Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Durchfallquote bei theoretischer Prüfung so hoch wie noch nie

„Das ist Beschiss!“: Fahrlehrer äußern sich zum Freilassinger Betrugsversuch bei Führerscheinprüfung

Ein Fahrlehrer steht zusammen mit einer jungen Frau vor einem Fahrschulauto und erklärt ihr etwas. Ein digitaler Fragebogen wird in arabischer Sprache dargestellt.
+
Noch nie war die Durchfallquote bei der theoretischen Führerscheinprüfung so hoch wie in 2023 - trotz der vielen Hilfsmöglichkeiten.

Neuer Negativrekord: 2023 wurden fast 42 Prozent der theoretischen Führerscheinprüfungen in Deutschland nicht bestanden. „Mehrfaches Scheitern ist eher die Regel als die Ausnahme“, betont der TÜV-Verband. Die Fahrschulen aus dem Berchtesgadener Land wissen aufgrund ihres Alltags, woran das liegt, ob die Fragen zu schwer geworden sind und warum manche Prüflinge solch dreiste Betrugsmethoden wie kürzlich in Freilassing ausprobieren.

Freilassing/Berchtesgadener Land - Die Zahlen steigen stetig: Lag die Durchfallquote bei der theoretischen Führerscheinprüfung dem TÜV-Verband zufolge im Jahr 2014 noch bei 32 Prozent, stieg der Wert im Laufe der Jahre immer weiter, bis er schließlich 2023 bei 42 Prozent landete. Wie die Auswertzungen zeigen: Viele Fahrschüler fallen nicht nur einmal durch. Das sorgt auch für solch dreiste Betrugsversuche wie kürzlich in Freilassing, als eine Frau dabei aufflog, wie ihr jemand über Handy, Kabel und Kopfhöhrer die Antworten durchgab.

„Wir hören aus Gesprächen mit Prüfern, dass solche Fälle vor allem in Rosenheim und München gang und gäbe sind“, erzählt Fahrlehrer Sebastian Hirnböck aus Bad Reichenhall. Er glaubt, dass es oft die Sprachbarriere ist, die zu solchen Taten führt. Es seien meistens Personen mit Migrationshintergrund, die solche Betrugsmethoden versuchen. Das hatte auch ein Sprecher des TÜV Süd auf Nachfrage bestätigt. Laut Hirnböck käme es in anderen Ländern durchaus vor, dass dort die Führerscheine gekauft würden. „Selbst bei uns in Deutschland gibt es die Vertreterprüfungen, bei denen 1500 bis 2000 Euro dafür gezahlt werden, dass jemand anderes mit ähnlichem Aussehen die Prüfung bestreitet.“ Ein solcher Betrug sei beispielsweise über das Darknet möglich.

„Komplexere Fragen und mehr Updates dazu“

Seine Fahrschule führt er seit Anfang 2020 in der vierten Generation, nachdem sein Vater Michael den Betrieb 28 Jahre lang geführt hatte. Die Fahrschule selbst war früher noch unter dem Namen Tiefenthaler bekannt und wurde 1939 gegründet. Hirnböck selbst arbeitet seit zwölf Jahren als Fahrlehrer und erkennt durchaus einige Entwicklungen. „Die Theorie ist mittlerweile sehr anspruchsvoll geworden“, findet er. „Es gibt immer mehr und immer komplexere Fragen und immer wieder Fragen-Updates.“ Teilweise müssten die Fahrschüler auch Aspekte zu Fahr-Assistenzsystem „stumpf auswendig“ lernen.

Eine Rolle spielt dem Fahrlehrer zufolge aber auch, dass sich das Verhalten der Fahrschüler geändert hat. „Die sind fauler geworden und bis manche die Prüfung komplett durchziehen, dauert es manchmal Monate oder Jahre“, so Hirnböck. „Früher wollte man so schnell wie möglich mit 17 oder 18 Jahren den Führerschein haben. Das war ein richtiger Meilenstein auf dem Weg zur Selbstständigkeit.“ Doch diejenigen, die es von Anfang bis Ende richtig durchziehen wollte, kämen immer seltener vor. Auch die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspanne sei geringer geworden.

