürfte man dann die Glocken läuten hören. (mz)