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Zu Besuch bei einer Buchbinderei in Rosenheim

„Dachte, ich verkaufe nie wieder ...“ - Was sich in 25 Jahren Buchbinderei getan und geändert hat

Blick in die Firmenchronik: Buchbindermeisterin Bettina Maier schaut mit uns auf die inzwischen 25-jährige Geschichte ihrern Buchbinderei „PappenStil“ in Rosenheim zurück.
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Blick in die Firmenchronik: Buchbindermeisterin Bettina Maier schaut mit uns auf die inzwischen 25-jährige Geschichte ihrer Buchbinderei „PappenStil“ in Rosenheim zurück.

Seit einem Vierteljahrhundert, 25 Jahren, gibt es Bettina Maiers Buchbinderei „PappenStil“ nun schon in Rosenheim. Wir haben mit ihr auf das Wachstum des Betriebs, zahlreiche Umzüge und vor allem, wie sich das Geschäft in den letzten Jahrzehnten verändert hat, zurückgeblickt.

Rosenheim - „Genaugenommen sind es 26 Jahre seit der Meisterschule, 25 Jahre seit der Gründung und nun fünf Jahre hier, im Esbaumviertel“, berichtet Bettina Maier. Wir treffen uns an einem schönen Maivormittag in ihren Räumlichkeiten. Direkt an der Herzog-Otto-Straße weist ein Schild am Tor den Weg. Nachdem man es durchschritten hat, geht es noch ein Stückchen über einen Hinterhof, dann ist man beim eigentlichen Eingang der Buchbinderei „PappenStil“ angelangt. Begrüßt durch das Bimmeln kleiner Glöckchen an der Türe, betritt man ihre Wirkungsstätte.

Buchbindermeisterin Bettina Maier von der Buchbinderei „PappenStil“ aus Rosenheim zeigt uns Ihre Sammlung an Schriftarten für den Druck.

„Wir binden Bücher nach Wunsch, bauen Schachteln auf Maß, schützen Dokumente mit schönen Mappen und geben Fotos mit individuellen Alben den richtigen Rahmen“, beschreibt Maier das Angebot ihres Betriebs, „Und natürlich reparieren wir alle Ihre geliebten papierenen Begleiter auch, wenn Sie mal ‚aus dem Leim gehen‘. Egal ob Kinderbuch, Kochbuch oder Bibel. Wir sind spezialisiert auf individuelle Lösungen, ungewöhnliche Formate und persönliche Beratung.“

Zu Besuch bei der Buchbinderei „PappenStil“ in Rosenheim: „Dachte, ich verkaufe nie wieder ...“ - Was sich in 25 Jahren Buchbinderei getan und geändert hat

„Unmittelbar zuvor war hier eine Sprachschule. Davor wohl eine Freikirche“, erinnert sich Maier. Wir sitzen mit ihr zusammen an einem Tisch am Ende des langgezogenen Saals, in dem sich ihre Werkstatt befindet, auf einer leicht erhöhten Fläche. „Das hier war wohl, wo sich der Altar und das Podium des Pfarrers befand“, meint sie. Die Wände sind in einem lebendigen gelb gestrichen, die Platten der Decke wiederum in einer Art buntem Schachmuster. „Das wiederum ist ein Erbe der Sprachschule, der Inhaber mochte es bunt“, lacht Maier.

Bettina Maier bei der Arbeit in ihrer ehemaligen Werkstatt an der Sternstraße bei einem Besuch der OVB-Heimatzeitungen im Jahr 2019.

