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„Debatte umkrempeln“
Top-Manger fordert „radikal anderes Verständnis“ von Integration und Einwanderung
Dm-Chef Christoph Werner verlangt ein radikales Umdenken in der Einwanderungspolitik. Für den „German Dream“ sei erfolgreiche Integration wesentlich.
Karlsruhe – Deutschland altert. Der demografische Wandel durch das massenweise Ausscheiden der Babyboomer aus dem Arbeitsleben mit immens steigenden Renten-Ansprüchen und der anhaltende Fachkräftemangel sind kein Zukunftsszenario, sondern tickende gesellschaftliche Zeitbomben. Mehr als hitzige Debatten würde eine planvolle Zuwanderung zur Rettung der Volkswirtschaft beitragen – wenn die Voraussetzungen stimmen. Davon ist Christoph Werner, dm-CEO, überzeugt. Er plädiert im Gespräch mit IPPEN.MEDIA für ein radikal anderes Verständnis von Einwanderungspolitik.
Dm-Chef Christoph Werner plädiert für eine unbürokratische, klar geregelte Einwanderungspolitik. Für den „German Dream“ brauche es vor allem gelingende Integration.
Christoph Werner weiter: „Wir sollten die Debatte wieder auf die Frage lenken, welche Voraussetzungen eine gelingende Integration von Zuwanderern braucht.“ Er spricht dabei aus eigener Erfahrung. Als er selbst Zeit in Frankreich, den USA und Südafrika verbrachte, habe er erlebt, was ein gelungener Start im Ausland bedeuten kann – und wie viel dieser mit einfachen, funktionierenden Strukturen zu tun hat: „Ich war nie ein Flüchtling und sah mich auch nicht gezwungen, mein Heimatland aus Not oder wegen fehlender Perspektiven zu verlassen. Ein Neuankömmling war ich aber ebenso.“
Er habe in dieser Zeit zu schätzen gelernt, was es heiße, nach Ankunft im Land gleich loslegen zu können, in ein neues Leben einzutauchen „und nicht die kostbare Zeit auf Ämtern oder ewig in Warteschleifen in Ungewissheit verbringen zu müssen“, so Werner, der insgesamt fast 15 Jahre im Ausland gelebt hat.
14 Jobs, die fast niemand machen will, obwohl sie gut bezahlt sind
Vorbild USA: „Einwanderungspolitik hat dem Land großen Fortschritt gebracht“
Der dm-Geschäftsführer verweist auch auf die USA, „deren aktuelle Regierung weitestgehend aus den Augen verloren hat, dass eine über viele Jahre gelungene Einwanderungspolitik dem Land seit Gründung Wohlstand und eine blühende Wirtschaft gebracht hat“, als historisches Vorbild.
Dort habe eine klar organisierte Zuwanderungspolitik dem Land wirtschaftlichen Fortschritt beschert; die Immigration hatte die rasche Integration der Neuankömmlinge zum Ziel. Innerhalb weniger Tage waren die Formalitäten erledigt – „und die, die bleiben durften, konnten sofort durchstarten, ihre Ärmel hochkrempeln und loslegen. Manch einer brachte es so tatsächlich vom Tellerwäscher zum Millionär“, so Werner.
dm-Geschäftsführer erklärt: Der „German Dream“ braucht vor allem gelingende Integration
Um den „German Dream“ für Neuankömmlingen in Deutschland analog zum „American Dream“ wahrzumachen, sei ein Perspektivwechsel dringend notwendig: Statt abstrakte Obergrenzen zu diskutieren, solle man die Fragen von hinten aufrollen.
„Wenn uns eine gelingende Integration wichtig ist, müssen wir Gesetze und internationale Vereinbarungen so ausgestalten, dass beispielsweise der Aufenthaltsstatus von Asylsuchenden schnell geklärt und ihre Teilhabe am Arbeits- und gesellschaftlichen Leben entsprechend beschleunigt wird.“ Kinder mit Migrationshintergrund müssten möglichst schnell die deutsche Sprache erlernen, um in der Grundschule Bildungsangebote wahrnehmen zu können, Einwanderer möglichst rasch Arbeit aufnehmen können, um in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Die zentrale Frage sei darum: „Welcher Vorarbeit bedarf es, damit die Bürgerinnen und Bürger Immigration als Bereicherung und nicht als Bedrohung empfinden?“
Integration kein Selbstläufer: „Nur wer schnell Teil des gesellschaftlichen Lebens wird, kann sich wirklich integrieren“
Anstatt den Ankommenden, die ebenso wenig wie die Einwanderer ehemals in die Vereinigte Staaten „aus Jux und Dollerei“ in das Land kämen, vernünftige Rahmenbedingungen für die Integration anzubieten, hingen diese ewig in der Warteschleife und geraten in schlechte Umfelder, werden unter Umständen sogar kriminell: „Da bedienen sie dann Stereotypen, die jene Menschen dankbar aufgreifen, die ohnehin jeden Zuzug kategorisch ablehnen“.
Integration sei kein Selbstläufer, betont Werner. Sie gelinge nicht durch Appelle, sondern durch klare Zuständigkeiten, funktionierende Verfahren und politische Entschlossenheit. Vieles davon fehle bislang – nicht zuletzt, weil nationale und internationale Regeln teils andere Schwerpunkte setzen. Tatsächlich haben Studien ergeben, dass bereits Millionen Zugewanderte Deutschland aufgrund von Diskriminierung und Bürokratie wieder den Rücken gekehrt haben.
„Wenn wir als Land keine Antworten auf diese Fragen finden und uns nicht an unseren Potenzialen orientieren“, warnt Werner, der im Kuratorium der Interessenvertretung Stiftung Familienunternehmen und im Handelsausschuss der Deutschen Industrie- und Handels-Kammer (DIHK) die Belange von Familienunternehmen und des Handels vertritt, „scheitert Integration und es droht eine weitere Polarisierung unserer Gesellschaft“.