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Frust groß: „Voll Kacke“

Dachlos, hilflos, bodenlos: So lässt die Deutsche Bahn Reisende am Bahnhof Prien „im Regen stehen“

Am dachlosen Bahnhof Prien stehen die Kunden im Regen (links)- nicht nur zum Ärger von Bürgermeister Andreas Friedrich (rechts).
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Am dachlosen Bahnhof Prien stehen die Kunden im Regen (links) - nicht nur zum Ärger von Bürgermeister Andreas Friedrich (rechts).

Im Bahnhof Prien haben die Bahnsteige seit Mai 2023 kein Dach mehr, kürzlich wurde auch noch der Auskunfts- und Ticketschalter der Deutschen Bahn geschlossen. Der Ärger bei Pendlern und Touristen ist riesig. Das sagt Priens Bürgermeister – und diese unglaubliche Ankündigung macht die Deutsche Bahn.

Prien - Regen, Schnee, Sturm - am Dienstag (28. Januar) meinte es eine Wetterfront besonders schlecht mit den Reisenden der Region. Im warmen Warteraum des Bahnhofs Prien drängten sich vor den leeren Fenstern des kürzlich geschlossenen Reisezentrums der Deutschen Bahn viele Menschen auf engem Raum zusammen. Als die Abfahrt eines Zuges kurz bevorstand, stürmten Schulkinder, Pendler und Touristen kollektiv in Richtung Bahnsteig. Weil sie sich nur so kurz wie möglich den Unbilden der Witterung aussetzen wollten. Es gibt nämlich an den Bahnsteigen dieses beliebten Tourismusorts keine Dächer mehr – seit Mai 2023, also inzwischen seit über eineinhalb Jahren.

Bahn-Kunden stehen im Regen: Der dachlose Bahnhof von Prien.

„Traurige Situation mit der Deutschen Bahn“

„Voll Kacke“ findet eine junge Frau, die ihren Namen lieber nicht verraten will, die Gesamtsituation am Bahnhof Prien. Eine ältere Dame fragt den Autor dieses Textes fast verzweifelt, wie sie eine Verbindung nach Greifswald buchen kann. „Das die Auskunft geschlossen wurde, ist gerade für die älteren nicht so internet-affinen Leute schlimm. Und was ist mit den Urlaubern und den Leuten in den Kliniken?“, fragt sie sich hilflos. Nebenan steht ein älteres Urlauber-Paar, das mit der Bahn zu seinem Wohnmobil nach Bernau fahren will. Der Mann sagt: „Nicht nur der Bahnhof hier, die ganze Situation mit der Deutschen Bahn ist traurig. Man kann sich auch nicht darauf verlassen, dass die Züge pünktlich kommen.“

Herzlich Willkommen gilt bei der Bahn in Prien nicht: Das Reisezentrum ist dauerhaft geschlossen.

Priens Bürgermeister Andreas Friedrich ist die missliche Lage am Bahnhof in seinem Ort bekannt – schließlich beschweren sich immer wieder Pendler und im Sommer auch Touristen bei der Gemeinde. Ihm sind jedoch die Hände gebunden, denn der Bahnhof ist das Revier der Deutschen Bahn. „Wenn uns der Bahnsteig gehören würde, wären die Dächer niemals abgebaut worden“, so Friedrich zum OVB.

Priens Bürgermeister Andreas Friedrich

Darum wurden die Dächer entfernt

2023 waren die historischen Dächer des Bahnhofs überraschend entfernt worden - nach Abstimmung mit dem Denkmalschutz. „Gutachten haben massive Schäden am Bahnsteigdach aufgezeigt”, hieß es damals von der Deutschen Bahn.

Das kleine überdachte Wartehäuschen ist die einzige kleine Verbesserung am Bahnhof Prien.

So wurde der Bahnhof Prien dachlos und passiert ist von Seiten des Schienen-Konzerns seitdem fast nichts. „Ein sehr kleiner Teil eines Bahnsteig wurde provisorisch überdacht und am Bahnsteig der Chiemgaubahn ein überdachtes Wartehäuschen errichtet“, berichtet Friedrich: „Ansonsten gilt weiterhin: Die Bahn lässt ihre Kunden im Regen und Schnee stehen. Oder im Sommer in der Sonne.“ Priens Bürgermeister hat in den letzten Monaten immer wieder den Kontakt zur Deutschen Bahn gesucht und sogar die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) kontaktiert, die den Schienenpersonennahverkehr in Bayern im Auftrag des Freistaats kontrolliert.

„Schildbürgerstreich“ in Planung?

Bis auf die Auskunft, dass eine Planung für ein Provisorium erstellt wurde, bekam Bürgermeister Friedrich von der Bahn keine Zusagen: „Die Bilder davon haben sie mir auch nicht gezeigt. Vielleicht ist das ähnlich wie auf dem Bahnhof Starnberg geplant – das schaut dort aus wie nach einem Schildbürgerstreich.“ Von der Deutschen Bahn selbst gibt es nicht viel Erhellendes zur Kurzfrist-Planung am Bahnhof Prien. „Die Planungen für eine neue Überdachung haben sich herausfordernder dargestellt als zunächst angenommen. Für eine eigenständige, temporäre Konstruktion und von dem Bestandsbauwerk entkoppelte Bahnhofseindeckung wird derzeit die Genehmigungsplanung geprüft“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf OVB-Anfrage.

Selbst wenn eine Genehmigung erteilt würde, sieht es allerdings mit der Umsetzung schlecht aus – da dafür offenbar der Bahnverkehr auf der wichtigen Strecke München - Salzburg komplett gestoppt werden müsste. „Leider gibt es keine Möglichkeit, diese Arbeiten ohne Sperrpausen durchzuführen. Nach intensiver Prüfung aller Möglichkeiten durch den Baubetrieb ergeben sich derzeit keine freien Sperrpausenfenster, sodass wir aktuell keine verbindliche Zeitschiene benennen können“, schreibt die Bahn.

Bodenlose Frechheit? Abhilfe könnte erst 2027 kommen

Falls sich Möglichkeiten ergeben sollten, würde man die nötigen Arbeiten schnellstmöglich durchführen. Aber nur dann, „sofern das Zeitfenster sinnvoll vor der Sanierung der Strecke Rosenheim - Salzburg in 2027 liegt.“ Reisende werden das als bodenlose Frechheit empfinden. Übersetzt bedeutet es nämlich, dass Bahn-Kunden in Prien möglicherweise noch deutlich mehr als zwei Jahre die „absolut unbefriedrigende Situation“ (Friedrich) ertragen müssen. Falls es tatsächlich 2027 dann zum großen Umbaus des Bahnhofs Prien kommen sollte, ist der Bürgermeister außerdem gespannt, wie „Bahn und Denkmalschutz Sanierung und barrierefreien Umbau hinkriegen wollen.“

Außerhalb der Öffnungszeiten des Bahnhofsgebäudes wird es am Bahnhof Prien schwer in Sachen Wetterschutz.

Aber das ist Zukunftsmusik. Was den geschlossenen DB-Schalter im Bahnhofsgebäude Prien betrifft, verweist Friedrich auf den DB-Shop, der diese Aufgaben übernehmen soll. Ein Hinweisschild für den neuen Service dafür gibt es natürlich nicht – und eine Mitarbeiterin des Ladens erklärt, dass sie nur Tickets für den Regionalverkehr ausstellen kann. Der warme Warteraum ist übrigens nur von 5 bis 21 Uhr geöffnet. In den restlichen Stunden heißt das DB-Motto: Eine Ladung Regen, Sturm und Schnee für unsere geschätzten Kunden.

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