Eigentlich habe sie nach dem Abitur Geschichte studieren wollen. „Das war aber nichts für mich, wie sich dann herausstellte. Viel zu theoretisch.“ Auch Archäologie habe sich nicht als die richtige Wahl herausgestellt. „Dann stand ich da: ‚Was mache ich jetzt mit dem Rest meines Lebens?‘“ Schließlich sei sie auf die Möglichkeit einer Ausbildung zur Restauratorin gestoßen: „Das war damals ein Fachhochschul-Studium. Aber man musste zuvor eine Handwerkslehre absolviert haben. Dabei sollte man sich bereits auf das spezialisieren, was man mal restaurieren will.“ So sei sie zur Buchbinderei gekommen. „Schon in kurzer Zeit wusste ich während der Ausbildung: Das ist es!“

Es ging los auf 30 Quadratmetern im eigenen Haus

Zunächst habe sie dann angestellt gearbeitet und habe bis heute noch Nebentätigkeiten zur finanziellen Absicherung. „Aber es war mir von Anfang an klar: Ich will mit der Buchbinderei etwas Selbständiges machen.“ Losgegangen sei es auf 30 Quadratmeter im eigenen Wohnhaus. „Dann die erste richtige Werkstatt in der Ruedorfferstraße, doppelt so groß, direkt neben dem Tatis wo jetzt ein gastronomischer Betrieb drin ist.“ Dann ging es weiter in die Sternstraße, wo sie sich schon auf 80 Quadratmetern entfalten konnte. Dort bekam sie 2019 auch einmal Besuch von den OVB-Heimatzeitungen. „Und schließlich dann hierher, wo ich nun 120 Quadratmeter habe, die genau passend sind.“

Bettina Maier bei der Arbeit in ihrer ehemaligen Werkstatt an der Sternstraße bei einem Besuch der OVB-Heimatzeitungen im Jahr 2019.

Mitten während der Corona-Krise im Jahr 2020 waren die Anfänge an der Herzog-Otto-Straße. „Da ich ja einen produzierenden Betrieb habe, war das aber erstmal kein Problem. Nach dem Ende der Pandemie gab es sogar einen kleinen Boom: Die Leute hatten alle bei sich daheim aufgeräumt und brachten nun Bücher, die repariert werden sollten. Andere wiederum hatten die Zeit genutzt, indem sie künstlerisch tätig wurden und nun wollten sie ihre Gedichte, Bilder und so weiter schön eingebunden haben.“ Alles in allem sei sie also trotz der Umstände verhältnismäßig gut gestartet.

Vertrauen auf bewährte Geräte

Während wir über die Vergangenheit reden, wird im Hintergrund kräftig gearbeitet: Ein Auszubildender und eine Praktikantin sind am Werk an beziehungsweise zwischen zahlreichen Pressen, Maschinen und Regalen voller Arbeitsmaterialien. „Ich fing hier an und dachte mir: ‚Da ist ja unendlich viel Platz!‘. Dann blinzelt man einmal und schon ist alles voll gestellt“, meint Maier mit einem Augenzwinkern. Manche der Buchbindergerätschaften sind sichtlich schon ältere Jahrgänge. „Man kann so etwas auch brandneu kaufen, aber ich vertraue auf diese bewährten Geräte.“ Alles davon sei regelmäßig im Einsatz.

Jubiläumsfeier:

Am Samstag, den 28. Juni von 10 bis 20 Uhr findet in der Buchbinderei in der Herzog-Otto-Straße 5 eine Jubiläumsfeier statt. Mehr Informationen dazu hier, auf der Website des Betriebs.

Was hat sich schließlich in einem Vierteljahrhundert verändert? „Vor 15 Jahren hätte ich noch gedacht: Ich verkaufe nie wieder ein Fotoalbum!“, meint sie, „Trotz weiter vorangeschrittener Digitalisierung wird das jetzt aber doch wieder stark nachgefragt.“ Demgegenüber gäbe es weniger Aufträge von Kommunen, Behörden, Vereinen und so weiter. Vor kurzem erst durfte sie aber beispielsweise das Goldene Buch der Stadt Rosenheim gestalten. „Reich wird man in der Branche wahrscheinlich nicht, aber es gibt alles in allem genug Aufträge beziehungsweise Nachfrage.“ Gerade in der heutigen Zeit sei sie von der Wichtigkeit der Rolle des Gedruckten und Gebundenen überzeugt: „Wenn sich alles immer mehr auf Bildschirme verlagert, ist es umso wichtiger, wenn wir zwischendrin immer wieder etwas echtes, greifbares in der Hand halten.“ (hs)

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