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Teure Bußgelder

Kontrollen, Ausreden, saftige Strafen – Ärger in den Ruhezonen auf dem Chiemsee

Das Boot der Wasserschutzpolizei Prien auf dem Chiemsee bei voller Fahrt.
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Das große Boot der Wasserschutzpolizei in Prien bei voller Fahrt auf dem Chiemsee (Archiv).

Acht Verstöße in weniger als sechs Stunden: Die Wasserschutzpolizei Prien ist alarmiert. Die Ruhezonen auf dem Chiemsee werden gerade an warmen und heißen Tagen nicht so beachtet, wie sie das sollten. Im OVB-Gespräch erklärt Wasserschutzpolizistin Alexandra Rieger, wie die Kontrollen ablaufen. Die Strafen können sehr hoch ausfallen.

Prien am Chiemsee – Die Boote der Wasserschutzpolizei der Priener Polizeiinspektion liegen im Priener Hafen, von dort ist es nicht weit zur Herreninsel. Im Uferbereich sind einige Bereiche als Ruhezonen ausgewiesen. Betreten beziehungsweise befahren verboten – egal schwimmende, mit dem Elektroboot, Kajak oder auf dem Stand-up-Paddle. Aber auch viele andere Bereiche im Chiemsee sind Ruhezonen, alle sind auf der Webseite des Landratsamts Traunstein zu finden. Manche sind ganzjährig ausgewiesen und gelb beschildert, manche saisonbedingt vom 1. März bis 31. Juli und grün beschildert.

Damit diese Ruhezonen auch eingehalten werden, kontrolliert die Priener Wasserschutzpolizei diese Bereiche. Polizeioberkommissarin Alexandra Rieger ist hauptamtlich für die Wasserschutzpolizei tätig, mit einem Kollegen ist sie ganzjährig zu zweit. „Wir sind die mit den Streifen auf den Schulterklappen“, erklärt Bootsführerin Rieger im OVB-Gespräch. Unterstützung der Polizeiinspektion Prien kommt gerade in der warmen Jahreszeit. Denn nicht nur der Chiemsee fällt in den Zuständigkeitsbereich, auch der Simssee und kleinere Seen wie der Langbürgner See. Dazu kommen Themen wie Naturschutz, Tierschutz, Jagd, Fischerei, Umweltgift, Verunreinigungen. „Im Sommer ist genug da, da machen wir nichts anderes“, so Rieger.

Ordnungswidrigkeit: Polizei nimmt Personalien auf

Aktuell sei die Nichtachtung der Ruhezonen ein Problem. Bei einer Kontrolle am letzten Juni-Samstag wurden in nicht ganz sechs Stunden acht Verstöße festgestellt. Die häufigste besuchte Ruhezone sei die an der Westseite der Herreninsel, aber auch an der recht flachen und temporären Ruhezone am Ostufer der größten Chiemseeinsel werden viele Verstöße gegen die Ruhezone vernommen. „Natürlich kontrollieren wir da auch häufiger, weil wir dort am einfachsten hinkommen. An die Ruhezone um Seebruck kommen wir nicht so schnell hin“, ordnet die Kommissarin ein.

Wenn Menschen sich dann in den Ruhezonen befinden, kommt das Polizeiboot möglichst nahe an sie ran. Eine Ausweiskontrolle aber ist kaum durchzuführen. Die Personalien werden dennoch aufgenommen, die beteiligten Personen über ihre begangene Ordnungswidrigkeit aufgeklärt. Vom Landratsamt Traunstein, für die Wasserfläche des Chiemsees zuständig, kommt dann eine Verwarnung oder ein Bußgeldbescheid.

Die Ruhezonen im Chiemsee

Rieger und ihr Kollegium halten in ihrer Anzeige fest, ob die Leute einsichtig waren oder nicht und wie schwerwiegend der Verstoß war. Dabei wird in drei Kategorien unterteilt: einfach, mittelschwer oder schwerwiegend. Je näher am Schilf, welches es duch die Ruhezonen zu schützen gilt, desto schwerwiegender der Verstoß. Auch, wie einsichtig die Betroffenen sind. „Meistens sind die Personen einsichtig und verlassen dann auch selbstständig die Ruhebereiche“, berichtet Rieger, es gebe ganz selten aber auch Fälle, in denen „es Ärger gibt und wir die Leute mit Nachdruck aus dem Ruhebereich begleiten“.

Informationen einholen – wie bei Wanderungen am Berg auf

Die Ruhebereiche sind mit Bojen gekennzeichnet. Zwar nicht so viele, das auch so die Ruhebereiche geschützt werden. Dennoch sei laut Rieger eine Linie zu erkennen. Außerdem haben sich alle Menschen, die ein Boot steuern, über die Ruhezonen und andere wichtige Dinge auf dem See zu informieren. „Das ist wie, wenn ich auf den Berg gehe, da habe ich mich auch zu informieren, wo ich laufen soll und wo nicht“, vergleicht die Wasserschutzpolizistin.

