Großes Nagetier
Das ist kein Biber – Experten erklären, ob Nutrias als invasive Art gefährlich sind
Nutrias kommen ursprünglich aus Südamerika. Inzwischen sind die Nager in Deutschland überall verbreitet, doch welche Rolle spielen sie im heimischen Ökosystem?
Es ist durchaus möglich, dass viele Menschen bereits eine Nutria gesehen haben, ohne sich dessen bewusst zu sein. Diese großen Nagetiere, die auf den ersten Blick Bibern oder Bisamratten ähneln und sich gerne im Wasser aufhalten, sind in Deutschland mittlerweile in allen Bundesländern verbreitet. Sie zählen, ähnlich wie die Asiatische Hornisse oder der Waschbär, zu den invasiven Arten. Experten erläutern gegenüber 24garten.de von IPPEN.MEDIA die Auswirkungen der Nutrias auf unsere heimische Umwelt.
Von der Pelzfarm in die Wildnis: Nutrias vermehren sich schnell
Die Nutria (Myocastor coypus), ursprünglich aus Südamerika stammend, wurde laut einer Publikation des Bundesamts für Naturschutz (BfN) bereits 1867 in Deutschland eingeführt. Der Grund dafür war, die Art in Tierparks auszustellen und sie für die Pelzproduktion zu züchten. Nachdem sie aus einer Pelzfarm in Schleswig-Holstein entkommen konnten, wurden sie 1933 erstmals in freier Wildbahn gesichtet. Die genauen Populationsgrößen sind unbekannt, doch es steht fest, dass sich diese Tiere schnell vermehren: Ein Weibchen bringt durchschnittlich je vier bis sechs Junge in bis zu drei Würfen pro Jahr zur Welt.
Unterschiede von Nutria, Biber und Bisamratte
Nutrias, die entfernte Verwandte von Meerschweinchen sind, sehen diesen sehr ähnlich. Ihre orangefarbenen Nagezähne, die sie mit Bisamratten und Bibern gemeinsam haben, sind besonders auffällig. Dennoch lassen sich diese drei Arten recht einfach unterscheiden: Die Nutria, auch Biberratte genannt, ist deutlich kleiner als der Biber, aber größer als die Bisamratte. Beim Schwimmen ist von Bibern nur der Kopf, von Nutrias auch der Rücken sichtbar. Der Schwanz der Nutria ist rund und kaum behaart, während der der Bisamratte oval und der des Bibers typischerweise abgeflacht ist. Zudem besitzt die Nutria lange, weiße Barthaare.
Inwieweit gefährden Nutrias die heimische Umwelt?
Doch welche Auswirkungen haben Nutrias auf die Umwelt hierzulande? „Bei der Nutria handelt es sich um eine invasive Art, die unsere einheimische Fauna und Flora gefährdet“, erklärt Dr. Stefan Nehring vom BfN gegenüber 24garten.de. Der Grund dafür ist, dass Nutrias hauptsächlich Wasser- und Uferpflanzen fressen und dadurch gefährdete und geschützte Arten schädigen können. Ob sie eine Bedrohung für den Biber darstellen, mit dem sie um den Lebensraum konkurrieren, ist noch unklar. Zwar können Nutrias Krankheiten wie Toxoplasmose übertragen, doch das Risiko wird nach aktuellem Kenntnisstand als gering eingestuft.
Jan Piecha vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) möchte die Situation nicht überbewerten: „Grundsätzlich sind Nutria überwiegend Pflanzenfresser und mir sind keine Studien bekannt, wo wirklich ein massiver Einfluss auf Tier- oder Pflanzenarten bestand, die dadurch komplett zurückgedrängt wurden.“ Er weist jedoch auf die potenzielle Bautätigkeit und Grabearbeiten der Nutrias hin, die durchaus Auswirkungen auf ihre Umgebung haben können: „Man muss dazu sagen, dass sie natürlich an menschlichen Bauwerken, an Deichen, Dämmen und so weiter Schäden anrichten können. Das darf nicht sein.“ Vergleichsweise stellen Wühlmäuse eine größere Gefahr dar. Nutrias nutzen, sofern es der Lebensraum zulässt, häufig auch oberirdische Schilfnester.
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Jan Piecha fügt hinzu, dass es unrealistisch sei, die Nutrias vollständig aus unserem Ökosystem zu entfernen, da sie sich, ähnlich wie Bisamratten oder Waschbären, mittlerweile zu stark ausgebreitet haben. In Einzelfällen könnte ein Eingreifen sinnvoll sein, doch letztendlich stellt er fest: „Der Einfluss auf Flora und Fauna ist eigentlich nicht so gravierend, dass man sagen müsste, die Nutrias müssten alle beseitigt werden, wie das vielleicht bei anderen Arten der Fall ist, die dann größere Schäden ausrichten können.“
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