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Extremsportler stammt aus Teisendorf

Vom „Ninja-Warrior“ zum Insta-Phänomen: Videos von Simon Brunner (28) mit zwei Milliarden Aufrufen

Ein junger Mann macht einen Salto vor einer Parkanlage.
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Sorgt mit seinen waghalsigen und gefährlichen Stunts immer wieder für Aufsehen: Simon Brunner.

Mit einer Hand klammert er sich an ein Stahlseil, die andere hält eine Person über einem scheinbar bodenlosen Abgrund. Was nach purem Leichtsinn klingt, ist für den Teisendorfer Simon Brunner Alltag - und kalkulierte Inszenierung. Der 28-Jährige sorgt mit spektakulären Stunts regelmäßig für Staunen. Mehr als zwei Milliarden Aufrufe haben seine Videos auf Instagram bereits. Der Extremsportler ist viraler Influencer mit internationalem Publikum. Seit Kurzem hat er mehr als eine Million Follower. 

Teisendorf/Innsbruck - Der Profi-Parcoursläufer und Ninja-Warrior-Champion hat eine sportliche Karriere hingelegt. Er begeistert Hunderttausende mit kurzen Videos, in denen er waghalsige Aktionen festhält: Er taucht durch schmale Röhren, springt von Klippen oder jagt sich von einer Brücke nach unten: Allein der Clip zum letztgenannten Stunt hat 399 Millionen Aufrufe. Wer ist dieser Mann, der keine Höhe zu scheuen scheint? Was treibt ihn an?

Schon als Jugendlicher zieht es ihn in die Höhe: Er beginnt mit Parkour und Freerunning, lernt zu klettern, zu springen, zu hangeln. 2017 steht er erstmals bei Ninja Warrior Germany im Rampenlicht. Brunner gilt längst als einer der erfolgreichsten Athleten der Show. Bei den Team-Wettbewerben von Ninja Warrior landete er mehrfach ganz vorne und triumphierte mit seinem Team „Magic Monkeys“. 

Einen Namen als vielseitiger Extremsportler gemacht

Neben Ninja Warrior sucht Brunner immer neue Herausforderungen: In der Netflix-Show Ultimate Beastmaster schaffte er es 2017 bis ins Finale der Auftakt-Episode. Ein Jahr später sprang er sich in der RTL-Show „Big Bounce – Die Trampolin Show“ auf den zweiten Platz. Sogar im Turmspringen bewies er sein Können – und konnte einen Sieg verbuchen. International machte er ebenfalls von sich reden: In Österreichs Ninja Warrior-Ausgabe erreichte er zweimal in Folge den zweiten Platz. Brunner, der studierter Sportmanager ist und zeitweise im Sportanlagenbau arbeitete, hat sich damit einen Namen als vielseitiger Extremsportler gemacht – am Boden, in der Luft und auf dem Bildschirm.

Seine waghalsigen Sprünge zeigt Brunner heute einem Millionenpublikum im Internet. „I find cliffs and jump off them“ („Ich suche Klippen und springe von ihnen“), heißt es selbstbewusst in seiner Instagram-Biografie. Tatsächlich sind es oft natürliche oder urbane Abgründe, an denen er sich inszeniert: Hausdächer, Brücken, Felsvorsprünge. Ein Beispiel ist die eigens konstruierte Himmelsleitereine zwölf Meter hohe Leiter aus Metall, die er im Garten seiner Eltern aufstellte und die bis über das Hausdach hinausragt. Was lokal nach einer verrückten Idee aussah, wurde im Netz zum viralen Hit: 113 Millionen Menschen sahen ihm beim Erklimmen zu. Doch damit nicht genug.

Zahlen sprengen jede TV-Quote

Kurze Zeit später toppte Brunner diesen Erfolg mit einem noch riskanter anmutenden Clip: Auf einer Panorama-Hängebrücke in den Alpen inszenierte er einen Balanceakt am Abgrund – scheinbar ungesichert ließ er seine Bekannte nur an seinem Arm über dem Nichts hängen. Die Szene jagte vielen Zuschauern einen Schauer über den Rücken. Die Resonanz: gewaltig – das Video wurde weltweit über 150 Millionen Mal geklickt

Solche Zahlen sprengen jede TV-Quote: Insgesamt haben Brunners kurze Clips bereits mehr als zwei Milliarden Aufrufe generiert. Jeder vierte Erdenbewohner hat damit rein rechnerisch ein Video von Simon Brunner gesehen. Sponsoren sind längst auf ihn aufmerksam geworden: Eine heimische Molkerei schmückt ihre Werbekampagne mit dem durchtrainierten Athleten. Brunner selbst sagt offen, dass Social Media sein Leben sei. Hinter den scheinbar spontan gefilmten Extremsport-Videos steckt minutiöse Planung. Sprachliche Barrieren vermeidet er bewusst. Seine Clips soll jeder rund um den Globus verstehen können. 