Würden Sie die theoretische Führerscheinprüfung bestehen?

Auf seiner Homepage informiert der TÜV Süd über die Prüfung, die Kosten und weitere Details. Hier können Sie sich selbst testen, ob sie den Test bestehen würden.

Migrationshintergrund spiel häufig eine Rolle

Ein anderer Fahrlehrer aus dem Landkreis berichtet, dass er einen solchen Fall wie in Freilassing hier noch nicht erlebt habe. Aber als er viele Jahre in einem anderen Bundesland arbeitete, bekam er so etwas häufiger mit. Er findet: „Man muss das Kind beim Namen nennen: Das ist Beschiss!“ Er wolle keine Vorurteile bestärken, aber es handle sich häufig um Menschen, die kein oder schlecht Deutsch sprechen. „Und dann wählt man vielleicht lieber den Betrugsversuch, quasi den bequemeren Weg, als die Sprache zu lernen. Vielleicht sind manche auch verzweifelt, weil sie den Führerschein für einen Job benötigen“, meint er. In seiner Fahrschule sei die Durchfallquote relativ konstant. Für ihn hat das Bestehen der Prüfungen vor allem mit Lernfleiß zu tun. „Das kann auch ein 15-jähriger Schüler schon packen“, findet er.

Die Theorie kostet 25, die Praxis 130 Euro: Vielleicht sind die Prüfungen einfach zu billig.

Fahrlehrer Christoph Renoth

Für Christoph Renoth von der gleichnamigen Fahrschule aus Berchtesgaden ist klar: Solche Fälle wird es immer wieder geben. „Seitdem es mehr Varianten bei den Fragen und Inhalten gibt, bemerke ich auch einen signifikanten Anstieg bei den nicht-bestandenen Prüfungen“, schildert er. Für ihn könnte auch ein Lösungsweg darin bestehen, die Kosten für die Prüfungen anzuheben und damit zu sorgen, dass sich die Fahrschüler besser darauf vorbereiten und gar nicht erst zu Betrugsmethoden greifen. „Die Theorie kostet 25, die Praxis 130 Euro: Vielleicht sind die Prüfungen einfach zu billig.“

Prüfung schwerer geworden, aber noch machbar

Eine andere Fahrlehrerin aus dem Berchtesgadener Land war sogar vor Ort in Freilassing, als die Polizei wegen des Betrugs bei der Prüfungsstelle war. „Wir haben den Vorfall nicht miterlebt, sondern nur die Polizisten gesehen. Wir waren die Prüfungsgruppe, die danach drankam“, schildert sie. Auch sie hat schon von solchen Fällen gehört, vor allem in Gesprächen mit anderen Fahrschulen. Sie glaubt: Im Berchtesgadener Land kommt es seltener dazu als in Großstädten. „Ich habe hin und her überlegt, wieso man zu solchen Methoden greift, aber ich verstehe es einfach nicht.“

Natürlich sei die Prüfung schwerer geworden, gibt sie zu, aber sie immer noch machbar. „Vielleicht hat sie sich wegen der Sprachbarriere schwergetan. Man hört immer wieder, dass die Übersetzungen wohl nicht zu 100 Prozent korrekt sind“, berichtet sie. Laut der Fahrlehrerin seien aber auch Handys und Social Media daran Schuld, dass viele junge Menschen nicht mehr in der Lage sind, sich für mehr als ein paar Sekunden oder Minuten zu konzentrieren.

Und: Man merke auch, welche Schulen die Jugendlichen besuchen und wer unter Druck lernen könne und wer nicht. „Bei manchen Fahrschulanfängern können wir gleich eine Doppelstunde fahren“, erzählt die Fahrlehrerin, seit 2017 im Beruf, aus ihrem Alltag. „Andere sind schon nach 45 Minuten komplett fertig.“ (ms)

Kommentare