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„Wichtigster Handelspartner“

Zölle, seltene Erden und gerechte Chancen: Aiwanger und Bayerns China-Strategie

Bei der Feier eines China-Herstellers äußert sich Bayerns Wirtschaftsminister über den Handelspartner. Warum Hubert Aiwanger Strafzölle zurückweist und was ihm Sorgen macht.

München – Inmitten von Handelsstreitigkeiten und technologischem Wettlauf nutzte Hubert Aiwanger die Jubiläumsfeier des chinesischen E-Auto-Herstellers Nio in München, um die komplexe Beziehung zwischen Bayern, Deutschland und dem Reich der Mitte zu beleuchten.

Der bayerische Wirtschaftsminister betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit, ging aber auch auf aktuelle Herausforderungen ein. Dazu gehörten Strafzölle, der harte Wettbewerb in der Autoindustrie und die Frage, ob China seine Unternehmen unfair unterstützt. Aiwanger sprach auch über die für die Autoindustrie wichtigen seltenen Erden aus China.

EU-China-Beziehungen seit 50 Jahren: Aiwanger erinnert an Strauß-Besuch

„Wir haben jetzt 50 Jahre Beziehungen zwischen der Europäischen Union und China“, erinnerte der stellvertretende Ministerpräsident. Aiwanger erwähnte in seiner Rede den historischen Besuch von Franz Josef Strauß in China 1975 als Wendepunkt: „Seit dieser Zeit haben sich unsere wirtschaftlichen Beziehungen sehr positiv entwickelt.“ 

Er betonte, dass China heute Bayerns “wichtigster Handelspartner” sei, mit einem Handelsvolumen von fast 50 Milliarden Euro. Aiwanger lobte zudem die Qualität chinesischer Waren und die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Unternehmen.

Aiwanger über deutsche Standortprobleme: „Vielfach zu teuer geworden” 

Trotz der guten Beziehungen sieht Aiwanger auch Probleme für die deutsche Wirtschaft. „Unsere Kosten sind so hoch“, erklärte er. Der Minister wies darauf hin, dass China Vorteile durch niedrigere Steuern, günstigere Energiepreise und längere Arbeitszeiten habe. „Der Standort Deutschland ist vielfach etwas zu teuer geworden“, gab Aiwanger zu bedenken. 

Bayerns Vize-Ministerpräsident Aiwanger sieht China-Hersteller wie NIO auf Augenhöhe mit westlichen Autobauern. Bei dem Termin ging er auf Tuchfühlung zu den Elektroautos des Anbieters.

Er sieht darin eine “sportliche Herausforderung”, der man sich stellen müsse und betonte zugleich: „Wir müssen an uns selber arbeiten, um wieder besser zu werden“, statt auf Zölle zu setzen, wie es die EU-Kommission gegenüber China-Herstellern praktiziert.

Bayerns „wichtigster Handelspartner” China: Mix aus billige Waren und Hightech 

Aiwanger führte zudem aus, dass Bayern doppelt so viel aus China kauft, wie es dorthin verkauft. Das sieht er nicht als Problem, sondern als Zeichen für Chinas Stärken. „Wir freuen uns, mit einem Handelspartner auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, der auch Hightech-Produkte macht, nicht nur billige Waren nach Deutschland bringt“, sagte Aiwanger. 

Der 54-Jährige von den Freien Wählern findet es wichtig, dass beide Seiten fair miteinander umgehen und gleiche Chancen haben.

