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„Debatte umkrempeln“

Top-Manger fordert „radikal anderes Verständnis“ von Integration und Einwanderung

Dm-Chef Christoph Werner verlangt ein radikales Umdenken in der Einwanderungspolitik. Für den „German Dream“ sei erfolgreiche Integration wesentlich.

Karlsruhe – Deutschland altert. Der demografische Wandel durch das massenweise Ausscheiden der Babyboomer aus dem Arbeitsleben mit immens steigenden Renten-Ansprüchen und der anhaltende Fachkräftemangel sind kein Zukunftsszenario, sondern tickende gesellschaftliche Zeitbomben. Mehr als hitzige Debatten würde eine planvolle Zuwanderung zur Rettung der Volkswirtschaft beitragen – wenn die Voraussetzungen stimmen. Davon ist Christoph Werner, dm-CEO, überzeugt. Er plädiert im Gespräch mit IPPEN.MEDIA für ein radikal anderes Verständnis von Einwanderungspolitik.

Dm-Chef Christoph Werner plädiert für eine unbürokratische, klar geregelte Einwanderungspolitik. Für den „German Dream“ brauche es vor allem gelingende Integration.

Dm-Chef plädiert für „radikal anderes Verständnis“: So gelingt Zuwanderung

Der dm-Chef, Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens statt eines Bürgergeldes – wie sein Vater, der verstorbene dm-Gründer Götz Werner–, erklärte in einem Gespräch gegenüber IPPEN.MEDIA am Montag (16. Juni): „Die Debatte der Zuwanderung und Integration muss umgekrempelt und vom anderen Ende her gedacht werden“.

Christoph Werner weiter: „Wir sollten die Debatte wieder auf die Frage lenken, welche Voraussetzungen eine gelingende Integration von Zuwanderern braucht.“ Er spricht dabei aus eigener Erfahrung. Als er selbst Zeit in Frankreich, den USA und Südafrika verbrachte, habe er erlebt, was ein gelungener Start im Ausland bedeuten kann – und wie viel dieser mit einfachen, funktionierenden Strukturen zu tun hat: „Ich war nie ein Flüchtling und sah mich auch nicht gezwungen, mein Heimatland aus Not oder wegen fehlender Perspektiven zu verlassen. Ein Neuankömmling war ich aber ebenso.“

Er habe in dieser Zeit zu schätzen gelernt, was es heiße, nach Ankunft im Land gleich loslegen zu können, in ein neues Leben einzutauchen „und nicht die kostbare Zeit auf Ämtern oder ewig in Warteschleifen in Ungewissheit verbringen zu müssen“, so Werner, der insgesamt fast 15 Jahre im Ausland gelebt hat. 

