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Invasive Art erobert heimische Seen

Gefährden Stand-up-Paddler den Simssee? Was die fiese Quagga-Muschel damit zu tun hat

Julius Klöpfer, Andreas Haas, Quagga-Muschel, Stand-up-Paddlerin (Symbolbild)
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Gefährden Stand-up-Paddler den Simssee? Ja, sagt Julius Klöpfer (links) von der Fischereigenossenschaft. Auf dem Foto ist er mit Andreas Haas vom Bezirk Oberbayern zu sehen.

Schwer vorstellbar, dass eine kleine Muschel ganze Gewässer gefährden kann. Doch genau das passiert gerade in mehreren heimischen Seen. Im Simssee ist die Quagga-Muschel zwar noch nicht angekommen, aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Welche gefährliche Rolle Stand-up-Paddler dabei spielen.

Stephanskirchen/Simssee – Sie ist im Durchschnitt nur etwa 20 Millimeter groß und sieht auf den ersten Blick nicht sehr gefährlich aus. Doch die sogenannte Quagga-Muschel bringt heimische Seen und ihre Bewohner in eine schwierige Lage. Im Chiemsee hat sie sich bereits angesiedelt, auch am Simssee macht man sich Sorgen. Eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung können Stand-up-Paddler spielen.

„Die Quagga-Muschel ist eine invasive Art, die bei uns leider sehr gute Lebensbedingungen vorfindet“, erklärt Julius Klöpfer, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Simssee. Das wiederum fördere ihre Verbreitung und das Wachstum. Problematisch sei vor allem die exponentielle Vermehrung der fremden Art, die eigentlich nicht gestoppt werden kann. Professor Herwig Stibor von der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) erklärte zuletzt in einem Vortrag: „Eine Muschel legt eine Million weitere ab.“

Quagga-Muschel macht Fischen zu schaffen

Im Simssee gibt es die Quagga-Muschel aktuell zwar noch nicht. „Wir können aber nicht verhindern, dass sie irgendwann auch dort eingeschleppt wird“, betont Julius Klöpfer. Für ihn gehe es jetzt vor allem darum, das so lange wie möglich herauszuzögern.

Sollte die Muschel irgendwann mal im Simssee landen, sieht es vor allem für die Fische schlecht aus. „Die Muschel filtriert etwa ein Drittel des Phytoplanktons aus dem Wasser“, erklärt Klöpfer. Fische wie die Renke würden aber größtenteils davon leben. Wenn vom Phytoplankton nur noch zwei Drittel übrig bleiben, findet die Renke nicht mehr genug Nahrung. Und auch für die heimischen Muscheln bedeute die neue Art großen Stress. „Im schlimmsten Fall führt das dazu, dass die Muscheln absterben“, so Klöpfer.

Am Bodensee ist die Quagga-Muschel schon zum Problem geworden. Auch am Chiemsee bangen die Fischer. (Symbolbild)

Schiffe schleppten die Muschel ein

Die Quagga-Muschel stammt eigentlich aus dem Schwarzmeerraum. Klöpfer weiß, wie sie dennoch hierherkommen konnte. „Das größte Problem ist vermutlich der Wassersport und die Wasserschifffahrt“, sagt er. Die Übertragung geht schnell. Dafür muss ein Segelboot nur einige Zeit in einem befallenen See vor Anker liegen und dann in einem anderen See zu Wasser gelassen werden.

Aber auch große Schiffe fördern die Verbreitung der invasiven Art. „Sie nehmen entweder Wasser auf, damit sie mehr Tiefgang haben, oder lassen Wasser ab, um nicht so tief zu liegen“, erklärt Klöpfer. In diesem sogenannten Bilgewasser können sich Larven und Muscheln sammeln, die dann wiederum in anderen Gewässern landen und sich dort ansiedeln.

Große Gefahr durch Stand-up-Paddler

Die größere Gefahr für den Simssee dürften allerdings die Stand-up-Paddler sein. Wer morgens mit Stand-up-Paddleboard (SUP) im Chiemsee unterwegs ist und abends noch einen kurzen Ausflug auf dem Simssee macht, kann die Muschel schnell einschleppen. Er erzählt von einem Versuch, bei dem nachgewiesen wurde, dass die Larven der Quagga-Muschel bereits nach einer Stunde an Objekte im Wasser haften.

Julius Klöpfer (links), Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Simssee und Andreas Haas vom Bezirk Oberbayern, Fachberatung Fischerei.

„Diese Larven sind so klein, dass man sie sehr schlecht sieht“, sagt Klöpfer. Wenn die Umgebung feucht ist, überleben sie auch mal einige Zeit an der Luft. „Viele Stand-up-Paddler trocknen ihre Boards nicht vollständig, falten sie schnell zusammen und werfen sie in den Kofferraum“, so der Vorsitzende. Die Zeit, bis das SUP am nächsten See im Wasser landet, überlebe eine Larve so problemlos.

Einmal angesiedelt, bleibt die Quagga-Muschel

Wenn die Muschel trotz aller Vorsicht irgendwann im Simssee ankommt – wovon der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft ausgeht – wird man sie so schnell wohl nicht mehr los. „Natürlich gibt es Möglichkeiten, die aber sehr rigoros sind. In Nordamerika wird in großen Seen bereits Kupfer eingesetzt“, sagt Klöpfer. Dadurch werde allerdings jedes Leben im Gewässer ausgerottet. „Das ist auch nicht die beste Variante.“

Eine Frau ist mit einem Stand-up-Paddleboard (SUP) unterwegs. (Symbolbild)

Hoffnung für den Simssee?

Ein letzter Hoffnungsfunke für den Simssee bleibt laut Klöpfer allerdings noch. „Aktuell geht man davon aus, dass die Quagga-Muschel flachere Seen nicht so gerne besiedelt“, erklärt er. Sie bevorzuge wohl eher Regionen, die über 30 Meter tief sind. „So wie einige Schweizer Seen, die bereits befallen sind. Die sind teils mehrere hundert Meter tief. Der Simssee allerdings nur knapp 23 Meter.“ Zudem sind ihm zufolge Hinweisschilder am Simssee geplant. Sie sollen Bewusstsein schaffen für die Gefahr durch Stand-up-Paddler. Und auch dafür, wie diese eine Invasion vermeiden können.

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