HandelsbilanzHandelsvolumenEinfuhren Bayern (Zu-/Abnahme ggü. Vorjahr)Anteil Bayerns an deutschen Gesamteinfuhren (Bayerns / des Bundes)Ausfuhren Bayern (Zu-/Abnahme ggü. Vorjahr)Anteil Bayerns an deutschen Gesamtausfuhren (Bayerns / des Bundes)
202448,2 Mrd. €32,5 Mrd. € (-5,4 %)14,3 % / 19,7 %15,7 Mrd. € (-10,2 %)7,0 % / 17,4 %
1. Quartal 202510,9 Mrd. €7,9 Mrd. € (+3,5 %)14,2 % / 18,1 %3,0 Mrd. € (-33,8 %)5,4 % / 14,8 %

*Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie

Kritik an Handelspolitik der USA – „Zölle sind immer eine Marktverzerrung”

In einer Fragerunde mit Medienvertretern kritisierte Aiwanger neuerlich die Strafzölle, welche die USA auf europäische Waren erheben: „Dass diese Zölle der Industrie schaden, ist offensichtlich. Wir wünschen uns, dass diese Zölle möglichst auf null gesenkt werden.” An anderer Stelle sprach der Regierungspolitiker aus dem Freistaat von einer „Demütigung“.

Der 54-Jährige glaubt, dass Zölle auch amerikanischen Verbrauchern schaden, weil Waren für Kunden teurer werden. „Zölle sind immer eine Marktverzerrung“, erklärte Aiwanger. Zudem warnt er auch davor, zu sehr von einem einzigen Handelspartner abhängig zu sein. Deshalb sei es wichtig, dass Bayern auch mit China und weiteren Ländern eng zusammenarbeitet.

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Licht und Schatten beim Handel mit China: Sorge um seltene Erden

Trotz der langjährigen und guten Beziehungen zu China sprach Aiwanger bei dem Event des Herstellers NIO auch über Bedenken. „Was uns Sorgen macht, sind die seltenen Erden“, ließ der gebürtige Ergoldsbacher wissen. Diese Rohstoffe sind für viele Hightech-Produkte wichtig, auch in der Autoindustrie und speziell im Hinblick auf E-Mobilität. 

Hubert Aiwanger sorgt sich, dass die Preise für seltene Erden steigen könnten oder dass China Lieferungen verzögert, möglicherweise um die Konkurrenz zu schwächen: „Wir müssen sicher sein, dass wir diese wichtigen Stoffe auch in Zukunft bekommen.“

Subventionen für Autohersteller: „Offen über faire Bedingungen sprechen”

Auf die Frage von IPPEN.MEDIA zum Verhältnis zwischen chinesischen und deutschen Subventionen für Autohersteller antwortete Aiwanger vorsichtig. „Es ist immer schwierig genau herauszurechnen, welcher Staat subventioniert seine Autoindustrie in welcher Höhe“, gab er zu bedenken. China habe das Ziel, seine Produkte weltweit wettbewerbsfähig zu machen. Letztlich müsse man auf Dauer Preise erzielen, welche die Kosten abdecken.

Eine genaue Bewertung der Subventionspraktiken in beiden Ländern sei komplex, meinte Aiwanger. Statt sich darüber zu streiten, wer mehr Hilfe bekommt, findet er es wichtiger, offen über faire Bedingungen für alle zu sprechen. Über mögliche Wettbewerbs-Hindernisse bayerischer Firmen in der Volksrepublik solle ein ehrlicher Dialog stattfinden, ebenso wenn dies umgekehrt der Fall ist.

Chinas Staats- und Parteichef: So stieg Xi Jinping zum mächtigsten Mann der Welt auf

