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„Einfamilienhaus benötigt 200 Tonnen Sand“

Kein Sand mehr für Häusle-Bauer? Warum Kiesgruben-Besitzer um den Rohstoff kämpfen

Wie es um die Sandvorkommen in der Region steht, erklären unter anderem Kiesgrubenbesitzer Rudolf Adler aus Edling (oben) und Martin Schwarzenbeck aus Gars.
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Wie es um die Sandvorkommen in der Region steht, erklären unter anderem Kiesgrubenbesitzer Rudolf Adler aus Edling (oben) und Martin Schwarzenbeck aus Gars.

Kaum ein Rohstoff wird in derart großen Mengen nachgefragt wie Sand – denn für die Bau-Branche ist er unverzichtbar und die Nachfrage danach ist ungebrochen. Doch obwohl die Vorkommen im Landkreis Rosenheim und Mühldorf groß sind, sind die Kiesgruben-Betreiber besorgt.

Edling/Gars/Mühldorf/Altötting– Kaum ein Rohstoff wird in derart großen Mengen nachgefragt wie Sand. Laut dem WWF werden rund 50 Milliarden Tonnen weltweit pro Jahr benötigt. Somit sei Sand der zweitmeiste verbrauchte Rohstoff nach Süßwasser. Rund zwei Drittel des fein geriebenen Kies werde für die Baubranche gebraucht. Auch in Deutschland sei die Nachfrage aus regionalen Kiesgruben aufgrund des anhaltenden Baubooms nach wie vor hoch. „Für ein Einfamilienhaus benötigt man etwa 200 Tonnen Sand“, so der WWF. Auch wenn der Rohstoff endlich ist und die Vorkommen weltweit schrumpfen, geben Kiesgrubenbesitzer aus den Landkreisen Rosenheim und Mühldorf Entwarnung. Sie würden vielmehr vor bürokratischen Hürden stehen und müssten gegen Vorurteile ankämpfen.

70.000 Kubikmeter Sand pro Jahr aus Edling

Vor über 40 Jahren haben Rudolf und Peter Adler das Kieswerk „Gebrüder Adler“ in Edling von ihrem Vater und Onkel übernommen. Rund 70.000 Kubikmeter Sand verkauft das Unternehmen laut Rudolf Adler pro Jahr. Das entspricht etwa der Ladung, die 6.200 Drei-Achs-Kipper transportieren können. Vom „Sandkasten bis zur Großbaustelle“ beliefere das 40-köpfige Unternehmen seine Kunden. Das meiste werde jedoch als Transportbeton, also als bereits gemischter Beton, verkauft, so Adler.

Sand ist nicht gleich Sand

Die Baubranche redet davon, dass die Sandvorkommen schrumpfen. Gleichzeitig wird in den Medien berichtet, dass sich die Wüsten der Erde vergrößern. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass somit das Problem gelöst sei. Doch laut dem WWF ist Wüstensand nicht für die Betonherstellung geeignet. Denn die durch Wind geschliffenen Körner in der Wüste seien zu rund. Für die Baubranche komme nur Sand aus dem Meer und aus Flüssen oder von Kiesgruben infrage, so der WWF.

Dass der Sand in der Region knapp wird, befürchtet Adler nicht. „Wir befinden uns in der sogenannten Münchner Schotter-Ebene. Unter der Erde hier befindet sich fast überall Sand“, erklärt der 65-Jährige. Für die Baubranche bedeutet das, dass es derzeit noch genügend Sand für Bauprojekte in der Region vorhanden sind.

Bürokratie macht Problemen

Dennoch gibt es auch hier Probleme, wie zum Beispiel die vielen bürokratischen Auflagen, erklärt der Edlinger. Neben einer Reihe von Anträgen brauche es beispielsweise auch ein hydrologisches und geologisches Gutachten sowie eine „Arten-rechtliche Prüfung“. Die Kosten dafür bewegen sich laut Adler im hohen vierstelligen bis fünfstelligen Bereich pro Gutachten und kosten viel Zeit. Erst vergangenes Jahr habe das Unternehmen die Bestätigung für eine Erweiterung der bereits zehn Hektar großen Kiesgrube um etwa vier Hektar bekommen, erklärt der 65-Jährige.

Rudolf Adler und Sohn Matthias auf dem Firmengelände von „Gebrüder Adler“ in Edling.

Das bestätigt auch Martin Schwarzenbeck, der mit Otto und Sebastian Schwarzenbeck das Bauunternehmen und Betonwerk Martin Schwarzenbeck & Co. aus Gars leitet. Er ergänzt, dass zu den vielen Gutachten im Vorhinein auch während und nach dem Kiesabbau strenge Auflagen erfüllt und dokumentiert werden müssten. Beispielsweise müsse ein jährlicher Bericht inklusive Karten zum aktuellen Abbaustand bei der Genehmigungsbehörde eingereicht werden, erklärt Schwarzenbeck. Das Unternehmen in Gars verkauft laut dem Inhaber rund 25.000 Tonnen Sand pro Jahr und beschäftigt rund 80 Mitarbeiter.

