Altersvorsorge
Vorsorge für die Rente: Müssen Frauen mehr investieren als Männer?
Schon einmal etwas von der „Gender Save Gap“ gehört? Was dahinter steckt und weshalb Frauen (noch mehr) für die private Altersvorsorge zurücklegen sollten.
Auch 2025 haben Frauen noch immer mit Lohnungleichheit zu kämpfen: Um das Einkommen zu erzielen, das Männer bereits zum Vorjahresende haben, müssen Frauen im Durchschnitt bis zum Equal Pay Day arbeiten. In diesem Jahr war das der 7. März.
Das noch größere Problem ist jedoch, dass diese Lohnlücke (= Gender Pay Gap) eine Vielzahl an weiteren Nachteilen nach sich zieht: eine geringere gesetzliche Rente, eine höhere Rentenlücke und eine größere Sparlücke (= Gender Save Gap). Doch der Reihe nach:
Frauen haben eine größere Rentenlücke als Männer
Frauen erhalten mit einer gesetzlichen Bruttorente von durchschnittlich 1.400 Euro monatlich rund 400 Euro weniger als Männer. Dadurch kann ihre Rentenlücke größer ausfallen als bei Männern.
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen den Einnahmen aus der gesetzlichen Rente und der für den Lebensunterhalt im Alter benötigten Summe. Und diese sehen wir bei grob 80 Prozent des letzten Nettogehalts.
Beispiel: So viel mehr müssen Frauen sparen
Wir haben dies anhand eines Beispiels durchgerechnet – die zugrunde liegenden Annahmen können Sie in unserem ePaper zur Altersvorsorge (PDF) nachlesen:
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Die heute 30-jährige Carla mit 2.700 Euro netto im Monat benötigt mit 67 Jahren ein Vermögen von 840.000 Euro, um ihre gesamte Rentenlücke auch dann sicher schließen zu können, wenn sie ein sehr hohes Alter erreicht.
Da Frauen eine rund zwei Jahre höhere Lebenserwartung als Männer haben, sollten sie zum Renteneintritt auch mehr Geld zurückgelegt haben – für Carla sind das unseren Berechnungen zufolge 20.000 Euro mehr. Um dieses Ziel zu erreichen, muss Carla in der Ansparphase monatlich 10 Euro mehr investieren als ein gleichaltriger Mann mit gleichem Gehalt.
Klingt an sich machbar. Die Realität sieht jedoch anders aus:
Frauen sparen weniger für die Altersvorsorge
Obwohl sie nur etwas mehr vorsorgen müssten als Männer, legen 30 Prozent der Frauen in Deutschland sogar nichts zusätzlich für ihre Altersvorsorge zurück (Männer: 19 Prozent). Ein Viertel spart weniger als 100 Euro pro Monat (Männer: 13 Prozent). Das hat eine repräsentative Finanztip-Umfrage von Anfang 2025 ergeben.
Wie können Frauen ihre Rentenlücke schließen?
Um langfristig Vermögen aufzubauen, empfehlen wir, einen Sparplan auf einen weltweit gestreuten Aktien-ETF anzulegen. Damit erwarten wir langfristig eine jährliche Rendite von durchschnittlich 6 Prozent.
Carla aus unserem Beispiel müsste monatlich etwa 16 Prozent ihres Nettogehalts, anfangs rund 430 Euro, in einen ETF-Sparplan investieren, um bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren das Zielvermögen von 840.000 Euro angespart zu haben.
Das Geld kann sie sich dann bis zum Lebensende als monatliche Zusatzrente auszahlen lassen und damit ihre Rentenlücke schließen.
Welche Altersvorsorge-Strategien gibt es noch?
Ergänzend zum ETF-Sparplan könnte Carla noch auf eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) setzen. Durch die Entgeltumwandlung (da das Geld aus dem Brutto- statt aus dem Nettogehalt angelegt wird) spart sie sich zunächst Steuer- und Sozialabgaben.
Eine bAV sollte jedoch gut überlegt sein und ist nur sinnvoll, wenn Carla wirklich langfristig bei ihrem Arbeitgeber bleiben möchte und von ihm einen Zuschuss von mehr als den gesetzlich vorgeschriebenen 15 Prozent erhält.
Riester-Verträge sind nicht immer sinnvoll
Durch die hohen staatlichen Zulagen lohnt sich ein Riester-Fondssparplan vor allem für Frauen mit niedrigen Einkommen und mehreren Kindern. Denn sie erhalten eine relativ hohe Riester-Förderung, müssen dafür jedoch im Verhältnis nur geringe Beiträge selbst zahlen.
Mit Kindererziehungszeiten die Rente erhöhen
In Carlas Beispielrechnung sind wir davon ausgegangen, dass Carla Vollzeit durcharbeitet – Kindererziehungszeiten haben wir der Einfachheit halber nicht berücksichtigt. Arbeitet sie in Teilzeit oder bleibt zu Hause, können ihre Renten- und Sparlücke natürlich nochmals wachsen.
Mit der sogenannten Mütterrente könnte Carla gleichzeitig mehr gesetzliche Rente pro Monat erhalten und dadurch sowohl ihrer Renten- als auch Sparlücke entgegenwirken.
Frauen mit Kindern sollten diese Möglichkeit also unbedingt nutzen. Wie viel mehr Rente monatlich möglich ist und wie Sie diese beantragen können, lesen Sie in unserem kostenfreien Ratgeber zur Mütterrente.
Lesen Sie unser ePaper zur privaten Altersvorsorge
Das A und O für jede Frau ist, sich ihrer Renten- und Sparlücke bewusst zu werden und die private Altersvorsorge aktiv anzugehen. Ignorieren löst das Problem nicht in Luft auf – im Gegenteil.
Über die digitale Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung können Sie regelmäßig Ihre zu erwartende gesetzliche Rente prüfen und die entsprechenden Maßnahmen ergreifen (z. B. Ihren ETF-Sparplan anpassen).
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Dieser Artikel liegt IPPEN.MEDIA im Zuge einer Kooperation mit Finanztip, Deutschlands führendem Geldratgeber, vor – das Original zu diesem Beitrag „Müssen Frauen mehr investieren als Männer?“ stammt aus dem wöchentlichen Finanztip Newsletter vom 7. März 2025.
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