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Gebaut in China

Elektro-SUV mit spanisch-deutschem Kern: Wie fährt sich der Cupra Tavascan?

Cupra bringt im Tavascan spanisches Flair und deutsche Technologie der Konzernmutter VW zusammen. Der Elektro-SUV wird aber in China gefertigt. Ein preiswertes Modell ist er jedoch nicht.

112 Einwohner, drei Hotels, ein Restaurant: Mitten in den Pyrenäen in 1.122 Metern Höhe liegt der kleine Ort Tavascan. Außer den einheimischen Skifahrern dürfte das Bergdörfchen kaum jemand bekannt gewesen sein. Bis die Seat-Tochter Cupra ihr zweites rein elektrisches Modell so getauft hat und jetzt die halbe Welt den Namen Tavascan kennt. Global ist das VW-Produkt aber auch noch aus einem anderen Grund. Es wird komplett im chinesischen Volkswagen-Werk Anhui produziert – und dann nach Europa exportiert. Das ist eine echte Premiere im VW-Konzern. Wer jetzt allerdings denkt, dass der Cupra Tavascan aufgrund der niedrigeren Produktionskosten ein Schnäppchen ist – der täuscht sich. Im Gegenteil: Das Elektro-SUV setzt sich sofort an die Preis-Spitze der Modellpalette, die allesamt aus dem gleichen Baukasten kommen und ihre gesamte Technik aus dem gleichen Konzernregal holen. Ob VW ID.4, ID.5, ob Audi Q4 e-tron oder Skoda Enyaq – der Tavascan ist mit 56.200 Euro Einstiegspreis der teuerste Konzernsprössling. Und könnte bald noch teurer werden, sollte die EU tatsächlich Strafzölle auf Autos aus China erheben. 36,7 Prozent Aufschlag kämen noch dazu, die Verhandlungen mit der EU laufen noch.

Die Nacht ist die Bühne des Cupra Tavascan

Nun könnte man ja meinen, dass die Preispolitik ganz schön mutig ist von den Spaniern, fast schon übermütig. Aber es muss ja einen Grund geben, warum Cupra zur am schnellsten wachsenden Automarke in Europa aufgestiegen ist. Einer der großen Anreize ist wohl das Design. Denn hier lassen es die Spanier unter der obersten Leitung von Jorge Diez so richtig krachen. So auch beim 4,64 Meter langen SUV – das sich vom Aussehen ganz weit entfernt hat von den eher langweiligen ID.4 und ID.5. Wie jeder andere Cupra auch, steht der Tavascan stämmig und skulptural auf der Straße.

Das Design eines Cupras darf nur eines nicht sein: Langweilig. Und das ist der neue Tavascan ganz gestimmt nicht.

„Ein Cupra soll nie langweilen, muss die Grenzen austesten und darf mit seinem Design provozieren“, so lautet das Credo von Diez. Ein anderes, typisches Motto ist die Farbe Kupfer. Sie findet sich überall am und im Fahrzeug. Neu sind die Tagfahrlichter: Drei Dreiecke, die an die gelblichen Augen eines Reptils in der Dunkelheit erinnern. Überhaupt: Die Nacht ist die neue Bühne des Tavascans. So leuchtet das Logo auf der Motorhaube erstmalig strahlend helle, dünne LED-Streifen ziehen sich quer über die Front bis zu den Kotflügeln und geben dem Fahrzeug Breite. Und auch das Heck wird von einer roten Lichtlanze nebst rotem Logo illuminiert. Ja, ist denn schon Weihnachten? Der glanzvolle Auftritt passt zu den Plänen der Spanier. Sie wollen bis Ende 2030 auch auf dem US-Markt präsent sein.

