Von Brasilien in den Chiemgau
Gastro-Sensation: Erste Padaria in Deutschland öffnet in Prien – Amazonas-Flair und Herz für Region
Fabricio de Faria Costa möchte in der „Genuss Welt Prien“ direkt im Zentrum einen Ort der Zusammenkunft schaffen. Sein Konzept, eine Padaria, kommt aus seinem Geburtsland Brasilien. Was er sich darunter vorstellt und welche Ideen noch in ihm sprudeln, erzählt er dem OVB.
Prien – „Genuss Welt Prien“ steht in weißen und gelben Buchstaben auf den großen Fenstern an der Ecke Bernauer/Geigelstein Straße. Im Inneren wird schon seit einigen Wochen gewerkelt. Prien ist neugierig, was hier entsteht. In kürzester Zeit streckten drei Leute ihre Köpfe durch die offene Eingangstür. Wann gehe es denn los? „Bald“, entgegnet ihnen Fabricio de Faria Costa freundlich und weist auf die geplante Eröffnung Ende Mai hin. Wenn nichts dazwischenkommt, denn geplant war ursprünglich der 1. Mai.
„Wir mussten Toiletten einbauen und viele weitere Sachen umbauen“, erklärt der Betreiber. Aber was entsteht hier eigentlich? „Das Projekt heißt Padaria und ist die erste mir bekannte Padaria in Deutschland“, erklärt de Faria Costa. Eine Padaria ist eine Art Bäckerei, das Konzept kommt aus Brasilien. „Die Padaria bietet durchgehend warme Gerichte, Snacks und Sandwiches an“, erzählt der 43-Jährige, dabei gibt es einen frisch zubereiteten Mittagstisch: „Es soll ein Treffpunkt sein, so wie es eine Padaria in Brasilien ist.“
Dabei soll in Prien ein fließender Übergang vom Frühstück zum Mittagstisch angeboten werden, Öffnungszeiten von 9 bis 17 Uhr. Glutenfrei, vegetarisch, vegan, eiweißhaltig und deftig – alle sollen hier etwas zu essen finden. Als alternativ möchte die Genuss Welt Prien nicht empfunden werden. „Wir wollen hier ständig einen Wechsel haben, mit Wochenangeboten wie Brot- oder Bowl-Wochen. Es soll ein Angebot werden, bei dem sich die Priener selbst etwas Gutes tun können“, so de Faria Costa.
In drei Öfen sollen unter anderem leckere, proteinreiche Brote gebacken werden, Saftpressen stehen für Smoothies, Immun-Shakes und andere Sommergetränke bereit. Dabei soll es zwar exotische Zutaten wie Acerola und Acai, Früchte aus dem Amazonas, geben, „aber nichts Außergewöhnliches, wo die Leute denken, ‚wow, Vorsicht‘“, sagt der neue Betreiber und verspricht: „Wir haben eine Produktpalette, die Prien noch nicht kennt und wir werden ständige Wechsel haben.“ Der Fokus liegt dabei auf frischen Zutaten – trotz Amazonas-Früchten mit Schwerpunkt auf regionaler Herkunft.
Zu Beginn kleine Brötchen, Priener sollen mitentscheiden
Zum Start will de Faria Costa, gebürtiger Brasilianer, erst einmal kleine Brötchen backen: Ayurveda-Frühstück und Suppen. „Klein anfangen und zu schauen, was den Priener gefällt. Wir wollen die Meinung der Priener wissen und das, worauf sie Lust haben, auch anbieten“, gibt der in Gstadt lebende de Faria Costa. Die Räume habe er zufällig entdeckt. „Die Lage, der Lade, die großen Fenster, ich fand direkt alles super. Das Projekt hatte ich schon im Kopf, es fehlte noch der passende Laden, da war er“, erinnert sich de Faria Costa an die ersten Eindrücke.
Die Idee entstand in Luzern (Schweiz). „Da gab es einen Laden, in dem ich regelmäßig gegessen habe. Und ich dachte, das ist exakt das, was Prien fehlt“, so der Neu-Selbstständige, der bereits in fünf Ländern lebte. 2004 verließ er sein Heimatland in Richtung Europa, es folgten Aufenthalte in Portugal, Spanien, Österreich, der Schweiz und Deutschland. Hier schätzt er vor allem die, Achtung Klischee, super Arbeitsweise, Organisation und Struktur. Dafür verbessere die portugiesische oder spanische Lockerheit durch Lachen und miteinander Reden das Ambiente. „Ich habe von jedem Land etwas mitgenommen, was sehr wertvoll ist“, ist sich de Faria Costa sicher.
In Prien möchte er jetzt alles zusammenbringen. „Mit kühlem Kopf gelingt das“, sagt er. Der Wahl-Chiemgauer sprudelt nur so vor Energie, seine gute Laune ist ansteckend. Auch weitere Ideen für seinen Laden hat er schon: „An den Wänden ist genug Platz für die Priener Kunstszene, wir wollen auch so Menschen zusammenbringen.“ An den Wochenenden soll die Genuss Welt Prien, zumindest für den Regelbetrieb, geschlossen bleiben: „Wir planen Spieleabende oder Backworkshops. Wollen einen Platz für Events bieten.“
Vom Marketing in die Gastro-Szene
„Ich sehe wirklich gar keinen Grund, dass die Pläne nicht Gefallen finden. Wir geben uns extrem Mühe, dass die Produkte gefallen, dass das Ambiente gefällt“, ist de Faria Costa überzeugt. Nach dem Marketing-Studium habe er sich in der Gastro ausgetobt, mit „Food and Beverage Management“ weitergebildet und hochgearbeitet – vom Kellner, auch auf dem Münchner Oktoberfest, und in der Küche bis zum eigenen Gastronomie-Laden jetzt in Prien. Beim Thema Preise zeigt er sich offen: „Die Wirtschaft und der Betrieb sind verantwortlich für den Preis. Mein Ziel ist es nicht, große Margen zu bieten oder möglichst viel zu verdienen. Ich bin nicht jemand, der extrem auf Kapitalismus geht, das brauche ich nicht.“
Erste Kalkulationen ergeben, dass die Preise „im Rahmen und teilweise günstiger“ sind. Er glaube, es sei machbar, den Kunden ein cooles Produkt zu bieten, welches gesundheitsfördernd ist und einen angemessenen Preis hat. Sein Hauptziel: „Ich brauche einen coolen Laden, ein cooles Publikum. Die Hauptsache für mich ist, dass die Leute hier herkommen und ein Essen haben, das ihnen passt.“