Die Grenzen des Machbaren verschieben

Was treibt einen jungen Mann an, sich immer neuen Risiken auszusetzen – sei es auf TV-Hindernisparcours oder an echten Abgründen? Bei Simon Brunner ist es weniger Leichtsinn, sondern vielmehr ein unbändiger Ehrgeiz und Lust am Verschieben von Grenzen. „Schneller, höher, weiter“, so wurde sein Ansinnen mal in einem TV-Porträt beschrieben. Tatsächlich sucht er permanent die Steigerung. „Ich möchte meine Himmelsleiter-Challenge noch toppen“, kündigte er an, kaum dass der erste Erfolg verdaut war. 

Allerdings: Brunner ist kein Draufgänger ohne Reflexion. Ein Unfall im Jahr 2022 führte ihm vor Augen, dass auch bei ihm nicht alles unverwundbar ist: Bei Dreharbeiten am Comer See verletzte er sich und musste eine Zwangspause einlegen. „Das hat mich zum Nachdenken bewegt“, gestand der Athlet danach ein und gelobte, künftige Risiken bewusster abzuwägen.

Lieber mit Rekorden Schlagzeilen machen

Diese Lektion scheint er verinnerlicht zu haben – seine gefährlich wirkenden Stunts sind seither oft bis ins Detail abgesichert oder durch Perspektiventricks entschärft. Der „Thrill“ bleibt, doch Brunner, der viel in der Welt herumreist, kalkuliert die Gefahr. Höhenangst kennt er nicht, im Gegenteil: Das Spiel mit der Schwerkraft ist für ihn Passion und Profession zugleich. Seine Ausbildung und technische Expertise nutzt er, um sichere Trainingsbedingungen zu schaffen. 

Im persönlichen Auftritt gibt sich der Oberbayer bodenständig und fokussiert. Brunner hält sein Privatleben weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Schlagzeilen macht er lieber mit sportlichen Rekorden als mit Partyexzessen. Im Freundeskreis der Szene ist er gut vernetzt – so trainiert er etwa mit Gleichgesinnten wie René Casselly, einem befreundeten „Ninja Warrior“-Star, oder Jan Schlappen, einem der erfolgreichsten deutschen Freerunner.

Immer auf der Suche nach dem nächsten Sprung

Sein Erfolg hat ihn inzwischen von Teisendorf in die Alpenmetropole Innsbruck verschlagen, wo er ideale Trainingsbedingungen vorfindet. Doch selbst dort zieht es ihn regelmäßig hinaus in die Welt: Gemeinsam mit anderen Outdoor-Influencern reiste er durch Frankreich, Spanien, Dänemark und Norwegen, immer auf der Suche nach den perfekten Spots für den nächsten Adrenalinkick. 

Mit seinen Leistungen hat Simon Brunner der Freerunning-Community neue Impulse gegeben. Er zeigt, wie man Extremsport und digitale Inszenierung verschmelzen kann – eine Kombination, die mittlerweile Schule macht. Junge Parkour-Sportler schauen zu ihm auf, lassen sich von seinen Rekordsprüngen inspirieren.

Zwischen Mut und Übermut liegt nur ein schmaler Grat

Gleichzeitig schärft Brunners Beispiel das Bewusstsein für Verantwortung im Extremsport. Die Diskussionen um seine gefährlich wirkenden Videos – ob berechtigte Kritik oder Teil des kalkulierten Marketings – führen vor Augen, dass zwischen Mut und Übermut oft nur ein schmaler Grat liegt. Brunner selbst betont, dass er niemanden zur Nachahmung ohne Training animieren möchte. 

Klar ist: Brunners Weg vom „Ninja Warrior“-Finalisten zum Instagram-Phänomen steht exemplarisch für eine Generation von Athleten, die klassische Sportgrenzen überschreitet. Mit Wagemut und einer Portion Selbstdarstellung erreicht er mittlerweile ein Publikum fernab der Parkour- und Kletterszene. Während er an der nächsten Herausforderung bastelt, hat Brunner eines bewiesen: Die spektakulärsten Geschichten schreibt man immer selbst. Die Kamera läuft natürlich immer mit. (kp)

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