14 Jobs, die fast niemand machen will, obwohl sie gut bezahlt sind

Flugzeugenteiser als Job
Flugzeugenteiser: Flugzeugenteiser arbeiten in den Wintermonaten auf Flughäfen und sind dafür verantwortlich, Flugzeuge von Eis und Schnee zu befreien. Die Arbeit ist oft stressig und erfordert das Arbeiten unter extrem kalten Bedingungen. Das Gehalt ist jedoch attraktiv und liegt je nach Erfahrung zwischen 40.000 bis 70.000 Euro pro Jahr. © Imago
Gerümpel- und Entrümpelungsfachkraft
Gerümpel- und Entrümpelungsfachkraft: Diese Fachkräfte sind für die Räumung von Wohnungen, Häusern oder anderen Immobilien verantwortlich, oft nach Todesfällen, Zwangsräumungen oder wenn Menschen unter extremen Messie-Bedingungen gelebt haben. Die Arbeit kann emotional und physisch belastend sein, da sie oft in sehr unhygienischen Umgebungen durchgeführt wird. Das Gehalt kann zwischen 30.000 bis 55.000 Euro pro Jahr liegen. © Imago
Kanalarbeiter als Job
Kanalarbeiter: Kanalarbeiter sind für die Wartung und Reparatur von Abwassersystemen verantwortlich, oft in engen, dunklen und schmutzigen Umgebungen. Die Arbeit ist körperlich anstrengend und mit starkem Schmutz und unangenehmen Gerüchen verbunden. Dennoch können erfahrene Kanalarbeiter ein Gehalt von 35.000 bis 60.000 Euro pro Jahr erwarten. © Shotshop/Imago
Forensischer Entomologe
Forensischer Entomologe: Forensische Entomologen untersuchen Insekten und deren Entwicklungsstadien an Verbrechensorten, um Todeszeitpunkte und andere Details zu ermitteln. Die Arbeit kann extrem unangenehm sein, da sie oft den direkten Umgang mit verwesenden Körpern erfordert. Das Gehalt liegt in der Regel zwischen 50.000 bis 90.000 Euro pro Jahr.  © Imago
Weltkriegsmunition-Entschärfer
Weltkriegsmunition-Entschärfer: Diese Spezialisten sind für die Entschärfung von Blindgängern und alter Kriegsmunition zuständig, eine extrem gefährliche Arbeit, die höchste Konzentration und Sorgfalt erfordert. Das hohe Risiko wird jedoch durch eine sehr gute Bezahlung kompensiert. Je nach Einsatzort und Gefährlichkeit können die Verdienste zwischen 60.000 bis 120.000 Euro pro Jahr liegen.  © Imago
Schädlingsbekämpfer entfernt Hornissen-Nest
Schädlingsbekämpfer: Schädlingsbekämpfer beseitigen Insekten, Nagetiere und andere Schädlinge aus Gebäuden und öffentlichen Bereichen. Die Arbeit ist oft unangenehm, da sie in engen, schmutzigen und manchmal gefährlichen Umgebungen durchgeführt wird. Die Bezahlung ist jedoch gut und kann zwischen 30.000 bis 50.000 Euro pro Jahr betragen. © Imago
Schlachter als Job
Fleischzerleger/Schlachter: Fleischzerleger und Schlachter arbeiten in Schlachthöfen und verarbeiten Tierkörper, was physisch und emotional belastend sein kann. Die Arbeit erfordert Kraft und Geschicklichkeit, und viele Menschen empfinden den Umgang mit toten Tieren als unangenehm. Dennoch können die Verdienste zwischen 30.000 bis 55.000 Euro pro Jahr liegen. © Imago
Bergarbeiter im Kohlebergbau
Bergarbeiter im Kohlebergbau: Bergarbeiter arbeiten unter der Erde im Kohlebergbau, was körperlich extrem anstrengend und gefährlich ist. Die Arbeit erfordert oft lange Schichten in einer gefährlichen Umgebung. Das Gehalt ist hoch, insbesondere in Regionen mit aktiver Kohleförderung, und liegt zwischen 45.000 bis 80.000 Euro pro Jahr. © Imago
Taucher für Unterwasserarbeiten
Taucher für Unterwasserarbeiten: Diese Taucher führen Arbeiten wie Reparaturen und Inspektionen unter Wasser durch, oft in trüben oder gefährlichen Gewässern. Die körperliche Belastung und die potenziellen Gefahren machen diesen Beruf unattraktiv, aber die Bezahlung ist hoch, insbesondere bei riskanten Einsätzen. Das Gehalt kann zwischen 50.000 bis 100.000 Euro pro Jahr liegen. © Imago
Leichenbestatter als Job
Leichenbestatter: Leichenbestatter sind für die Vorbereitung und Durchführung von Bestattungen verantwortlich, was den ständigen Umgang mit dem Tod und trauernden Angehörigen bedeutet. Die Arbeit kann emotional belastend sein, bietet jedoch auch Stabilität und ein gutes Einkommen. Je nach Region und Erfahrung können Leichenbestatter 40.000 bis 65.000 Euro pro Jahr verdienen. © Imago
Klärwerkstechniker als Job
Klärwerkstechniker: Klärwerkstechniker überwachen und warten die Prozesse in Kläranlagen, wo sie ständig mit Abwasser und unangenehmen Gerüchen konfrontiert sind. Die Arbeit erfordert technisches Wissen und die Bereitschaft, in einer unattraktiven Umgebung zu arbeiten. Das Gehalt liegt im Bereich von 35.000 bis 60.000 Euro pro Jahr. © Imago
Feldmesser auf Offshore-Ölplattformen
Feldmesser auf Offshore-Ölplattformen: Diese Spezialisten führen technische Messarbeiten auf abgelegenen Ölplattformen durch, oft unter extremen Wetterbedingungen. Die Arbeit ist gefährlich und erfordert lange Abwesenheiten von zu Hause, was sie unattraktiv macht. Dafür wird ein hohes Gehalt gezahlt, das zwischen 70.000 bis 120.000 Euro pro Jahr liegen kann. © Marc Morrison/Imago
Rattenfänger oder Schädlingsbekämpfer als Job
Rattenfänger: Rattenfänger oder Schädlingsbekämpfer bekämpfen Ratten und andere Schädlinge in urbanen oder ländlichen Gebieten. Die Arbeit erfordert oft den Einsatz in schmutzigen, unhygienischen Umgebungen, was den Job für viele unattraktiv macht. Das Gehalt kann je nach Erfahrung und Erfolg bei 30.000 bis 50.000 Euro pro Jahr liegen. © Christian Brenneke/Imago
Tatortreiniger als Job
Tatortreiniger: Tatortreiniger sind für die Reinigung von Schauplätzen verantwortlich, an denen Gewaltverbrechen, Unfälle oder Todesfälle stattgefunden haben. Die Arbeit erfordert eine hohe emotionale Belastbarkeit und eine gewisse Distanz zu unangenehmen Szenen. Die Bezahlung variiert je nach Erfahrung und Region, liegt aber oft zwischen 40.000 bis 70.000 Euro pro Jahr. © Imago