Zeitenjagd auf Nordschleife: Diese 10 Elektroautos waren am schnellsten

Porsche Taycan Turbo auf der IAA.
Platz 9 – Porsche Taycan Turbo: Die Zuffenhausener sind fast schon Stammgast in der Eifel. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis man nach dem Rekord für in Serie gebaute Elektroautos greift. Und so schickten die Schwaben 2019 einen Vorserien Taycan Turbo auf die Nordschleife. Die offizielle Zeit: 7:42,3. Ein neuer Rekord! Übrigens: Der BMW M4 CS der vorherigen Generation war genauso schnell. © Manfred Segerer/Imago
Tesla Model S
Platz 8 – Tesla Model S Plaid: Wo es um Elektroautos geht, ist Tesla nicht weit weg. Und so wollten die Amerikaner auch den Rundenrekord auf der Nordschleife. Um Porsche abzulösen, schickte man 2021 das Model S Plaid ins Rennen. Mit Erfolg: Das 1.020 PS starke Elektroauto durchquerte die Grüne Hölle in 7:35,5 Minuten. Es war der Anfang eines Duells um die Bestzeit. © Tesla
Porsche Taycan Turbo S auf der Nordschleife.
Platz 7 – Porsche Taycan Turbo S: Nur ein Jahr später schickte sich Porsche an den Tesla-Rekord zu knacken. Dieses Mal sollte es der Taycan Turbo S richten. Und er pulverisierte die Bestmarke der Texaner. Mit 7:33,3 Minuten war er knapp zehn Sekunden schneller als das Model S Plaid. © Porsche
Tesla Model S auf der Nordschleife.
Platz 6 – Tesla Model S Plaid Track Pack: Im Jahr 2023 folgte dann ein weiterer Anlauf von Tesla. Dieses Mal war das Model S Plaid zusätzlich noch mit dem Track Pack ausgestattet. Perfekte Voraussetzungen für einen Trackday mit Rundenrekord. Und den schnappten sich die Texaner auch. Die Zeit: 7:25,2 Minuten. Satte 8,1 Sekunden schneller als Porsche. © Tesla
Toyota TMG EV P002 auf der Nordschleife.
Platz 5 – Toyota TMG EV P002: Der Name dieses Stromers ist ähnlich kryptisch, wie der des ersten Elektro-Toyotas bz4X. Dahinter verbirgt sich aber ein elektrischer Prototyp eines Rennautos mit 469 PS. Mit 7:22,32 stellte Toyota 2012 für kurze Zeit den Rekord für Elektroautos auf der Nordschleife auf. © Toyota Gazoo Racing Europe
Porsche Taycan Turbo GT auf der Nordschleife.
Platz 4 – Porsche Taycan Turbo GT: Und täglich grüßt das Murmeltier oder in diesem Fall Zuffenhausen. Im Januar 2024 schickte die VW-Tochter einmal mehr eine Vorserienversion des Elektrosportlers auf die Nordschleife, um den Tesla Rekord einzustellen. Und das gelang eindrucksvoll. Mit 7:07,5 Minuten blieb man nur knapp über sieben Minuten. Platz drei verpasste der Taycan um grade einmal 2,3 Sekunden. Zeitgleich war man knappe 18 Sekunden schneller als Dauerkonkurrent Tesla. © Sebastian Kubatz/Porsche
Rimac Nevera
Platz 3 – Rimac Nevera: Mit einer Zeit von 7:05,2 ist das Hypercar hauch dünn, das schnellste Serien-Elektroauto auf der Nordschleife. Die 1.088 PS haben bei der Rekordfahrt Ende 2023 sicherlich geholfen, um Porsche, Tesla und Co. hinter sich zu lassen. Den Sprint von null auf 100 schafft der Nevera in 1,7 Sekunden. Auch abseits der Grünen Hölle ist er somit eines der schnellsten Elektroautos auf dem Markt. Zudem hält der Sportwagen einen Weltrekord für die höchste Geschwindigkeit im Rückwärtsgang. © Cover-Images/Imago
NIO EP9
Platz 2 – NIO EP9: Auch wenn der Sportwagen zwischen 2016 und 2019 für etwa 1,55 Millionen Euro verkauft wurde, ein Serienfahrzeug ist er nicht. Lediglich zehn Exemplare wurden gebaut. Auf der Nordschleife durfte das 1.360-PS-Monster 2017 zeigen, was in ihm steckt. Und das ist einiges: Als erstes Elektroauto bezwang er die Grüne Hölle in unter sieben Minuten. Und zwar deutlich. Am Ende zeigte die Stoppuhr 6:45,9 Minuten. Beim ersten Versuch im Vorjahr blieb das Hypercar mit 7:05,12 Minuten noch knapp darüber. © Pond5 Images/Imago
Ein Lotus Elvija X auf der Nordschleife.
Platz 2 – Lotus Elvija X: Schon die Serienversion des Elektro-Hypercars ist beeindruckend. 2.039 PS katapultieren den Lotus Elvija in 9,1 Sekunden auf Tempo 300, das maximale Drehmoment beträgt 1.704 Newtonmeter. Daran hat sich auch bei der Nordschleifen-Version nichts geändert. Lediglich an der Aerodynamik hat Lotus geschraubt. Der Elvija X trägt einen massiven Heckflügel sowie einen ausgeprägten Frontsplitter und Luftleitbleche. Hinzu kommen Karbonbremsen und Rennreifen von Pirelli. Mit diesen minimalen Modifikationen brannte das Hypercar eine Zeit von 6:24,047 Minuten in den Asphalt der Grünen Hölle. Damit ist es das schnellste Auto mit Serienfahrwerk. © Lotus
VW ID.R auf der Nordschleife.
Platz 1 – VW ID.R: Noch bevor Volkswagen voll auf Elektro gesetzt hat, experimentierte man in Wolfsburg mit dem Alternativ-Antrieb herum. Heraus kam der ID.R. Mit 680 PS und weniger als 1.100 kg Gewicht war die Studie ein offensichtlicher Kandidat für den Elektro-Rekord in der Eifel. 2019 war es dann so weit und die Grüne Hölle war kein Gegner für den ID.R. Der Elektrorenner brauchte nur 6:05,3 Minuten für die Nordschleife. Damit ist er mit deutlichem Abstand der schnellste Stromer auf der Kult-Strecke. Einzig der Porsche 919 Hybrid Evo legte die 23 Kilometer schneller zurück. © Bildagentur Kräling/Volkswagen

