Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Haus Scholastika wieder eröffnet

„Ein Ort des Rückzugs und Stille“: Historisches Juwel im Kloster Frauenwörth erstrahlt in neuem Glanz

Nach langer Bauzeit ist das Gästehaus nun fertig. Äbtissin Johanna Mayer weihte das Haus ein.
+
Nach langer Bauzeit ist das Gästehaus nun fertig. Äbtissin Johanna Mayer weihte das Haus ein.

Das Kloster Frauenwörth auf der Fraueninsel hat sein historisches Gästehaus Scholastika nach jahrelanger Renovierung eingeweiht. Das Haus soll ein Ort der Ruhe und Spiritualität sein. Es ist offen für alle Glaubensrichtungen. Warum es kein Hotel ist.

Frauenchiemsee – Pax steht über der Eingangstür des neu renovierten Hauses Scholastika im Kloster Frauenwörth auf der Fraueninsel. Diesen Frieden sollen die Gäste finden, die künftig hier zu Gast sein werden. Nach jahrelanger Planung und Bauzeit konnte das Haus am Donnerstag, den 24. Oktober endlich eingeweiht werden. 

Im Jahr 2018 begannen die Planungen für die Renovierung des Gästehauses. Mit der Einweihung geht für die Nonnen nun eine anstrengende Zeit zu Ende. Der Bau brachte zahlreiche Herausforderungen mit sich, die auch für die Schwestern nicht leicht zu bewältigen waren. „Es zog sich hin und hatte auch Schwierigkeiten, die wir sonst noch nicht gehabt haben. Irgendwann sind die Kräfte auch mal weg. Aber es hat sich gelohnt“, sagte Schwester Elisabeth, Cellerarin des Klosters.

Ein Ort der Ruhe und Besinnlichkeit

„Sorgfalt und Genauigkeit brauchen Zeit“, sagte Annemarie Biechl, Erster Vorstand des Freundeskreises des Klosters Frauenwörth, zur Einweihung. Sie und der ganze Freundeskreis würde sich über die gelungene Renovierung freuen, da er für das Konvent von großer Bedeutung sei. Sepp Hofer, stellvertretender Landrat von Rosenheim, sprach dabei auch die Freude an, die seitens der Schwestern deutlich zu spüren war. „Es ist schon etwas ganz Besonderes, ein Haus mit einer solchen Geschichte zu erhalten. So können wir es auch der Nachwelt noch zeigen“, sagte Hofer. 

Geschichte des Hauses reicht 400 Jahre zurück

Die Geschichte des Gästehauses des Klosters auf der Fraueninsel reicht in der Tat weit zurück. Dr. Christian Kayser, Geschäftsführer eines Architektur- und Ingenieurbüros in München, untersuchte im Zuge der Renovierung den Bau des Hauses etwas genauer. Denn man wisse zwar viel über die mehr als 1000-jährige Geschichte des Klosters, aber nur wenig über den Bau selbst. Denn beim Haus Scholastika handle es sich um ein etwas eigenartiges Gebäude, wie er bei der Einweihung erklärte. Anhand der Gründungstafel, die nach wie vor nahe der Eingangstür zu finden ist, stammt das Haus aus dem Jahr 1611. Der Grundriss ist nahezu quadratisch, mit einem Pyramidendach. „Eine ungewöhnliche Konstruktion für die damalige Zeit“, sagte Christian Kayser. „Solche Dächer waren damals eher bei kleinen Adelsschlösschen zu finden. Man hat also damals schon einen hohen Anspruch an das Haus gehabt.“ Das decke sich auch mit der Benediktusregel. Gastfreundschaft sei eine wichtige Tugend für die Benediktiner, beziehungsweise die Benediktinerinnen des Klosters. „Die wohl hohen Gäste mussten standesgemäß untergebracht werden, was auch den Luxus des Hauses erklärt.“ Neben der Eingangstür ist eine Tür zu einem Abort zu finden, jeder Raum hatte früher einen eigenen Kamin und es gab sogar einen eigenen Brunnen im Haus. „Ich finde es schön, dass wir nun die Geschichte des Hauses weiterschreiben können.“

Anhand der Gründungstafel kann man das Gebäude auf das Jahr 1611 zurückdatieren.

Das Haus steht allen offen

„Das Gästehaus soll ein Ort des Rückzugs und der Stille sein“, sagte Äbtissin Johanna Mayer. Hier sollen Menschen aufgenommen werden, die sich nach Besinnung sehnen oder eine spirituelle Auszeit suchen. „Uns geht es darum, dass es kein Hotel ist. Die meisten kommen mit der Intention, dass sie sich zurückziehen wollen oder mit uns beten möchten“, erklärte Äbtissin Johanna. Das Gästehaus Scholastika stehe nicht nur den Gläubigen offen. Jeder, der sich nach Ruhe und einem spirituellen Rückzug sehne, sei willkommen, unabhängig von Glaubensrichtung oder Konfession. Das Haus biete neun Zimmer, jedes davon liebevoll mit antiken Möbeln eingerichtet. Die Nachfrage sei bereits groß. Allerdings bleibe das Kloster für die ersten Monate zurückhaltend, wie die Äbtissin erklärt: „Wir waren sehr vorsichtig jetzt für November und Dezember. Es fehlen noch mancherlei Details. Wir wollen auch die Rückmeldungen der Gäste hören.“ Daher ist der eigentliche Start, bei dem das Haus voll in Betrieb gehen soll, für 2025 geplant.

Die Zimmer sollen auch ein Rückzugsort sein.

„Mit Geduld und Ausdauer ist es jetzt geschafft“

Für Äbtissin Johanna Mayer bedeutet die Fertigstellung des Gästehauses einen besonderen Meilenstein: „Wir haben eine ganz große Freude, zum einen. Zum anderen erfüllt mich Erleichterung, muss ich ehrlich sagen“, sagte sie. Das Projekt sei von Anfang an eine finanzielle Herausforderung gewesen, doch der Durchbruch kam mit einer großzügigen privaten Spende von einer halben Million Euro. „Da habe ich gesagt, so, jetzt wagen wir es. Es wird noch mehr dazukommen“, erzählte die Äbtissin und berichtete von der weiteren Unterstützung durch Firmen, Institutionen und den Freundeskreis des Klosters. „Mit Geduld und Ausdauer ist es jetzt geschafft“, fügte sie hinzu.

„Hier im Haus ist eine Stille, die kann man fast spüren, körperlich, und das wirkt natürlich“, sagte Schwester Elisabeth. Das Haus Scholastika sei nicht einfach nur ein Übernachtungsort, sondern trage die über tausendjährige Geschichte des Klosters in sich. „Man ist hier in einer spirituellen Atmosphäre, uns gibt es seit 1242 Jahren, das ist kirchweihbezeugt. Das wirkt. Wie, das kann ich nicht erklären, aber das hat seine Wirkung“, beschrieb Schwester Elisabeth die jahrhundertealte Wirkungskraft des Ortes. Das Gästehaus Scholastika knüpfe an eine lange Tradition der Gastfreundschaft im Kloster Frauenwörth an. „Die Leute kommen immer wieder und sind froh, dass sie kommen dürfen, weil sie wissen, dass es gut tut“, so Schwester Elisabeth.

Kommentare