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Mord am Inn-Salzach-Klinikum

War es ein Rache-Akt? – Wasserburg nach Mord in Gabersee im Schockzustand

Hinten rechts führt ein Weg entlang der Tennisplätze zum mutmaßlichen Tatort auf dem Klinikgelände in Gabersee.
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Hinten rechts führt ein Weg entlang der Tennisplätze zum mutmaßlichen Tatort auf dem Klinikgelände in Gabersee.

Wasserburg unter Schock: Der Mord an einem Oberarzt im kbo-Inn-Salzach-Klinikum löst großes Entsetzen aus. Was bisher über das schreckliche Verbrechen durchgesickert ist. Die ersten Stimmen zur unfassbaren Tat.

Wasserburg – Das Gabersee-Gelände wirkt am Dienstag, 9. April, auf den ersten Blick wie immer: Patienten sitzen in Behandlungspausen auf den Bänken vor ihren Stationen, Ärzte- und Pflegepersonal eilen hin und her. Und doch, die Stimmung ist an diesem Morgen nach dem Mord von Montagabend, 8. April, eisig und bedrückt. Ärztlicher Direktor Professor Dr. Peter Zwanzger verweist auf Anfrage auf eine Nachrichtensperre aufgrund der aktuellen kriminalpolizeilichen Ermittlungen. Die Mienen beim Personal, das auf dem Gelände zu sehen ist: wie erstarrt. Denn das Opfer, ein 64-jähriger Oberarzt, war hier schon lange tätig. Der Forensiker gilt als sehr beliebt, sehr erfahren, sehr engagiert.

„Klinikleitung, Mitarbeitende und auch der Bezirk Oberbayern als Träger der Klinik sind fassungslos angesichts dieser unbegreiflichen Tat. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind beim Opfer und bei seinen Angehörigen. Wir stehen unter Schock und versuchen, das Unbegreifliche zu erfassen“, so eine erste Stellungnahme der Pressestelle des Bezirks Oberbayern.

„Dass es so eskaliert, das hat es noch nie gegeben“, sagt Wolfgang Schmid, Leiter des Gabersee-Museums. Schmid hat 45 Jahre lang in der Pflege und als Lehrer in der Ausbildung sowie als Betriebs- und Personalrat im Inn-Salzach-Klinikum gearbeitet. Zu Übergriffen könne es vor allem in der Forensik, wo psychisch kranke Rechtsbrecher behandelt werden, kommen. „Doch das, was am Montagabend passiert ist, hat eine neue Dimension.“ Schmid ist sichtlich geschockt, mehr will er derzeit zu seiner Gefühlslage nicht sagen. Der Bezirk Oberbayern bestätigt über Pressesprecherin Susanne Büllesbach: „Niemand kann sich an eine derartige Tat in der Klinikgeschichte erinnern.“

Wasserburgs Dritte Bürgermeisterin Edith Stürmlinger ist ebenfalls so entsetzt, dass sie kaum Worte finden kann. „Wir sind alle schrecklich bestürzt“, sagt sie. Die Stadträtin, die in diesen Tagen Rathauschef Michael Kölbl vertritt, spricht von einer großen Ratlosigkeit angesichts „dieser unglaublichen Tragik“. Denn das Inn-Salzach-Klinikum öffne sich bewusst nach außen, um die Barrieren gegenüber psychisch kranken Menschen abzubauen. „Das ist auch richtig so“, findet sie nach wie vor. Doch es gebe auch einen Anteil sehr schwer kranker Menschen, die eine Gefahr für sich und andere darstellen könnten. Es sei jedoch einfach unmöglich, alle wegzuschließen. „Das Klinikgelände ist ein offenes, frei zugängliches Areal. Dies entspricht zutiefst unserem Ansatz einer menschlichen Psychiatrie. Eine Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen möchten wir damit entgegenwirken. Auf unserem Areal von 40 Hektar verlaufen öffentliche Spazier- und Radwege. Dementsprechend gibt es auch kein Sicherheitspersonal und keine Taschen- oder Besucherkontrollen auf dem freien Gelände. Wie überall sind Waffen aber selbstverständlich verboten“, ergänzt der Bezirk zur Sicherheitslage.

Lob für Einsatzkräfte und Mitarbeiter

Der dringend tatverdächtige Mann, laut Kripo ein 40-Jähriger aus Norddeutschland, war noch vor Ort festgenommen worden. Laut Polizeipräsidium soll er blutverschmiert gewesen sein. In welchem Zusammenhang er mit dem Opfer steht, ist noch nicht bekannt. Die schnelle Festnahme war auch der Tatsache zu verdanken, dass sich Polizeibeamten aufgrund eines anderen Einsatzes vor Ort befanden. Wasserburgs Dritte Bürgermeister würdigt in diesem Zusammenhang die „großartige Leistung“ der Mitarbeitenden des Klinikums, die sehr gut reagiert hätten, und der Polizisten aus der Inspektion Wasserburg. Deren Einsatz sei als „sehr professionell“ gelobt worden, so Stürmlinger.

Wasserburgs Dritte Bürgermeisterin ist in Gedanken auch bei der Familie des Opfers, die in Wasserburg lebt und hier sehr bekannt ist. Und bei Chefarzt Dr. Stefan Gerl, Leiter des Maßregelvollzugs, der seinen wichtigsten Mitarbeiter durch die Tat verloren habe. „Das ist sicherlich ein schwerer Schlag für die Forensik“, ist Stürmlinger überzeugt.

Gezielt aufgelauert?

Gerüchte machen in Gabersee die Runde, nach denen der mutmaßliche Täter dem Oberarzt gezielt aufgelauert habe. Ein „Rache-Akt“ soll es gewesen sein, heißt es. Der ermordete Mediziner soll in der Nähe des Tatortes wohnen. Dieser befindet sich nach ersten Erkenntnissen nicht weit entfernt vom Forensik-Bau in einem Areal mit großen Grünflächen und Baumbestand. Die Klinik für Forensische Psychiatrie wird intensiv gesichert, sie ist abgesperrt. Hier gibt es geschlossene Bereiche, aber auch Freigänger. Das Krankenhausgelände in Gabersee, das mitten in einem Park liegt, ist jedoch offen zugänglich für jeden.

Das Kriseninterventionsteam kümmert sich seit Montagabend um Angehörige und Mitarbeiter. Sechs Kräfte waren laut Johanniter-Sprecher Gerhad Bieber am Tatabend im Einsatz: von der ökumenischen Seelsorge, dem BRK und von den Johannitern. Die Einsatzleitung hatte das BRK. Nach Angaben der Pressestelle des Bezirks wird den Klinikmitarbeitenden „in dieser absoluten Ausnahmesituation Kriseninterventionsbegleitung oder seelsorgerische Hilfe angeboten“.

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