Kritik an den Plänen
Der Kampf ums Brannenburger Bahnhofsvordach: Opfert die Deutsche Bahn Geschichte für Geld?
Abreißen statt sanieren: Die breite Überdachung am Brannenburger Bahnhof soll nach dem Willen der Bahn durch zwei Glashäuschen ersetzt werden. Die Brannenburger wehren sich. Welche Entscheidung noch in diesem Jahr fallen könnte.
Brannenburg – Egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Schnee: Wenn die Sommerferien vorbei sind, kommen wieder viele Schüler mit dem Zug nach Brannenburg zum Unterricht. Die historische Bahnhofsüberdachung bietet den Kindern – und allen anderen Bahnreisenden – genügend Platz, um sich vor jedem Wetter zu schützen. Ein Teil der Überdachung soll jetzt aber abgerissen werden. „Aus Brandschutzgründen“, erklärt die Bahn.
Genauer: der Teil zwischen dem Empfangs- und dem Nebengebäude. Ursprünglich sollte auch das Dach vor dem Hauptgebäude abgerissen werden, das konnte aber gerade noch verhindert werden. Unterstellen darf sich dort aber aus Versicherungsgründen bald niemand mehr. Als Ersatz sollen zwei Glashäuschen und für die Unterführung „eine neue Treppeneinhausung aus Glas und Stahl“ gebaut werden, so die Bahn.
Opfert die Bahn Geschichte für Geld?
An den Plänen der Bahn gibt es aber Kritik. „Die Entscheidung der Bahn macht für mich aus architektonischen und praktischen Gründen keinen Sinn“, sagt Daniel Hoheneder. Er ist Kreisheimatpfleger für die Baudenkmalpflege. „Es gäbe genügend Möglichkeiten den Brandschutz zu erfüllen, ohne das Dach abreißen zu müssen.“ Die Bahn hat sich aber gegen eine Sanierung entschieden. Einen denkbaren Grund für den mangelnden Sanierungswillen sieht Hoheneder darin, dass die Bahn bei Neubauten finanziell unterstützt wird, bei Sanierungen aber nicht.
Nicht nur Schüler und Pendler, sondern auch Touristen, die Brannenburg mit dem Zug besuchen wollen, sind von der Entscheidung direkt betroffen. „Die geplanten Glashäuschen bieten den Leuten deutlich weniger Schutz vor Regen und gar keinen Schutz vor Sonne“, bemängelt Hoheneder. Da bliebe den Bahnreisenden lediglich die Unterführung als Sonnenschutz bleiben. „Den Zug sieht man von dort unten aber nicht.“
Überdachung ist Teil der Brannenburger Geschichte
Auch aus ästhetischen und historischen Gründen spricht sich Hoheneder gegen den Umbau aus. Das historische Dach ist über 110 Jahre alt. 1910 war der Bahnhof Brannenburg noch Startpunkt der Wendelsteinbahn und die ersten Passagiere haben genau unter diesem Dach auf die Zahnradbahn gewartet.
Gemeinde und Bahn stehen nicht im Dialog
Auch der Gemeinderat hat angekündigt, sich gegen die Neubaupläne der Bahn stark zu machen. „Wir haben der Bahn in einem Schreiben klargemacht, dass wir für den Erhalt des Daches sind“, sagt Bürgermeister Matthias Jokisch: „Die Entscheidung liegt aber bei der Bahn.“
In direkten Dialog stehen die beiden Parteien nicht. „Eigentlich erfahren wir alles, was wir wissen, über den privaten Eigentümer des Bahnhofsgebäudes“, sagt Jokisch. Der Bürgermeister rechnet damit, dass das Dach noch in diesem Jahr weggerissen wird.
Ein trockenes Plätzchen am Bahnsteig könnte dann zum Luxus werden.