Gerade Urlauber mit Verleihbooten würden häufig mit Unwissen argumentieren, „denen glaube ich das dann in der Regel auch“. Aber Einheimische kommen mit dieser Ausrede nicht davon, die Bootsnummern geben einen klaren Hinweis, „ob das Boot schon seit Jahren hier einen Liegeplatz hat“. Das „Verhör“ findet direkt auf dem Wasser statt, sei nicht mit einer Polizeikontrolle auf der Straße vergleichbar. „Wir haben da immer ein ganz gutes Gefühl, die Personalien und der Abgleich mit den Meldedaten stimmten bisher auch immer“, sagt Rieger.

Darum gibt es die Ruhezonen

1. Schutz von sensiblen Lebensräumen
Der Chiemsee ist ein ökologisch sehr wertvoller See mit vielfältigen Uferzonen, Feuchtgebieten und Inseln. Besonders bedeutend:
- Wasservogel-Brutgebiete
- Schilfgürtel und Flachwasserzonen, in denen Fische laichen und Amphibien leben
- Rastplätze für Zugvögel
In diesen Zonen können sich Vögel und Fische ungestört fortpflanzen, rasten oder überwintern.

2. Schutz seltener und bedrohter Arten
Am Chiemsee leben und rasten zahlreiche geschützte Arten, z.B. die Rohrdommel, der Haubentaucher oder der Seeadler. Ruhezonen verhindern, dass diese Tiere durch Freizeitaktivitäten, wie Bootfahren, Paddeln oder Schwimmen, gestört und vertrieben werden.

3. Lenkung des Tourismus
Der Chiemsee ist aufgrund seiner besonderen Lage und der ausgesprochen guten Wasserqualität ein beliebtes Freizeit- und Urlaubsgebiet. Um Mensch und Natur in Einklang zu bringen, braucht es aber klare Regeln. Ruhezonen strukturieren das Gebiet in „erlaubte“ und „nicht erlaubte“ Bereiche. So kann die Natur und seltene Arten geschützt werden, ohne den Erholungssuchenden grundsätzlich einzuschränken.

4. Gesetzliche Vorgaben
Der Chiemsee gehört zum Natura-2000-Netzwerk, ein europaweites Schutzgebietsnetz, begründet durch die Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie sowie der Vogelschutz-Richtlinie. Sie bilden das Rückgrat des europäischen Naturschutzes und verpflichten alle EU-Mitgliedstaaten zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten sowie ihrer natürlichen Lebensräume. Die EU fordert von den Ländern einen guten Erhaltungszustand für die Natura 2000-Gebiete.

Bayern hat durch diesen maßgeblichen Schutzstatus des Chiemsees eine große Verantwortung für einen in Europa einzigartigen Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt. Ruhezonen am Chiemsee schützen Natur, Tiere und das ökologische Gleichgewicht, damit auch künftige Generationen den See genießen können - nachhaltig und verantwortungsvoll.

Auf das Problem aufmerksam machen will die Wasserschutzpolizei gemeinsam mit dem Landratsamt Traunstein. Es wird im Juli und August Aktionstage geben, an denen die Ruhezonen regelmäßig kontrolliert werden. „Wenn wir kontrollieren, dann sind auch weniger Leute da, wenn nicht, reißt es auch wieder etwas ein“, schildert Rieger ihre Erfahrung. Außerdem sei Prävention wichtig: Den Leuten erklären, warum es die Ruhezonen gibt, dann sei die Akzeptanz dafür auch größer. Auch die Pressearbeit sei ein wichtiger Punkt.

Strafen in schwerwiegenden Fällen bis zum mittleren vierstelligen Bereich

Dennoch ist genug Platz für alle auf dem Chiemsee, trotz des abgesperrten Gebiets: „Etwa drei Prozent der ganzen Chiemseefläche sind Ruhezonen“, teilt Mathias Heinrichs, Referent des Landrats, auf Anfrage mit. Das Strafmaß ist auf dem Amt in zwei Kategorien unterteilt: „Bei Ordnungswidrigkeiten im Bagatellbereich kann ein Verwarnungsverfahren durchgeführt werden, also eine Verwarnung mit Verwarnungsgeld ausgesprochen werden. Wenn die Ordnungswidrigkeit nicht mehr geringfügig ist, kann ein Bußgeld verhängt werden“, schreibt Heinrichs.

Strafenstatistik des Landratsamts Traunstein

Im Jahr 2024 wurden beim Landratsamt Traunstein folgende Verfahren in Bezug auf die Ruhezonen bearbeitet:

Insgesamt 35 Anzeigen wegen Verstößen, gemeldet durch die Wasserschutzpolizei
Davon 7 mit Bußgeldbescheid im dreistelligen Bereich abgeschlossene Verfahren, in der Regel wegen Uneinsichtigkeit
27 Anzeigen mit Verwarnung inkl. Festsetzung eines Verwarnungsgelds bis 55 Euro

Bei häufigeren Vergehen, könne eine Anzeige von der Polizei erstattet werden. „Dann muss je nach Situation entschieden werden, ob und wie hoch das Bußgeld ausfällt. Bei schweren Vergehen, zum Beispiel, wenn jemand die Bereiche mutwillig beschädigt, reicht der Rahmen bis zu einer Geldstrafe in Höhe von 5.000 Euro“, so Heinrichs.

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