„Das ist ein Thema, das brennt.“
Kampf ums Personal – nur wo soll es wohnen? Inn-Salzach-Klinikum in Gabersee gibt nun Antwort
Gutes Gehalt, verlässliche Dienstpläne, modernes Arbeitsumfeld: Das sind nicht mehr die alleinigen Kriterien bei der Arbeitsplatzwahl. Immer öfter geht es auch darum, dass Mitarbeiter eine bezahlbare Wohnung finden. So will das kbo-Inn-Salzach-Klinikum diese Herausforderung angehen. Das ist geplant.
Wasserburg – Das kbo-Inn-Salzach-Klinikum ist der größte nicht gewerbliche Arbeitgeber in der Stadt: Hier sind laut Geschäftsführer Dr. Karsten Jens Adamski 1900 Menschen beschäftigt, 1600 davon am Standort Wasserburg. Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen sei eine Herausforderung. Denn aufgrund der Tatsache, dass Mitarbeiter in den Ruhestand gehen und die Angebote erweitert würden, seien Nachbesetzungen und Neueinstellungen erforderlich. 65 bis 70 Fachkräfte müssten jährlich hinzugewonnen werden, berichtete Adamski im Stadtrat. 64 Vollzeitstellen seien allein 2023 dazu gekommen.
Die Gewinnung neuer Mitarbeiter in Pflege, Therapie und ärztlichem Bereich falle dem psychiatrischen Fachkrankenhaus als etabliertem Arbeitgeber in der Region Wasserburg grundsätzlich nicht schwer. Doch die Klinik sei auch auf Personal angewiesen, das überregional gewonnen werde. Spätestens dann komme stets die entscheidende Frage, so der kaufmännische Leiter: „Habt ihr eine Wohnung für mich?“ Diese werde in der Regel nur übergangsmäßig gesucht, für den Berufsstart beispielsweise. Die Auszubildenden in den beiden Pflegeschulen seien, wenn sie von weiter herkommen würden, ebenfalls auf ein Zimmer vor Ort angewiesen. Der Schichtdienst ermögliche nicht immer die Anreise mit Bus und Bahn. Ein Auto könne sich ein junger Mensch meist nicht leisten.
„Benötigen bezahlbaren Wohnraum“
„Um uns auf dem Arbeitsmarkt noch besser positionieren zu können, benötigen wir bezahlbaren Wohnraum“, so Adamski. Deshalb gebe es jetzt Überlegungen, auf dem Gabersee-Gelände eine Wohnanlage mit etwa 40 Appartements in einer Größte von je 26 Quadratmetern zu errichten. Christoph Schreyer, Leiter des Baureferats beim Bezirk Oberbayern, klopfte im Stadtrat ab, wie dieser darüber denkt. Begeistert, so lässt sich die Reaktion auf den Punkt bringen. Die drei vorgestellten Varianten kamen sehr gut an.
Der Standort liegt direkt auf dem historisch gewachsenen Parkgelände in Gabersee. Die Herausforderung: möglichst wenig Eingriffe in das Ensemble der Häuser, die zum Teil unter Denkmalschutz stehen, und in den alten Baumbestand, außerdem müssen wegfallende Parkplätze ersetzt werden.
„Schwesternwohnheim bleibt stehen“
Tatsache ist: Auf dem Areal gibt es schon ein „Schwesternwohnheim“, ein sanierungsbedürftiges Haus mit zehn Geschossen. Früher hieß es stets, es werde abgerissen. Davon ist jetzt in Zeiten der Nachhaltigkeit und Nachverdichtung nicht mehr die Rede, betonten die Vertreter des Bezirks. Dies gilt auch für eine bereits bestehende ältere Personalwohnanlage, so Schreyer auf Nachfrage von Friederike Kayser-Büker, SPD-Fraktionsvorsitzende.
Es werden also zusätzliche Gebäude für das übergangsweise Wohnen von Schülern, Pflegekräften und jungen Ärzten geschaffen. Dafür stellte Schreyer drei Varianten vor. Ein Gebäude mit Erd- und zwei Obergeschossen auf dem Parkplatz Mitte und ein ebenso großes Objekt auf einem jetzigen Garagenstandort sowie einen Turm mit sechs Geschossen auf dem Parkplatz Ost. Hier könnten sogar 49 Appartements geschaffen werden.
Planungsrechtlich alle Varianten möglich
Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) berichtete, im Rathaus habe eine Vorprüfung stattgefunden, planungsrechtlich seien alle drei Varianten möglich, nur beim höheren Gebäude sei ein Bebauungsplanverfahren notwendig. Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann sprach von einem „sehr gelungenen Vorhaben“ und guten architektonischen Ansätzen.
Existentiell für die Pflegefachschule
Wolfgang Janeczka nahm in doppelter Funktion Stellung: als SPD-Stadtrat und Mitglied der Leitung an der Berufsfachschule für Pflege. Derzeit seien nur 140 der 176 Ausbildungsplätze besetzt, auch weil es an günstigem Wohnraum fehle. Ihn zu schaffen, sei existentiell, auch für die Bildungseinrichtung, die für den Nachwuchs am Krankenhaus sorge. „Das ist ein Thema, das brennt.“ Wolfgang Schmid (CSU), jahrzehntelang in führender Position im Inn-Salzach-Klinikum tätig, zeigte sich erleichtert, dass jetzt umgesetzt werde, was er seit Jahren gebetsmühlenartig fordere: neuen Wohnraum für das Personal. Davon würden auch die Mitarbeitenden der Romed-Klinik profitieren. Der Wohnturm könne ohne Störung des Klinikbetriebs gebaut werde, warb Schmid für diese Lösung.
Norbert Buortesch (Bürgerforum) würdigte lobend die Tatsache, dass der Bezirk nur versiegelten Flächen für die Neubauten verwenden will. Edith Stürmlinger (Bürgerforum) betonte: „Sie rennen mit dieser Planung offene Türen ein.“ Sie sieht jedoch auch die Notwendigkeit, nicht nur Ein-Zimmer-Appartements zu schaffen, sondern auch Wohnraum für Paare und Familien. Heike Maas, Fraktionsvorsitzende von CSU/Wasserburger Block, erwartet eine deutliche Entspannung des Wohnungsmarkts. Christian Stadler, Fraktionsvorsitzender der Grünen, warb schon in diesem Vorstadium um möglichst viele Radparkplätze. Einig waren sich alle: Am liebsten hätten die Stadtratsmitglieder alle drei Varianten umgesetzt.