Neuer Nahversorger der Familie Hölzlwimmer
„Geht an die Nerven“: Neuer Edeka in Berchtesgaden kurz vor Start - das sind die Details
Die monatelange Umbauphase samt wiederholter Verzögerungen neigt sich dem Ende zu: Der neue Edeka-Markt an der Bergwerkstraße wird in Kürze eröffnet. Für den Berchtesgadener Kaufmann Helmut Hölzlwimmer und sein Team beginnt damit die finale Phase eines millionenschweren Projekts, das für den Familienunternehmer von besonderer Bedeutung ist.
Berchtesgaden - Knapp zwei Wochen dauert es, die Lebensmittel für den Betrieb im neuen Edeka einzuordnen: Bereits ab dem 23. Juli rücken die ersten Mitarbeitenden an, um mit der Befüllung der Regale zu beginnen. Parallel dazu sind nach wie vor Handwerksbetriebe vor Ort. Fliesenleger verlegen die letzten Quadratmeter, Kassentische werden installiert, und auch die Lüftungstechnik wird final eingebaut.
Die Außengestaltung des Gebäudes, inklusive Werbeelementen und Markenkennzeichnung, steht ebenfalls noch aus. Im Inneren schreitet derweil die sogenannte Spiegelung der Waren voran: Ein im Einzelhandel gängiger Begriff, der das exakte Ausrichten und Anordnen der Produkte beschreibt. Ziel ist eine Regaloptik, die den Kunden Orientierung bietet und den Einkauf im modernen Supermarkt ansprechend gestalten soll.
Eröffnungstermin bereits drei Mal verschoben
Gleichzeitig laufen die letzten Arbeiten an der digitalen Infrastruktur. WLAN-Systeme, sowohl für Kunden als auch für das interne Team, werden installiert. Hölzlwimmer spricht von „zahlreichen offenen Baustellen“, so kurz vor der offiziellen Eröffnung. Die Belastung ist ihm anzumerken: Dreimal musste der geplante Eröffnungstermin bereits verschoben werden, ebenso oft mussten bereits bestellte Waren wieder abbestellt werden. „Das geht wirklich an die Substanz und beansprucht die Nerven“, sagt der 54-Jährige im Gespräch.
Sein Team ist in den vergangenen Wochen ordentlich angewachsen. Von den derzeit 65 Beschäftigten aus Hölzlwimmers bestehendem Markt an der Königsseer Straße werden rund 35 künftig am neuen Standort arbeiten. „Alle Mitarbeiter sind bereits eingebunden“, so der Kaufmann. Die letzten personellen Neuzugänge starten am 16. Juli, dennoch bleibt die Personalsuche ein Thema. Wer geeignet sei, werde nach wie vor eingestellt.
„Die letzten verbliebenen Edeka-Märkte im Berchtesgadener Talkessel“
Seit mittlerweile 13 Jahren betreibt Hölzlwimmer den Edeka-Markt an der Königsseer Straße, und wird ihn auch weiterhin führen. Dass die beiden Märkte nur rund einen Kilometer voneinander entfernt liegen, ist strategisch gewagt. Mit Einbußen am bisherigen Standort rechnet der Unternehmer, wie er sagt. Dennoch überwiegt für den Kaufmann die Verpflichtung: „Wir sind die letzten verbliebenen Edeka-Märkte im Berchtesgadener Talkessel.“ Der Umbau des neuen Marktes ist ein Kraftakt: Zwei Millionen Euro fließen in Einrichtung, Kühltechnik, Regale und Waren. Die bauliche Sanierung des Gebäudes liegt in der Verantwortung der Schöndorfer Firmengruppe aus Bad Reichenhall. Der Zustand des Hauses war prekär. Wasserschäden, instabile Decken und ein marodes Parkdeck prägten das Bild. „Bis auf den Baustahl musste alles zurückgebaut werden“, erinnert sich Hölzlwimmer.
Dass er sich dennoch für das Projekt entschieden hat, liegt auch an seinem Sohn Thomas, der mit 24 Jahren in die Fußstapfen von Vater und Großvater tritt. Der gelernte Einzelhandelskaufmann und ausgebildete Metzger soll mittelfristig die Leitung übernehmen. Der neue Edeka-Markt versteht sich nicht nur als klassische Einkaufsmöglichkeit, sondern will zugleich Treffpunkt sein. Neben einem großzügigen Frischebereich, einer Bedientheke, einem Backshop und einer Obstabteilung entsteht ein Café mit etwa 30 Sitzplätzen, das zum Verweilen einlädt. Auch ein separater Getränkemarkt gehört zum Konzept. Drei herkömmliche Kassen werden durch drei Selbstbedienungskassen ergänzt. Perspektivisch plant Thomas Hölzlwimmer zudem, eigene Mittagsgerichte anzubieten und ein zusätzliches Angebot etwa für Berufstätige und Schüler zu schaffen.
Wichtig für die Nahversorgung
Angesichts des Rückgangs kleiner Lebensmittelgeschäfte in der Region schließt der neue Standort eine wichtige Lücke in der Nahversorgung, auch über Berchtesgaden hinaus. Zahlreiche Kunden kommen regelmäßig aus dem benachbarten Österreich, um hier preisgünstiger einzukaufen als in ihrer Heimat. Die Hölzlwimmers setzen ganz klar auf diese grenzüberschreitende Kundschaft. Die vergangenen Monate seien intensiv und fordernd gewesen, sagt Helmut Hölzlwimmer. Nun richtet sich der Blick nach vorn: ‚Wir sind in den letzten Abstimmungen.‘ Die Vorfreude ist groß, ebenso die Anspannung. Am 7. August sollen sich die Türen öffnen und damit eine lange Phase des Umbaus zu Ende gehen. Das Ziel ist klar: Hölzlwimmer will mit dem neuen Standort einen modernen Nahversorger schaffen: mit familiärer Handschrift, regionaler Verwurzelung und einem klaren Bekenntnis zum stationären Einzelhandel vor Ort. (kp)