Ein Toter (†34) und ein Schwerverletzter (22)
Dachstürze von Rott und Chieming: Das untersucht jetzt die Berufsgenossenschaft
In Rott und Chieming ereigneten sich kürzlich zwei schwere Arbeitsunfälle, bei denen Arbeiter vom Dach stürzten. Einer davon ging tödlich aus. Die Berufsgenossenschaft untersucht die beiden Vorfälle. Wie sie vorgeht, erklärt Pressesprecher Christian Sprotte.
Rott – Zwei schwere Arbeitsunfälle gab es in den vergangenen Tagen in der Region: Ein 34-jähriger Mann kam bei Dacharbeiten in Chieming ums Leben. Der Unfall ereignete sich am Montagnachmittag (7. Oktober), als der Arbeiter aus ungeklärter Ursache mehrere Meter vom Dachstuhl herunterstürzte und von einem herabfallenden Anbauteil getroffen wurde. Trotz schneller Rettung erlag er seinen Verletzungen, so das Polizeipräsidium Oberbayern Süd.
In Rott ereignete sich am Dienstagmittag (8. Oktober) ein weiterer Arbeitsunfall. Ein 22-jähriger Tüßlinger fiel bei Elektro-Arbeiten auf dem Dach durch einen Lichtschacht und stürzte vier Meter tief. Er verletzte sich schwer, aber nicht lebensbedrohlich, wie die Polizeiinspektion Wasserburg mitteilte.
Laut den Beamten wurde in beiden Fällen die Berufsgenossenschaft informiert. Sie wird die Fälle untersuchen. Christian Sprotte, Pressesprecher der Berufsgenossenschaft „Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse“ (BG ETEM), erklärt, wie die Aufarbeitung in solchen Fällen aussieht.
Herr Sprotte, wie geht die BG ETEM bei solchen Unfällen vor?
Christian Sprotte: Es gibt zwei Stränge: Zum einen untersucht eine Aufsichtsperson vor Ort den Unfall, klärt die Ursachen, die dazu geführt haben. Sie prüft, ob eine vollständige Gefährdungsbeurteilung vorliegt, ob die Beschäftigten unterwiesen waren und ob alle erforderlichen Schutzmaßnahmen im Vorfeld getroffen wurden. Die Aufsichtsperson macht gegebenenfalls Auflagen, um solche Unfälle zukünftig zu verhindern. Sie gibt auch Hinweise für mögliche Regressforderungen oder Bußgelder.
Zum anderen kümmert sich unsere Regionaldirektion in Augsburg um den Verletzten. Die Direktion sorgt dafür, dass die medizinische Heilbehandlung optimal verläuft. Bei einem schweren Unfall besucht ein Reha-Manager den Verwundeten bereits im Krankenhaus, um über die Heilbehandlung zu sprechen und Fragen des Versicherten zu klären.
Welche Sicherungsmaßnahmen gibt es für Arbeiter, die in großen Höhen arbeiten?
Sprotte: Bei Arbeiten mit Absturzgefahr müssen Schutzgeländer oder Fanggerüste errichtet werden. Besteht die Gefahr eines Durchsturzes, sind Fangnetze anzubringen. Nur wenn das nicht möglich ist oder der Aufwand in einem krassen Missverhältnis zur Dauer der Arbeiten steht, ist die Benutzung von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz zulässig. Umgangssprachlich wird sie auch als Anseilschutz bezeichnet.
Gibt es eine Strafe für eine Firma, wenn Sicherheitsmaßnahmen nicht getroffen wurden, zum Beispiel die Absicherung der Arbeiter?
Sprotte: Es muss im Einzelfall geprüft werden, ob der Unfall durch organisatorische Mängel oder durch Verhaltensfehler verursacht wurde. Liegen organisatorische Mängel vor, können daraus gegebenenfalls Strafen für den Betrieb folgen. Möglich sind ein Bußgeld und Regressforderungen.
Wie sieht die Arbeit der BG ETEM im Hinblick auf Unfallverhütungsmaßnahmen aus? Gibt es jährliche Schulungen für die Mitarbeiter?
Sprotte: Es gibt zwei zentrale Pflichten für Unternehmerinnen und Unternehmer: die Gefährdungsbeurteilung und die regelmäßige Unterweisung der Mitarbeiter. Wir unterstützen die Unternehmen dabei, diese Pflichten zu erfüllen. Dazu bieten wir Schulungen, Medien und Beratung an. Praktisch umsetzen muss es aber das Unternehmen selbst.
Unsere Aufsichtspersonen sind regelmäßig in den Betrieben, um zu beraten und die Einhaltung des Arbeitsschutzes zu überwachen. Wir bieten zahlreiche Seminare und Schulungen zu unterschiedlichen Themen an. Zum Beispiel haben wir eine Unterweisung zum Thema „Sicheres Arbeiten an elektrischen Betriebsmitteln auf Dächern“. Firmen können ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kostenfrei zu den Seminaren schicken. Darüber hinaus informieren wir regelmäßig über typische Unfälle und die richtigen Maßnahmen, um vorzubeugen. Neben klassischen Medien wie Broschüren, Zeitschriften oder die Homepage nutzen wir dazu auch unsere Social-Media-Kanäle.