Exzentrisches Design trifft auf Hartplastik

Die Inszenierung setzt sich auch im Innenraum fort. Fast schon exzentrisch spreizt sich von der Mittelkonsole aus eine breite Spange über beide Seiten des Armaturenbretts. Sie erinnert an ein Skelett und könnte auch vom spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava stammen, der viele seiner Werke wie zum Beispiel den neuen Bahnhof am New Yorker World Trade Center wie große Gerippe aussehen lässt. Schade, dass dieses Schmuckstück nur an Carbon erinnert, aber aus Hartplastik besteht.

Die Spange in der Mittelkonsole ruft viele Assoziationen hervor. Manche entdecken ein Skelett, manche ausgebreitete Vogel-Schwingen.

Zwar wird es von einem Kupferstreifen eingefasst, es wirkt dennoch billig. Aluminium wäre angemessen gewesen. Bei den Displays sieht es VW-mäßig aus. In der Mitte thront das 13 Zoll (ca. 33 cm) große Infotainment-Display. Und leider, leider tauchen auch die ungeliebten Slider wieder auf, mittlerweile allerdings beleuchtet. Immerhin. VW hat das in den neuen Modellen wie im Elektro-Passat ID.7 bereits abgeschafft. Genauso wie die unsensiblen Sensortasten auf dem Lenkrad für Lautstärke, Sprachbedienung oder Abstandstempomat.