Chinas heutiger Staatschef Xi Jinping (2. von links) mit anderen Jugendlichen im Mao-Anzug
Xi Jinping wurde am 15. Juni 1953 in Peking geboren. Als Sohn eines Vize-Ministerpräsidenten wuchs er sehr privilegiert auf. Doch in der Kulturrevolution wurde er wie alle Jugendlichen zur Landarbeit aufs Dorf geschickt. Das Foto zeigt ihn (zweiter von links) 1973 mit anderen jungen Männer in Yanchuan in der nordwestlichen Provinz Shaanxi. Dort soll Xi zeitweise wie die Einheimischen in einer Wohnhöhle gelebt haben. © imago stock&people
Xi Jinping steht vor der Golden Gate Bridge in San Francisco
Xi Jinping 1985 vor der Golden Gate Bridge in San Francisco: Damals war er als junger Parteichef des Landkreises Zhengding in der nordchinesischen Agrarprovinz Hebei Delegationsleiter einer landwirtschaftlichen Studienreise nach Muscatine im US-Bundesstaat Iowa. Dort nahm die Gruppe nach offiziellen Berichten „jeden Aspekt der modernen Landwirtschaft unter die Lupe“. Anschließend reiste Xi weiter nach Kalifornien. Es war sein erster USA-Besuch. © imago stock&people
Xi Jingping und Peng Liyuan
Zweites Eheglück: Xi Jinping und seine heutige Ehefrau, die Sängerin Peng Liyuan, Anfang 1989. Zu dieser Zeit war Xi Vizebürgermeister der ostchinesischen Hafenstadt Xiamen. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter. Xis erste Ehe war nach nur drei Jahren an unterschiedlichen Lebenszielen gescheitert. Seine erste Frau, die Diplomatentochter Ke Lingling, zog in den 1980er-Jahren nach Großbritannien. © imago
Xi Jinping gräbt mit Parteikollegen an einem Damm zur Verstärkung eines Deiches in Fujian
Aufstieg über die wirtschaftlich boomenden Küstenregionen: 1995 war Xi Jinping bereits stellvertretender Parteichef der Taiwan gegenüberliegenden Provinz Fujian – und noch ganz volksnah. Im Dezember 1995 arbeitet er mit an der Verstärkung eines Deiches am Minjiang-Fluss. © Imago/Xinhua
Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt Chinas Vizepräsident Xi Jinping das Regierungsviertel in Berlin
Vizepräsident Xi Jinping 2009 im Kanzleramt bei Angela Merkel: Die deutsch-chinesischen Beziehungen waren unter Merkel relativ eng und von wirtschaftlicher Zusammenarbeit geprägt. Merkel und Xi reisten aus Berlin weiter nach Frankfurt, um die dortige Buchmesse zu eröffnen. China war als Ehrengast geladen. © GUIDO BERGMANN/Pool/Bundesregierung/AFP
Die Vizepräsidenten Xi Jinping aus China und Joe Biden aus den USA halten T-Shirts mit einer Freundschaftsbekundung in die Kamera
Ein Bild aus besseren Zeiten: Aus ihrer jeweiligen Zeit als Vizepräsidenten kamen Joe Biden und Xi Jinping mehrmals zusammen. Im Februar 2012 demonstrierten sie bei einer Reise Xis nach Los Angeles in einer Schule „guten Willen“ zur Freundschaft mit T-Shirts, die ihnen die Schüler überreicht hatten. Damals fehlten Xi nur noch wenige Monate, um ganz an die Spitze der Kommunistischen Partei aufzusteigen. © FREDERIC J. BROWN/AFP
Ein alter Mann in Shanghai schaut auf Xi bei seiner ersten Rede als Parteichef im Fernseher.
Xi Jinping hat es geschafft: Zum Ende des 18. Parteitags am 15. November 2012 wurde Xi als neuer Generalsekretär der Kommunisten präsentiert – und ganz China schaute zu. Xi gelobte in seiner ersten kurzen Rede als Parteichef, die Korruption zu bekämpfen und ein „besseres Leben“ für die damals 1,3 Milliarden Menschen des Landes aufzubauen.  © PETER PARKS/AFP
Der neue Staatschef Xi Jinping geht hinter seinem Vorgänger Hu Jintao zu seinem Platz in der Großen Halle des Volkes in Peking.
Übernahme auch des obersten Staatsamtes: Xi Jinping wurde auf dem Nationalen Volkskongress im März 2013 Präsident und schloß damit den Übergang von seinem Vorgänger Hu Jintao (vorn im Bild) zur Xi-Ära ab. © GOH CHAI HIN/AFP
Chinas Präsident und seine Ehefrau Peng Liyuan gehen über den Flughafen Orly in Paris.