Vorbild USA: „Einwanderungspolitik hat dem Land großen Fortschritt gebracht“

Der dm-Geschäftsführer verweist auch auf die USA, „deren aktuelle Regierung weitestgehend aus den Augen verloren hat, dass eine über viele Jahre gelungene Einwanderungspolitik dem Land seit Gründung Wohlstand und eine blühende Wirtschaft gebracht hat“, als historisches Vorbild.

Dort habe eine klar organisierte Zuwanderungspolitik dem Land wirtschaftlichen Fortschritt beschert; die Immigration hatte die rasche Integration der Neuankömmlinge zum Ziel. Innerhalb weniger Tage waren die Formalitäten erledigt – „und die, die bleiben durften, konnten sofort durchstarten, ihre Ärmel hochkrempeln und loslegen. Manch einer brachte es so tatsächlich vom Tellerwäscher zum Millionär“, so Werner.

dm-Geschäftsführer erklärt: Der „German Dream“ braucht vor allem gelingende Integration

Um den „German Dream“ für Neuankömmlingen in Deutschland analog zum „American Dream“ wahrzumachen, sei ein Perspektivwechsel dringend notwendig: Statt abstrakte Obergrenzen zu diskutieren, solle man die Fragen von hinten aufrollen.

„Wenn uns eine gelingende Integration wichtig ist, müssen wir Gesetze und internationale Vereinbarungen so ausgestalten, dass beispielsweise der Aufenthaltsstatus von Asylsuchenden schnell geklärt und ihre Teilhabe am Arbeits- und gesellschaftlichen Leben entsprechend beschleunigt wird.“ Kinder mit Migrationshintergrund müssten möglichst schnell die deutsche Sprache erlernen, um in der Grundschule Bildungsangebote wahrnehmen zu können, Einwanderer möglichst rasch Arbeit aufnehmen können, um in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Die zentrale Frage sei darum: „Welcher Vorarbeit bedarf es, damit die Bürgerinnen und Bürger Immigration als Bereicherung und nicht als Bedrohung empfinden?“

Integration kein Selbstläufer: „Nur wer schnell Teil des gesellschaftlichen Lebens wird, kann sich wirklich integrieren“

Anstatt den Ankommenden, die ebenso wenig wie die Einwanderer ehemals in die Vereinigte Staaten „aus Jux und Dollerei“ in das Land kämen, vernünftige Rahmenbedingungen für die Integration anzubieten, hingen diese ewig in der Warteschleife und geraten in schlechte Umfelder, werden unter Umständen sogar kriminell: „Da bedienen sie dann Stereotypen, die jene Menschen dankbar aufgreifen, die ohnehin jeden Zuzug kategorisch ablehnen“.

Integration sei kein Selbstläufer, betont Werner. Sie gelinge nicht durch Appelle, sondern durch klare Zuständigkeiten, funktionierende Verfahren und politische Entschlossenheit. Vieles davon fehle bislang – nicht zuletzt, weil nationale und internationale Regeln teils andere Schwerpunkte setzen. Tatsächlich haben Studien ergeben, dass bereits Millionen Zugewanderte Deutschland aufgrund von Diskriminierung und Bürokratie wieder den Rücken gekehrt haben.

„Wenn wir als Land keine Antworten auf diese Fragen finden und uns nicht an unseren Potenzialen orientieren“, warnt Werner, der im Kuratorium der Interessenvertretung Stiftung Familienunternehmen und im Handelsausschuss der Deutschen Industrie- und Handels-Kammer (DIHK) die Belange von Familienunternehmen und des Handels vertritt, „scheitert Integration und es droht eine weitere Polarisierung unserer Gesellschaft“.

Rubriklistenbild: © Christina Riedl/dm-drogerie markt

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