Spitzenmodell VZ hat einen zweiten Motor und 340 PS

Aus dem Konzernregal kommen auch die zwei verschiedenen Antriebe, die man schon von den anderen VW-, Audi- und Skoda-Modellen her kennt. Der Akku fasst sowohl bei der Basis-Version Endurance als auch beim VZ-Modell 77 kWh netto. Die günstigere Variante treibt ein 286 PS starker Heckmotor an, mit 545 Nm Drehmoment. Von null auf Tempo 100 geht es in 6,8 Sekunden. Zwischen 100 und null Prozent Akkuleistung liegen rein theoretisch 568 Kilometer Reichweite.

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Der Tavascan VZ (VZ für spanisch veloz, schnell) hat einen zweiten Motor auf der Vorderachse, der nochmal 134 Nm Drehmoment zur Verfügung stellt und die Systemleistung auf 340 PS steigert. Damit spurtet der Allradler dann auch schon in 5,5 Sekunden von 0 auf 100 (Höchstgeschwindigkeit abgeregelt bei 180 km/h). Das kostet freilich Energie. Die Reichweite liegt dann nur noch bei theoretischen 522 Kilometern.

Beim Aufladen leistet sich der Tavascan Schwächen

Aber ist das alles realistisch? Wir verbrauchten auf den Testfahrten mit dem VZ statt der versprochenen 16,5 kWh tatsächlich knapp 20 kWh. Unter Berücksichtigung, dass die Batterie normalerweise nur auf 80 Prozent aufgeladen wird und dass man sein Auto mit zehn Prozent Rest an der Stromsäule abstellt, bleiben rund 350 bis bestenfalls 400 Kilometer Reichweite im Alltag. Und das natürlich nur im Sommer. Beim Laden hat der Tavascan Schwächen. 11 kW sind es bei Wechselstrom, nur 135 kW bei Gleichstrom. Auch hier hat Cupra das Nachsehen, denn die neuen ID-Modelle von VW packen schon 175 kW und mehr. Dennoch versprechen die Spanier eine Ladezeit von unter 30 Minuten von zehn bis 80 Prozent Batterieleistung. An der AC-Säule oder an der Wallbox zu Hause sind es bis zu sieben Stunden.

Das Heck des Cupra Tavascan glänzt durch sein charakteristisches durchgehendes Lichtband.

Neben dem emotionalen Design schätzen Cupra-Kunden die Performance der Modelle. Sagt Cupra. Deshalb werden die Autos auf Sportlichkeit getrimmt. Das Fahrwerk ist in aller Regel strammer, die Lenkung straffer als bei VW, Skoda und Co. Trotz seiner Länge und seines beträchtlichen Gewichts von rund 2,2 Tonnen fährt sich der Tavascan recht agil. Das DCC-Adaptiv-Fahrwerk arbeitet sauber sowohl im sportlichen Cupra- als auch im Komfort-Modus. Dank der Progressivlenkung hat man das Fahrzeug auch bei höherer Geschwindigkeit jederzeit stabil im Griff. Der Spurhalteassistent hält sich vornehm zurück, und sogar das von der EU vorgeschriebene Gebimmel schon ab einem Kilometer pro Stunde Geschwindigkeit zu viel, überhört man bald, weil es bei Cupra klingt wie ein sonorer Pausengong. Nicht gefallen hat uns das teigige Bremsgefühl, hier dürfen sie gerne noch nachbessern. Bequem ist der Tavascan allemal. Dank eines Radstands von 2,77 Metern finden alle Passagiere ausreichend Platz. Dasselbe gilt für das mitgeführte Gepäck. 540 Liter passen normalerweise in den Kofferraum. Wird die (teilbare) Rückbank umgeklappt, sind es 1.510 Liter.

Unser Fazit zum neuen Cupra Tavascan

Die schönen Dinge im Leben sind nie billig. Wem der Tavascan gefällt, der wird daher gerne tiefer in die Tasche greifen, um ja kein gewöhnliches Auto zu besitzen. Zumindest optisch: Denn tief im Inneren, nämlich bei der Technik, ist das Elektro-SUV tatsächlich ein Auto von der Stange. Auch wenn es sich um solide und gute Volkswagen-Produkte handelt. (Rudolf Bögel)

Rubriklistenbild: © Cupra

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