Xi Jinpings Ehefrau Peng Liyuan ist die erste First Lady Chinas, die auch öffentlich in Erscheinung tritt. Hier kommt das Ehepaar zu einem Staatsbesuch in Frankreich an. Die Gattinnen von Xis Vorgängern hatten sich nie ins Rampenlicht gedrängt. Vielleicht auch, weil Maos politisch aktive dritte Ehefrau Jiang Qing nach dem Tod des „Großen Vorsitzenden“ als Radikale verurteilt worden war. © YOAN VALAT/Pool/AFP
Funktionäre der Kommunistischen Partei Chinas auf dem Weg zum Parteitag in Peking
So sehen KP-Funktionäre aus: Delegierte des 19. Parteitags auf dem Weg zur Großen Halle des Volkes in Peking im Oktober 2017. Auf diesem Parteitag gelang es dem Staats- und Parteichef, seine „Xi Jinping-Gedanken zum Sozialismus Chinesischer Prägung in der Neuen Ära“ in die Parteiverfassung aufzunehmen. Er war der erste nach Mao, der zu Lebzeiten in der Verfassung eine Theorie mit seinem Namen platzieren konnte. Einen Kronprinzen präsentierte Xi auf dem Parteitag nicht – entgegen den normalen Gepflogenheiten. © GREG BAKER/AFP
Xi Jinping nimmt in einer Staatslimousine „Rote Fahne“ die Parade zum 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China ab.
70 Jahre Volksrepublik China: Staatschef Xi Jinping nahm 2019 in einer offenen Staatslimousine Marke „Rote Fahne“ die Militärparade in Peking zum Jahrestag der Staatsgründung ab. © GREG BAKER/AFP
Wirtschaftsforum in Wladiwostok
Xi Jinping pflegt eine offene Freundschaft zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin – bis heute, trotz des russischen Angriffskrieges in der Ukraine. Putin und Xi teilen die Abneigung gegen die von den USA dominierte Weltordnung. Hier stoßen sie 2018 bei einem gemeinsamen Essen auf dem Wirtschaftsforum von Wladiwostok, auf dem sich Russland als Handelspartner und Investitionsziel im asiatischen Raum präsentierte, miteinander an. © Sergei Bobylev/POOL TASS Host Photo Agency/dpa
Xi Jinping besucht im weißen Kittel ein Labor und lässt sich die Impfstoffentwicklung erklären
Ende 2019 brach in China die Corona-Pandemie aus. Im April 2020 informierte sich Xi Jinping in einem Labor in Peking über die Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung. Xi ist bis heute überzeugt, dass China die Pandemie besser im Griff hat als der Rest der Welt. Seine Null-Covid-Politik beendet er nicht, wohl auch wegen der viel zu niedrigen Impfquote unter alten Menschen. © Ding Haitao/Imago/Xinhua
Xi Jinpings Konterfei lächelt von einem Teller mit rotem Hintergrund
Auf dem 20. Parteitag im Oktober 2022 ließ sich Xi Jinping zum dritten Mal zum Generalsekretär der Kommunisten ernennen. Damit ist er der mächtigste Parteichef seit Mao Zedong. © Artur Widak/Imago

Bayern und China: „Zölle schaden der Wirtschaft auf beiden Seiten”

Für die Zukunft erwartet Aiwanger, dass Bayern und China weiterhin eng zusammenarbeiten werden. Der Regierungspolitiker aus Bayern will sich dafür einsetzen, dass der Handel zwischen den Ländern einfacher wird. „Ich bin überzeugt, wir müssen weiter verhandeln und Zölle senken, weil sie der Wirtschaft auf beiden Seiten schaden“, sagte der Wirtschaftsminister. 

Aiwanger glaubt, dass ein freier und fairer Handel am Ende allen nützt – Bayern, Deutschland und auch den Handelspartnern wie China. Seine Rede anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von NIO in München beschließt er mit folgenden Worten: „Sie haben ein ultimatives Fahrzeug, das mich sehr überzeugt – was man nicht nur äußerlich beim Design, sondern auch bei der Technik sieht. Hier sind Profis am Werk (..) und deswegen sage ich herzlich willkommen in Bayern.“

Beim Thema seltene Erden rückt derweil auch Frankreich in den Fokus. (PF)

Rubriklistenbild: © Freiwah

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