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Regelaltersgrenze hochsetzen?

Wirtschaftsweiser spricht Klartext – Renten-Studie belegt schwerwiegendes Problem für Merz

Bärbel Bas plädiert für eine Haltelinie bei der Rente. Gleichzeitig soll die Mütterrente verbessert werden. Ein Wirtschaftsweiser kritisiert.

Berlin – Es ist entschieden: Sowohl die Mütterrente als auch die berüchtigte Haltelinie für die Rente werden umgesetzt. Darauf einigten sich die Koalitionäre nach Gesprächen am 2. Juli. Der Entwurf zu den beiden Maßnahmen kam von SPD-Politikerin Bärbel Bas. Schon Ende Juni hatte ihr Vorstoß für reichlich Kritik gesorgt. Jetzt legt einer der Wirtschaftsweisen nach.

Rente-Vorstoß von Bas zieht Kritik an – Wirtschaftsweiser hat Probleme untersucht

Im Detail strebt die Merz-Regierung neben der Renten-Haltelinie auch eine verbesserte Mütterrente an. Für vor 1992 geborene Kinder sollen Eltern jetzt drei Jahre bei der Rente angerechnet bekommen, anstatt nur 2,5 Jahre. Eine aktuelle Studie, in Auftrag gegeben von Fidelity International und durchgeführt vom Wirtschaftsweisen Martin Werding, legt nun erhebliche Probleme offen. Die deutsche Rentenpolitik soll sich zu sehr auf das Umlageverfahren verlassen und dabei die Kapitaldeckung vernachlässigen.

Ein Ergebnis daraus: Bas‘ Haltelinie begünstigt ältere Jahrgänge in erheblichem Maße. Die jüngeren Generationen erfahren eine erhebliche Belastung, besonders trifft das die heute 20- bis 30-Jährigen. Die steigenden Beiträge sollen sie derartig belasten, dass für die private Vorsorge immer weniger Geld übrig bleibe. Das ist ein Problem, weil die private Vorsorge neben der gesetzlichen Rente und betrieblichen Lösungen eine von drei Säulen ist, auf denen die Altersvorsorge nach Anraten der Deutschen Rentenversicherung stehen sollte. Verschiedene Berechnungen zur Haltelinie zeigen, dass die Bundeszuschüsse bis 2040 um etwa 56 Milliarden Euro auf 198 Milliarden Euro steigen könnten.

Bärbel Bas in Berlin (Symbolfoto). Die Ministerin will eine Haltelinie bei der Rente. Außerdem soll die Mütterrente verbessert werden. Ein Wirtschaftsweiser schaltet sich ein.

„Die Mehrausgaben für die gesetzliche Rentenversicherung aufgrund der Haltelinie sind eine enorme Belastung für die Bundesfinanzen. Der Staat müsste zusätzliche Steuereinnahmen finden oder er müsste bei anderen Haushaltsposten massiv einsparen – etwa bei der Verteidigung oder im Bereich Soziales“, zitierte die WiWo Werding, der außerdem als Professor an der Ruhr-Universität Bochum tätig ist. Die Studie müsse ein Weckruf für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sein.

Änderungen bei der Rente – höhere Regelaltersgrenze soll stabilisierend wirken

Nur wenige Tage zuvor hatte Werding vorgeschlagen, das Rentenalter regelmäßig anzuheben, um die zusätzlichen Kosten aufzufangen. Der Effekt wäre ein doppelter: Erstens würden Rentenzahlungen an die Betroffenen sich nach hinten verschieben und zweitens würden sie länger in die Rentenkasse einzahlen. „Eine weitere Anhebung der Regelaltersgrenze ab 2031 mindestens um sechs Monate alle zehn Jahre würde zur Stabilisierung des Rentenniveaus beitragen“, zitierte die Nachrichtenagentur EPD den Ökonomen.

In Deutschland liegt das Rentenalter für den Jahrgang 1964 und folgende Jahrgänge derzeit bei 67 Jahren. In den kommenden Jahren gehen verstärkt die Babyboomer in Rente, während die nachfolgenden Generationen zahlenmäßig unterlegen sind. Im Klartext heißt das: Weniger Arbeitgeber müssen eine wachsende Zahl von Rentnern finanzieren, während die Babyboomer mit mehr Köpfen eine kleinere Kohorte finanzierten.

Neben der Anhebung der Rentenaltersgrenze schlug Werding ergänzende, kapitalgedeckte Renten vor – diese müssten schnell ausgebaut werden.

Bas verteidigt Renten-Gesetzespaket – Aktivrente und Betriebsrente ebenfalls im Fokus

Ende Juni 2025 brachte Bärbel Bas ihr Gesetzespaket in die Abstimmung mit den anderen Ministerien ein. Damit will sie das Absinken des Rentenniveaus verhindern. Die geplante Garantie für ein Rentenniveau von mindestens 48 Prozent des Durchschnittslohns bis zum Jahr 2031 wirke über diesen Zeitraum hinaus, gab sie vor Journalisten an.

„Ohne diese Reform wäre das Rentenniveau einen Prozentpunkt niedriger als heute“, sagte Bas dabei. Umgerechnet auf die Rentenhöhe bringt die Haltelinie bei 48 Prozent nach Darstellung des Ministeriums um zwei Prozent höhere Altersbezüge.

Damit fing sich Bas jede Menge Kritik ein. Allerdings ist das noch nicht alles: Sie plant schon jetzt weitere Schritte. „Es ist das erste Rentenpaket“, zitierte die Tagesschau die SPD-Politikerin, „es werden noch weitere folgen.“ Unter anderem wolle sie die Betriebsrenten stärken und eine Aktivrente einführen. Diese war auch im Koalitionsvertrag festgeschrieben.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Bernd Elmenthaler

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