„Rechts vor links ein Fremdwort“?
Hier gilt Tempo 30! Bernauer verärgert über Verkehrssünder in Eichet
Seit einigen Monaten gilt im Bernauer Ortsteil Eichet Tempo 30 und damit verbunden rechts vor links. Doch nicht jeder scheint sich daran zu halten. Wie die Situation vor Ort genau ist, ob weitere Maßnahmen geplant sind, und was bei einer Missachtung der dortigen Regelungen droht.
Bernau – „Nun ist die Testphase der Autofahrer vorbei und man fährt wieder so wie man es schon vorher gewohnt war“, schreibt Siegfried Uitz in einem Leserbrief an die Heimatzeitung. Er bezieht sich dabei auf die Verkehrssituation im Bernauer Ortsteil Eichet. Seit einigen Monaten ist dieser eine Tempo-30-Zone, in der die Vorfahrtsregel „rechts vor links“ gilt.
„Rechts vor links ein Fremdwort?“
Wie Uitz aber als Anwohner feststellt, nehmen vor allem Pendler und Durchreisende keine Rücksicht auf Geschwindigkeitsvorgaben und rechts vor links sei scheinbar ein Fremdwort. „Wenn die Autobahn voll ist, dann nehmen Verkehrsteilnehmer auch eine Abkürzung durch Eichet“, erklärt Uitz auf Nachfrage der Redaktion. Auch dann halten sich viele nicht an die geltenden Regeln, was zu brenzligen Situationen führt. Autofahrer, die sich an das Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde und an das „Rechts-vor-links“-Gebot halten, würden teilweise genötigt, um schneller zu fahren oder auch überholt.
Auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit sowie die Vorfahrt wird im Ortsteil Eichet aber oft hingewiesen, wie ein Reporter bei einer Fahrt feststellt. Neben Schildern mit der Aufschrift „Zone 30“ ist auch an vielen Stellen eine große weiße 30 auf die Straßen gesprüht, um auf das Tempolimit hinzuweisen. An vielen Kreuzungen steht auch ein Schild, das deutlich macht, dass die Vorfahrt geändert wurde. Und laut §8 der Straßenverkehrsordnung gilt die Vorfahrt von rechts, wenn an Kreuzungen und Einmündungen kein Verkehrszeichen, wie zum Beispiel ein Stopp-Schild, auf etwas anderes hinweist. Ebenso bilden Ampeln oder ein verkehrsregelnder Polizist die Ausnahme, doch das alles ist in Eichet nicht der Fall.
Kommen noch mehr Hinweise auf die Verkehrsregelung?
Dass es hier eine Tempo-30-Zone gibt, war der Wunsch der Anwohner. 2022 führte die Gemeinde eine Bürgerbefragung durch. „Hier mussten sich mindestens 50 Prozent der Anwohner beteiligen“, sagt Bernaus Bürgermeisterin Biebl-Daiber. 55 Prozent waren es dann letztendlich, somit war die Umfrage gemäß dem Beschluss des Gemeinderates gültig. Das Ergebnis: Mehr als 60 Prozent der Teilnehmenden befürworteten die Einrichtung der Tempo-30-Zone.
Irene Biebl-Daiber appelliert daher für mehr Rücksicht und dazu, sich an das Tempo-30-Limit sowie an die Rechts-vor-links-Regelung zu halten. Das gilt für alle Gebiete in Bernau und für alle Verkehrsteilnehmer, seien es Auto- oder Radfahrer. „Die 30 soll zur Verkehrsberuhigung dienen und mehr Sicherheit schaffen, vor allem weil in Gebieten, wie Eichet auch viele Familien mit kleinen Kindern leben.“
Wie die Bürgermeisterin außerdem informiert, gebe es gerade Überlegungen in der Verwaltung und dem Gemeinderat, ob neben weiteren Tempo-30-Hinweisen, nicht auch an bestimmten Stellen ein Hinweis für rechts vor links auf die Straße gesprüht wird. Zudem seien auch allgemein in Gebieten der Gemeinde Geschwindigkeitskontrollen möglich.
Das kann bei einer Missachtung drohen
Auf den Homepages der Bayerischen Polizei und des Bundesverkehrsministeriums wird darauf hingewiesen, dass, wer innerorts bis zu zehn Kilometer pro Stunde zu schnell unterwegs ist, ein Bußgeld von 30 Euro erwartet. Wer die zulässige Geschwindigkeit um mehr als 20 km/h überschreitet, muss mit einer Strafe von 115 Euro rechnen. Ist ein Verkehrsteilnehmer noch schneller dran, nimmt die Höhe des Bußgelds zu, auch Punkte in Flensburg und ein einmonatiger Führerscheinentzug sind die Folge. Ebenso kann die Missachtung der Vorfahrt mit einem Bußgeld und – je nach Situation – einem Punkt bestraft werden.

