Traditionsunternehmen kämpft ums Überleben
Insolvenz der SGF in Waldkraiburg: So geht es mit dem Rettungsversuch und den Löhnen weiter
Am Mittwoch (27. August) hat die SGF Waldkraiburg beim Amtsgericht Mühldorf einen Insolvenzantrag gestellt. Seit Donnerstag (28. August) wissen die rund 500 Mitarbeiter Bescheid. Sie warten immer noch auf die Gehälter und Löhne für August. So geht es jetzt weiter.
Waldkraiburg – Seit Mittwoch (27. August) liegt der Antrag der Süddeutschen Gelenkscheibenfabrik GmbH & Co. KG (SGF) Waldkraiburg auf Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Mühldorf, seit Donnerstag wissen die Mitarbeiter Bescheid. Am Freitag schrieb das Unternehmen in einer Pressemitteilung: „Die Löhne und Gehälter sind über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung gesichert.“ Am Freitag (29. August) waren die Löhne und Gehälter noch ausständig, inzwischen „ist das erledigt“, war aus Mitarbeiterkreisen am Mittwoch (3. September) zu erfahren. Die Löhne seien am Dienstagabend angewiesen worden, teilt Unternehmenssprecher Cord Schellenberg mit.
Während die Rettung des Waldkraiburger Traditionsunternehmens – es wurde 1946 in Waldkraiburg als „Süddeutsche Bremsbelag GmbH“ gegründet – noch in den Anfängen steckt, ist die Überweisung der Löhne und Gehälter für die rund 500 Mitarbeiter eine erste gute Nachricht.
„Unmittelbar nach Anordnung des Verfahrens wurde die Insolvenzgeldfinanzierung beantragt“, schreibt Schellenberg, dessen Hamburger PR-Agentur mit der Öffentlichkeitsarbeit beauftragt ist, den OVB Heimatzeitungen. Mit dem Antrag seien die Löhne und Gehälter für die Monate August, September und Oktober gesichert. „Ab 1. November werden die Löhne wieder von der Gesellschaft gezahlt.“
Daten sammeln, um ein Sanierungskonzept zu erstellen
Derzeit arbeiten die SGF-Chefs Arne Festerling und Josef Wimmer an der Rettung des Unternehmens. Sie haben dabei den gerichtlich bestellten vorläufigen Sachwalter Michael Verken von der Kanzlei Anchor an ihrer Seite sowie die Generalbevollmächtigten Dr. Jan Markus Plathner, Christoph Enkler und Sebastian Netzel von der Kanzlei Brinkmann & Partner.
Derzeit würden alle Daten und Unterlagen gesammelt, um das Sanierungsgutachten zu erstellen, war von Anchor zu erfahren. Dieses Gutachten müsse bis zum 7. Oktober beim Amtsgericht Mühldorf vorliegen. Anschließend entscheide das Gericht über den Antrag auf das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.
Unternehmen kann weiterhin selbst handeln
„Bei der Insolvenz in Eigenverwaltung behält das Unternehmen die Verfügungsgewalt und kann weiterhin selbst handeln“, schreibt dazu Dr. Angela Miechielsen, Pressesprecherin des Amtsgerichts Mühldorf. Aktuell befinde sich der Antrag im „Eröffnungsverfahren“ und es sei eine „vorläufige Eigenverwaltung“ angeordnet worden. „Währenddessen wird geprüft, ob die Voraussetzungen der Insolvenzeröffnung vorliegen.“ Zur Dauer könne derzeit noch keine Angaben gemacht werden.
„Das Problem der SGF bestand zunächst weniger auf der operativen Ebene, sondern mehr in der hohen Verschuldung und der damit verbundenen Kapitaldienstfähigkeit“, erklären die SGF-Chefs Festerling und Wimmer in ihrer ersten Pressemitteilung die gefährliche Schieflage der Firma. Im vergangenen Jahr hatte die SGF weltweit noch 110 Millionen Euro umgesetzt. Der Markt habe sich aber weiter abgeschwächt. „Für das Jahr 2025 gehen wir von einem weiteren Umsatzrückgang aus. Vor allem der Markt für die E-Fahrzeuge läuft nicht wie prognostiziert“, schreibt Unternehmenssprecher Schellenberg auf Nachfrage.
Zur Schuldenhöhe will SGF keine Angaben machen. „Gläubiger haben die Möglichkeit, ihre Forderungen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens zur Insolvenztabelle anzumelden“, schreibt Schellenberg.
Bisheriges Sanierungskonzept ist gescheitert
Das Unternehmen habe seit Anfang 2023 einen Sanierungsprozess begonnen und Maßnahmen ergriffen, führt der SGF-Sprecher aus. Dazu gehörten die Schließung des Werkes Waltershausen oder veränderte Abwägungen, ob es sinnvoller ist, Teile selbst zu produzieren oder von außen zu beziehen. Die bisherigen Sanierungsbemühungen seien „kurzfristig gescheitert“, daher musste jetzt der Insolvenzantrag gestellt werden.
Jetzt brauche es einen Investor, „damit SGF mit seinen hoch qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiter für die Automobilindustrie produzieren kann“, schreibt Schellenberg. „Der bereits begonnene Sanierungsprozess wird im Rahmen der Eigenverwaltung konsequent fortgeführt.“ Die Suche nach einem Investor beginne „in Kürze“ und erfolge international. „Dabei wird eine breite Ansprache von strategischen Investoren und von Finanzinvestoren erfolgen.“
Produktion läuft weiter – Reaktionen sind positiv
In der Zwischenzeit arbeiten die Mitarbeiter von SGF weiter. „Die operative Lage ist gut, und die Reaktionen aus Belegschaft und Markt sind durchweg positiv“, schreibt Schellenberg. Auf Nachfrage ergänzt er: „Wir als Geschäftsführung sind von verschiedenen Menschen und Unternehmen kontaktiert worden mit der klaren Aussage, dass man unseren nun eingeschlagenen Weg unterstützt. Das Ziel, einen tatkräftigen Investor für SGF zu gewinnen, sei nachvollziehbar und für eine Neuaufstellung des Unternehmens sinnvoll.“

