Weniger Netto vom Brutto
Um fast 1800 Euro: 2026 steigen Abgaben für Gutverdiener enorm – wer betroffen ist
Gutverdiener sehen sich 2026 mit stark steigenden Sozialabgaben konfrontiert. Diese werden nach fester Formel angepasst. Ein Überblick.
Berlin – Wer sehr gut verdient, hat 2026 wohl um einiges weniger Netto vom Brutto: Ein Verordnungsentwurf des Bundesarbeitsministeriums von Bärbel Bas (SPD) sieht vor, die Beitragsbemessungsgrenzen wie vorgeschrieben in Anpassung an die Lohnentwicklung spürbar anzuheben. CDU-Politiker bewerteten das Vorhaben als notwendig.
Bemessungsgrenzen erhöht: Gutverdiener müssen mehr Abgaben zahlen
Geplant ist laut dem Verordnungsentwurf des Arbeitsministeriums, der am Sonntag (07. September) der Nachrichtenagentur AFP vorlag, dass die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung 2026 auf 8450 Euro monatlich oder 101.400 im Jahr ansteigt. In diesem Jahr liegt der Monatswert bei 8050 Euro. Damit zieht die Erhöhung für Arbeitnehmer mit mehr als 8450 Euro Monatsgehalt diesmal eine Erhöhung der jährlichen Beitragslast um fast 1800 Euro nach sich, berechnet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Zeitung betont auch, dass die Erhöhung der Bemessungsgrenzen als solche nur Gutverdiener belaste, Menschen mit geringerem Einkommen hingegen nicht.
Denn die Erhöhung hat zur Folge, dass Gutverdiener demnächst auf einen größeren Teil ihres Einkommens Beiträge zu zahlen haben. Sie erwerben aber in der Rentenversicherung damit auch entsprechend höhere Ansprüche. Grenzwerte in gleicher Höhe gelten auch für die Arbeitslosenversicherung. Für die knappschaftliche Rentenversicherung gelten eigene Werte.
Für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung ist dem Bericht zufolge ein Anstieg der Bemessungsgrenze von derzeit jeweils monatlich 5512,50 Euro auf 5812,50 Euro (69.750 Euro im Jahr) geplant. Angehoben werden soll auch die sogenannte Versicherungspflichtgrenze. Wer sie mit seinem Einkommen überschreitet, kann sich bei einer privaten Krankenversicherung versichern. Hier soll der Grenzwert von 6150 Euro auf 6450 Euro pro Monat steigen. Die neue Jahresentgeltgrenze beträgt 77.400 Euro. Aus dem Arbeitsministerium hieß es, der Entwurf sei am Samstag zur Ressortabstimmung regierungsintern weitergeleitet worden.
Höhere Abgaben: Bemessungsgrenzen folgen fester Formel
2024 sind die Bruttolöhne und -gehälter in Deutschland laut dem Verordnungsentwurf um 5,16 Prozent gestiegen. Die Werte für die Bemessungsgrenzen werden stets nach einer festen Formel an die Lohnentwicklung des jeweils zurückliegenden Jahres angepasst. Es bestehe „kein normatives Ermessen“, heißt es in der Verordnung des Arbeitsministeriums. Zuerst hatte das Portal Politico über das Vorhaben berichtet.
Unions-Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger sagte dem Berliner Tagesspiegel: „Mit Blick auf die gestiegenen Löhne ist es nachvollziehbar, dass die Bundesregierung sich die Beitragsbemessungsgrenzen genauer anschaut.“ Allerdings verdeutliche die Höhe der Abgaben „den dringlichen Reformbedarf in unserem Sozialsystem“, fügte er hinzu.
Wirtschaftsweise: Solange keine Reformen eingeläutet werden, werden die Sozialabgaben immer weiter ansteigen
„Die Beitragsanpassungen sind keine Überraschung“, sagte die Wirtschaftsweise Veronika Grimm dazu am Sonntag der Nachrichtagentur Reuters. „Unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze zahlt man übrigens automatisch mehr, sobald der Lohn ansteigt“, sagte Grimm. Diese legt fest, bis zu welchem Einkommen Sozialbeiträge fällig werden.
Grimm sagte, die schlechte Nachricht sei eigentlich, dass keine Reformen in Angriff genommen würden. „Solange keine Reformen eingeläutet werden, ist es zwangsläufig so, dass die Sozialabgaben immer weiter ansteigen“, erklärte die Professorin. „Dadurch erhöhen sich die Lohnnebenkosten und sinkt die Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland.“ Die Beiträge zu den Sozialversicherungen, die früher einmal auf 40 Prozent des Bruttolohns begrenzt werden sollten, gingen ohne Reformen oder steigende Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt bis zum Ende der Legislaturperiode in Richtung von 45 Prozent. (lma mit AFP/Reuters)
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