Doch kein neuer Standort
Klinik-Neubau-Wende! Bad Reichenhall hält am alten Bestandsgrundstück fest
Die Pläne für das neue Zentralklinikum Berchtesgadener Land nehmen eine überraschende Wendung. Statt eines Neubaus an der B 20 soll die Klinik nun am bisherigen Standort in der Riedelstraße entstehen.
Die Pressemeldung der Stadt im Wortlaut:
Bad Reichenhall – Die beiden Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein, die Kliniken Südostbayern und die Stadt Bad Reichenhall planen einen Neubau des Zentralklinikums Berchtesgadener Land. Sie stimmen darin überein, dass der in Bad Reichenhall ein überaus wichtiges gemeinsames Projekt zur Sicherstellung der stationären medizinischen Versorgung in der Region darstellt.
Neubau an der Riedelstraße
Im Rahmen des laufenden Bebauungsplanverfahrens zum Grundstück an der B 20 gegenüber der Rupertus-Therme ist es notwendig und auch sinnvoll, den Nachweis über den besten Standort zu führen. Im Rahmen dessen haben die Kliniken Südostbayern AG sich nochmals intensiv mit der Möglichkeit befasst, den geplanten Neubau auch am bisherigen Krankenhausareal an der Riedelstraße durchführen zu können. In der Folge soll diese Alternative nun favorisiert weiterverfolgt werden.
Maßgeblich hierfür sind geänderte Prämissen wie etwa die Konkretisierung der notwendigen Bettenzahl in Abstimmung mit dem bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention sowie der zwischenzeitlich gesicherte Verbleib der psychiatrischen Versorgung seitens der kbo in Freilassing. Im Zuge fortlaufender Gespräche aller Beteiligten, fortgeschrittener Planungen und den Erkenntnissen aus dem Auslegungsverfahren zum Bebauungsplan erscheint ein Neubau auf dem Gelände der bestehenden Kreisklinik als verfolgenswerte Option. Wichtig ist zu betonen, dass mit dem Ersatzneubau keine Sanierung der bestehenden Gebäude gemeint ist, sondern ein Abriss und Neubau am Bestandsgrundstück in der Riedelstraße in mehreren Bauabschnitten. Dies wird nun im weiteren Verfahren näher beleuchtet.
Gründe für Neubau
Die Grundlage für diese Neuausrichtung wurde durch mehrere Faktoren beeinflusst:
1. Komprimierte Bauweise: Die Bettenzahl für das neue Krankenhaus wurde aufgrund des Fortschreitens der ambulanten Versorgung und im Rahmen der Erwartungen an die Krankenhausreform von 300 auf 240 Planbetten reduziert. Infolge der verbesserten ambulanten Behandlungs- und Versorgungsmöglichkeiten konnte eine Anpassung der Bettenkapazität vorgenommen werden. Dieser Schritt spiegelt die veränderten Anforderungen und Fortschritte im Gesundheitswesen wider und zielt darauf ab, die Ressourcen des Krankenhauses effizienter zu nutzen und gleichzeitig die Qualität der Patientenversorgung zu gewährleisten. Zudem war ursprünglich eine Entwicklungsfläche für die Inn-Salzach-Kliniken (kbo) und weitere medizinische Versorgung angedacht, die nach deren Verbleib u.a. am Standort Freilassing keinen Bestand mehr hat. Dies hat die Möglichkeit eröffnet, die neue Zentralklinik mit weniger Fläche und einer optimierten Kubatur auf dem bereits vorhandenen Klinikgelände im Innenbereich zu entwickeln.
2. Ökologische Vorteile: Der Neubau auf dem bestehenden Gelände vermeidet die Notwendigkeit der Flächenversiegelung an der Saalach und schont Naturräume. Es entstehen hier keine zusätzlichen Belastungen für die Umwelt. Die bestehenden Grundwasserproblematiken am Standort können durch den Bau eines neuen Gebäudes nachhaltig gelöst werden.
3. Erschließungsvorteile: Die Verkehrsinfrastruktur am bestehenden Standort kann mit wesentlich weniger Aufwand weiterentwickelt werden. Bis auf die Krankenanfahrt sind nach derzeitigem Stand keine sonstigen Zufahrtsveränderungen notwendig. Die weitere notwendige Infrastruktur ist bereits vorhanden.