Flächen-Suche teils schwierig, teils einfach

Bei der Suche nach Abbaugebieten finde Schwarzenbeck immer wieder Flächen, die von ihren Besitzern verkauft werden – sofern sie nicht dringend für die Landwirtschaft benötigt würden. Für Adler aus Edling sei das oft schwieriger. „Nicht alle Landwirte wollen ihre Wiesen für eine Kiesgrube verkaufen“, sagt er.

Martin und Otto Schwarzenbeck (von links) leiten mit Sebastian Schwarzenbeck das gleichnamige Kiesunternehmen in Gars.

Auch das Unternehmen Inn-Kies, das Abbaugebiete in Mühldorf und Altötting betreibt, stößt bei der Erweiterung einer Kiesgrube auch auf Widerstand, erklären die beiden Geschäftsführer Thomas Wolfmeier und Christian Fiederer. „Früher konnten wir oft Flächen von Landwirten, die ihren Betrieb einstellten, abkaufen. Heute gibt es mehr Vollerwerbs-Bauernhöfe. Für sie sichern ihre Felder ihre Existenz“, erklärt Wolfmeier die sinkende Bereitschaft zu verkaufen. Das Unternehmen Inn-Kies betreibt laut eigenen Angaben drei Kieswerke sowie acht Kiesgruben und beschäftigt rund 35 Personen.

Thomas Wolfmeier, Co-Geschäftsführer von Inn-Kies.

Sowohl Wolfmeier als auch Fiederer sei bewusst, dass eine Kiesgrube Lärm, Staub und Dreck verursache. Dennoch sei der Abbau unvermeidbar, da der Rohstoff Sand dringend benötigt werde und in der Region vorhanden sei. „Das ist eigentlich Deutschlands einziger Rohstoff“, verdeutlicht Fiederer. Sand und Kies würde für den Straßen- und Brückenbau, zum Hausbau oder zur Aufschüttung von Untergrund gebraucht, erklärt Wolfmeier.

Christian Fiederer, Co-Geschäftsführer von Inn-Kies.

Das bestätigt auch Rudolf Adler aus Edling. Kies-Abbau würde zudem oft als negativ und „ausbeuterisch“ dargestellt, ergänzt er. „Naturschutz wird uns oft gar nicht zugetraut“, berichtet Adler. Dem Edlinger ist bewusst, dass durch den Hummus-Abtrag erst einmal der Lebensraum der dort ansässigen Tiere verloren gehe, durch die steilen Wände und das Kiesbett am Boden entstehe jedoch neuer Platz für Pionier-Arten und bestimmte Vögel, wie den Flussregenpfeifer oder Uferschwalben, so Adler. Für den Edlinger gehört eine Kiesgrube zur Kulturlandschaft dazu.

Eine Kiesgrube der Gebrüder Adler in Edling. In der Mitte des Bildes ist ein Abbaugebiet zu sehen. Rechts davon hat schon die Renaturierung mit einem See mit steilem Ufer samt Böschung begonnen.

Wie es nach dem Abbau von Sand mit einer Kiesgrube weitergehe, sei außerdem bereits in der Genehmigung festgeschrieben. „Wir renaturieren beispielsweise bereits einen Teil der aktuellen Kiesgrube als Landschaftssee“, erklärt der Edlinger. An anderer Stelle ist aus einer alten Kiesgrube der Veranstaltungsort „Am Stoa“ in Edling entstanden. Wiederum andere seien mit Bodenmaterialien aus einem Neubaugebiet aus dem Wasserburger Stadtteil Burgau wieder aufgefüllt worden. „Heute ist hier eine normale Wiese zu sehen“, berichtet Adler.

Auch Martin Schwarzenbeck aus Gars verweist auf den Lebensraum für „seltene und geschützte Arten auf Flächen, auf denen vorher intensive Landwirtschaft“ betrieben worden sei. Außerdem würden durch den Kiesabbau vor Ort weite Transportstrecken vermieden werden, so Schwarzenbeck.

Nassabbau in Mühldorf am Inn

Das Unternehmen Inn-Kies sei bei der Erweiterung ihrer Kiesgruben in Mühldorf und Altötting immer wieder auf Hindernisse gestoßen, erklären die Geschäftsführer Thomas Wolfmeier und Christian Fiederer. In Mühldorf machten 2022 die Pläne zum Nassabbau, also zum Abbau von Kies und Sand unterhalb des Grundwasserspiegels, sogar Schlagzeilen. Bürger befürchteten damals, dass dadurch das Grundwasser verunreinigt werde.

Laut dem Unternehmen bestehe beim Nassabbau jedoch kein Grund zur Sorge. „Oft wird vergessen, dass wir Unternehmer auch Privatpersonen und Bürger sind. Ich könnte das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, wenn das Grundwasser, auf das auch meine Familie angewiesen ist, verschmutzt wird“, sagt Wolfmeier. Letztlich seien sie als Kies-Unternehmen dazu angehalten, die Rohstoffe an einer Stelle so weit es geht komplett abzubauen, um so nicht noch mehr Flächen aufreißen zu müssen, erklären Wolfmeier und Fiederer. Im Oktober 2023 habe Inn-Kies dann die Genehmigung zum Nassabbau erhalten und kurze Zeit später auch damit begonnen, so die beiden Geschäftsführer.

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