„Palais Vélo“ im Esbaumviertel in Rosenheim
Der Palast der hängenden Radl: Das hat es mit Harald Bühlers neuem Laden auf sich
Seit kurzem gibt es in Rosenheim einen neuen Fahrradladen: Harald Bühler tritt mit seinem „Palais Vélo“ an der Herzog-Otto-Straße im Esbaumviertel an. Wir haben vorbeigeschaut und uns erklären lassen, wo er seine Marktlücke sieht.
Rosenheim - „Den Traum habe ich bereits, seit ich mit 15, 16 Jahren in einem Fahrradladen jobbte. Auch in meiner Schulzeit und während meiner Ausbildung zum Schreiner habe ich das immer vor Augen gehabt“, berichtet Harald Bühler. Zunächst hatte sein beruflicher Weg dann aber eine andere Richtung genommen: „Ich habe lange ein Möbelunternehmen geleitet. Dort habe ich sehr viel gelernt, was Gestaltung und Stil angeht. Das versuche ich weiterzutragen. Außerdem habe ich einen Hintergrund in der Unternehmenskommunikation.“ Seinen Namen dürften viele schon dank seiner Funktion als Sprecher der IG Aicherpark kennen, in der er beispielsweise vor kurzem im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen Neuerungen dort bekannt gab.
Verwirklicht hat er seinen Traum nun in einem der Hinterhöfe des Esbaumviertels in Rosenheim. Gleich an der Ecke des Beginns der Herzog-Otto-Straße an ihrem Abzweig von der Gillitzerstraße geht es hinein. Bühler ist hier unter ein Dach mit Martin Fernengel, der schon seit vielen Jahren dort ein Fachgeschäft mit eigener Fertigung für Radl-Kinderwägen und -Anhänger betreibt. „Es ist eine perfekte Symbiose“, meint Fernengel selbst, „Ich habe schon die Wägen, er bietet nun Radl, sowie deren Reparatur und Wartung an. Besser könnte es sich kaum ergänzen!“
„Palais Vélo“ im Esbaumviertel in Rosenheim - Der Palast der hängenden Radl: Das hat es mit Harald Bühlers neuem Laden auf sich
Aber gibt es nicht schon genug Radlläden in Rosenheim? „Ich denke nicht, dass ich da jemand anderem was mitnehme beziehungsweise, dass ich etwas neues biete“, meint Harald Bühler, „Bei mir geht es zentral um eines: Stadtfahrräder für Leute, die täglich damit fahren wollen. Nicht so sehr das Fahrrad primär als Sportgerät.“ Mit Marken wie „Schindlhauer Stadträder“, „Ritchey“ und „Vello“ biete er zwar eher hochpreisige, dafür aber hochqualitative Räder. „Ja, das ist natürlich erstmal eine Investition“, räumt Bühler ein, „Aber zum einen kaufen sie dann ein Rad, auf dem es sich fantastisch fährt und das erstklassige Qualität bietet. Zum anderen soll das ja ein Rad sein, welches dann eine echte Alternative zum Auto bietet. Durch Verzicht oder Einschränkung dabei spart man dann ja auch Geld.“
Dahinter stecke auch Überzeugung: „Es ist mir auch ein persönliches Anliegen, das Thema Radfahren voranzubringen!“ Er sehe darin das Mobiliätskonzept der Zukunft. „Zum ersten einmal ist Radfahren natürlich gesund. Zum zweiten kommt man damit hier in der Stadt überall schnell hin. Je nach Verkehrslage teilweise sogar schneller, als mit dem Auto! Und dann ist da auch zum dritten ein sozialer Aspekt: Man sitzt nicht in seinem Auto drin, sondern viel näher am Mitmenschen. Man erkennt und sieht sich bei Begegnungen im Verkehr viel eher, kann mal eben im Vorbeifahren winken und so weiter.“
Pragmatische und künslterische Gründe für hängende Radl
All das kann auch Martin Fernengel nur unterschreiben, mit dem Bühler sich nun die Räumlichkeiten teilt. In einem ungewöhnlichen Gebäude: Wegen des ursprünglichen Betriebs, der hier einmal angesiedelt war und mit langen Kupferdrähten arbeitete, ist der Raum nicht nur lang gezogen, sondern vor allem enorm hoch. Von der Decke herab lässt Bühler die von ihm angebotenen Fahrräder an einem Seilzugsystem herunterhängen. „Das ist zum einen schlicht pragmatisch, um die bestehende Situation hier auszunutzen. Aber ich finde, es hat auch eine künstlerische Komponente!“
„Palais Vélo“ - Wie kam es schließlich zu diesem Namen? „Ich war schon immer frankophil, begeistert von Frankreich“, berichtet Bühler, „Ich bin in Baden-Württemberg, nur drei Kilometer von der Grenze entfernt aufgewachsen. Und dort gibt es ja auch eine bemerkenswerte Radsportkultur!“ Das spiegelt sich auch in allerhand Details im Laden wieder. „Ich habe mich bemüht, die französischen Landesfarben blau-weiß-rot an der einen oder anderen Stelle unterzubringen.“ (hs)