4. Finanzielle Vorteile: Erhebliche Aufwendungen für Grundstückserwerb, Grundstückstausch und Erschließung fallen nicht in dem bisher geplanten Umfang an. Einzelne Teile der bestehenden Infrastruktur können weiter genutzt und angebunden werden, um dann einen 2. Bauabschnitt bedarfsorientiert zu entwickeln.
5. Synergieeffekte: Während der Bauphase wird der Bestandsbau weiterhin flexibel und skalierbar in die medizinische Versorgung integriert sein, was eine kontinuierliche Versorgung der Patienten auf höchstem Niveau gewährleistet und gleichzeitig wertvolle Synergien zwischen Neubau und Bestandsnutzung ermöglicht.
6. Vorteile für die Patienten: Die neue Zentralklinik bringt spürbare Vorteile für die Patienten: Sie wird nach modernsten medizinischen Standards gebaut, wodurch effizientere Abläufe, kürzere Wartezeiten und eine verbesserte Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung gewährleistet sind. Der vertraute Standort bleibt erhalten, was die Erreichbarkeit erleichtert, und der Klinikbetrieb kann während der Bauphase ohne Unterbrechungen weitergeführt werden.
Zudem sorgt die Neuausrichtung für eine höhere Aufenthaltsqualität mit moderne nPatientenzimmern und einer angenehmen Umgebung, die den Heilungsprozess unterstützt. Die Kliniken Südostbayern (KSOB) bekennen sich im Rahmen ihres Medizin- und Standortkonzepts klar zu ihrer Verantwortung als zentraler Gesundheitsdienstleister in der Region.
Traunstein weiterhin zentraler Schwerpunktversorger
Der Standort Traunstein ist weiterhin als zentraler Schwerpunktversorger gesetzt, während in Bad Reichenhall mit der neuen Zentralklinik die Gesundheitsversorgung im Berchtesgadener Land nachhaltig gesichert und verbessert werden soll. Die enge Zusammenarbeit aller Akteure unterstreicht die Bereitschaft aller, den besten Weg im Sinne hochwertiger Patientenversorgung und regionaler Entwicklung zu finden.
„Damit bekennen wir uns nochmals ganz klar zur Weiterentwicklung der Zentralklinik am Standort Bad Reichenhall und damit der Gesundheitsversorgung vor Ort im Berchtesgadener Land“, bekräftigt Landrat Bernhard Kern. „Indem wir jetzt alle neuen Anforderungen in die Planungen mit einbeziehen, schaffen wir nicht nur mehr Flexibilität und Handlungsspielraum, sondern stellen aktiv sicher, dass wir optimale Lösungen für die Patienten schaffen. Zu diesem Zeitpunkt im Verfahren ist es daher der richtige Schritt, einen möglichen Ersatzneubau an der Riedelstraße weiterzuverfolgen.“
Oberbürgermeister Lung äußert sich
Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung ordnet den gemeinsamen Schritt einer Alternativenprüfung zum Neubau am Bestandsgrundstück ein: „Damit ist das Tor aufgemacht zum Verbleib des Krankenhauses an der Riedelstraße. Ein Ersatzneubau am Standort in mehreren Bauabschnitten entspräche dem Vorgehen, wie es in Traunstein gemacht wird. Ich meine, dass diese Variante sich in der Reichenhaller Bevölkerung auf breiten Rückhalt stützen kann.
Ein Neubau am Standort Riedelstraße vereint die Vorteile zeitgemäßer baulicher und medizinischer Möglichkeiten mit den Vorzügen des Bestandsstandorts. Der Vorschlag geht letztlich auch auf Argumente der Kritiker ein und schafft einen guten Interessenausgleich, wie der Stadtrat und ich finden. Das Freizeitgelände an der Saalach bliebe damit unangetastet und es besteht sogar die Möglichkeit, zu einem schnelleren Baubeginn zu kommen.“ Bis diese Lösung am Bestandsgrundstück definitiv verwirklicht werden kann, bleibt das begonnene Bebauungsplanverfahren indes eröffnet. (Pressemitteilung der Stadt Bad Reichenhall)