Pilotprojekt der Landkreisfeuerwehren
Helden-Schmiede von Kolbermoor: Warum Ausbildung fast so gefährlich wie der Feuer-Einsatz ist
Eine Prüfung unter Einsatzbedingungen legten jetzt sechs Kolbermoorer Truppführer ab. Was an dem Pilotprojekt so besonders ist, und warum die Prüflinge von Beobachtern aus dem ganzen Landkreis kritisch beäugt wurden.
Kolbermoor – Nach intensiver Feuerwehrarbeit standen die Ergebnisse fest: Sechs Angehörige der Feuerwehr Kolbermoor – darunter drei Frauen – haben ihre Prüfung zum Truppführer erfolgreich absolviert. Dabei hat sich vor allem das neu ausgearbeitete Prüfungs-Szenario bestens bewährt. Dieses erfreuliche Fazit konnte Kreisbrandrat (KBR) Richard Schrank mit allen Beteiligten um 21.25 Uhr bei der finalen Prüfungsbesprechung in der Kolbermoorer Feuerwehrwache ziehen.
In Verantwortung für die Kameraden
Die Kolbermoorer Floriansjünger agierten beim landkreisweiten Pilotprojekt als wichtige Kooperationspartner. Nach Erläuterung von KBR Schrank ist die Modulare-Truppausbildung-Prüfung der Abschluss der Grundausbildung der Feuerwehrler. Darauf bauen dann die Fortbildungsmaßnahmen in Richtung Technik oder Taktik auf.
Dazu zählt auch die Qualifikation zum Truppführer. „Dies ist der erste wichtige Schritt in die erste Führungsfunktion, bei der die Truppführer gerade auch Verantwortung für ihre Kameraden übernehmen müssen“, betonte KBR Schrank. Im Gegensatz zu bisherigen Truppführer-Prüfungen, bei denen überwiegend trainierte Standardsituationen abgearbeitet wurden, lag beim aktuellen landkreisweiten Pilotprojekt der Schwerpunkt auf einer vertiefte Praxis mit einem deutlich größeren Realitätsbezug der Prüfungsszenarien.
So wird Gefühl für Situation entwickelt
„Wir wollen unsere Feuerwehrkameraden bei den künftigen Prüfungen mit lebensnahen Situationen konfrontieren, die sie dann in Teams mit wachsamen Augen und dem richtigen Gefühl für die Gesamtsituation samt Bewertung der damit verbundenen Gefahren durch lageangepasstes Handeln erfolgreich bewältigen sollen“, verdeutliche KBR Schrank die Philosophie.
Bei der Prüfung in Kolbermoor agierten KBR Schrank und die Kreisbrandinspektoren Max Goldbrunner und Franz Hochhäuser als Schiedsrichter. Das Prüfungs-Szenario startete mit der Bearbeitung eines umfangreichen Fragenkataloges. Dem folgten die Einzelprüfungsaufgaben. Hier stand das theoretische und praktische Wissen der Kolbermoorer Feuerwehrler auf dem Prüfstand – unter anderem bei der Bewertung von Erste-Hilfe-Situationen, dem Aufbau einer Löschwasserleitung vom Hydranten zur Brandstelle oder bei der Bewältigung einer Verkehrsunfallsituation samt Verkehrssicherungsmaßnahmen.
Verletzten aus Schacht gerettet
Das Prüfungs-Highlight waren schließlich die beiden Truppaufgaben im gleißenden Scheinwerferlicht vor der Kolbermoorer Feuerwache. Zuerst galt es, eine Person patientenschonend durch Einsatz von Steckleiterteilen und Trage aus einem Schacht zu retten. Dazu musste die Einsatzstelle komplett ausgeleuchtet werden.
Kaum war die Einsatzlage abgearbeitet, eilten die Kolbermoorer Feuerwehrler ohne Verschnaufpause zu einem Prüfungs-Brand im ersten Obergeschoss. Die Aufgabenstellung lautete hier: Sicherstellung des Rettungsweges für einen Atemschutztrupp, Sicherstellung der Löschwasserversorgung mit einem C-Mehrzweckstrahlrohr, Ausleuchten der Einsatzstelle mit Stativ und Scheinwerfer.
Kurze Kommandos, klare Kommunikation
Mit kurzen, klaren Kommandos wurden bei beiden Prüfungs-Szenarien die einzelnen Aufgaben unter der Führung von Ausbildungsleiterin Nina Schrank abgesprochen. Die Einsatzverteilung war klar strukturiert. Teilweise legten die Kameraden im Sprinttempo in ihrer Einsatzkleidung und mit schwerem Einsatzgerät „bewaffnet“ die zu absolvierenden Laufstrecken zurück.
Trotz des hohen Tempos musste jeder Handgriff sitzen. Dabei war es wichtig, die Eigensicherheit zu beachten und mögliche Fehler bereits im Ansatz zu vermeiden. Am Ende hatte sich das hohe Engagement für alle Feuerwehrkameraden gelohnt: Das Schiedsrichter-Trio bescheinigte den Kolbermoorer Floriansjüngern ein hohes Leistungsniveau, eine beeindruckende Motivation, gute Kommunikation und eine eingespielte Vorgehensweise gepaart mit dem sicheren Handling der Einsatzgeräte unter Beachtung der Gefahrenlagen. Sichtlich zufrieden zeigte sich auch Armin Hörl, Kommandant der Kolbermoorer Feuerwehr: „Das war eine hervorragende Leistung.“


