Anti-Dumping-Zölle
Zulieferer umgeht EU-Zölle: Ungarn als Fluchtweg für Chinas Autoindustrie
Ungarn pflegt intensive Beziehungen mit China. Der EU-Staat avanciert zum Zugangspunkt für die chinesische Autoindustrie, um Zollbarrieren zu umschiffen.
Hatvan – Die Spannungen bei den Handelsbeziehungen zwischen der Europäischen Union und China halten an. Besonderer Streitpunkt ist die Autoindustrie. Die EU wirft China Preisdumping bei Elektroautos vor und hat deshalb am 30. Oktober 2024 Ausgleichszölle eingeführt. Doch China findet Wege, die Maßnahmen zu umgehen – auch über das EU-Land Ungarn.
China baut die Beziehungen mit dem von Viktor Orban geführten Staat weiter aus und verschafft sich damit Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Das nächste Kapitel soll ein Komponentenwerk für Elektromotoren sein. Es soll künftig in der nordungarischen Stadt Hatvan entstehen, berichtete die österreichische Kronen-Zeitung.
Weiterer Umweg gegen EU-Zölle bei E-Autos: Nächster Hersteller investiert in Ungarn
Ungarns Außenminister Péter Szijjártó spreche demnach von einer chinesischen Investition von etwa 121 Millionen Euro. Fast 900 Arbeitsplätze sollen im Werk der chinesischen Xinzhi Group entstehen. Diese werde es nicht nur in der Produktion, sondern auch im Bereich Forschung und Entwicklung geben. Laut Krone ist jedoch noch offen, ob chinesische Gastarbeiter die Stellen besetzen.
In Ungarn soll Xinzhi dann jährlich eine Million Stator- und Rotorteile für Elektromotoren produzieren können. Bei der Umstellung auf E-Auto stehe Ungarn an vorderster Front, da es als eine Hochburg und als ein Vorreiter der globalen Erneuerung der Automobilindustrie gelte, sagte Szijjártó. Es sei jedoch nicht nur eine gute Nachricht für Ungarn, sondern werde dazu beitragen, den „wirtschaftlichen Niedergang der EU“ umzukehren.
China arbeitet mit Ungarn zusammen: Weitere E-Auto-Hersteller bauen bereits Werke
Xinzhi investiert nicht nur in Ungarn. Bereits 2024 hat das Unternehmen eine Vereinbarung mit Volkswagen über die Lieferung von Motorteilen verkündet. Es soll der erste Großauftrag des Automobilzulieferers außerhalb Chinas sein.
Xinzhi ist nicht der einzige chinesische Konzern, der in Ungarn aktiv ist. Präsident Viktor Orban gilt als China-Freund. „Die Beziehungen zwischen China und Ungarn sind so gut wie nie zuvor in der Geschichte“, hatte Xi Jinping bei seiner Europareise 2024 erklärt. Im Osten des Landes baut der Batteriekonzern CATL eine Fabrik, E-Autobauer BYD investiert in ein Werk bei Szeged.
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