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Wettbewerbsfähigkeit sinkt

Strukturkrise in Deutschland – Analyse sieht „gefährliche Kettenreaktion“

Deutschlands Wirtschaft steckt in einer Strukturkrise. 23 Dax-Konzerne verzeichnen Verluste, während sie international profitabel sind. Investoren meiden den Standort.

Berlin – Deutschlands Wirtschaftsstandort gerät zunehmend unter Druck. Eine interne Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young offenbart ein besorgniserregendes Muster: 23 der 40 DAX-Konzerne schreiben mit ihren deutschen Töchtern seit mehr als einem Jahr Verluste, während ihre Gesamtgruppen profitabel arbeiten. Neun dieser Unternehmen leiden bereits seit über vier Jahren unter dieser Schieflage.

Bundeskanzler Friedrich Merz zeichnet Anfang des Jahres in einem vierseitigen Schreiben an die Bundestagsabgeordneten von Union und SPD ein kritisches Bild. „Die Lage der deutschen Wirtschaft ist in einigen Bereichen sehr kritisch“, heißt es in dem Brief. Der Kanzler wird deutlich: „Große Industriezweige stehen ebenso wie erhebliche Teile des Mittelstandes und des Handwerks vor gewaltigen Herausforderungen, in vielen Unternehmen gehen Arbeitsplätze verloren.“

DAX-Konzerne profitabel im Ausland – Verluste in Deutschland

Die wirtschaftliche Schieflage zeigt sich auch in der Gesamtbetrachtung. Die 100 umsatzstärksten deutschen Unternehmen erwirtschafteten in den ersten neun Monaten 2025 zwar einen leicht höheren Gesamtumsatz von rund 1,55 Billionen Euro – ein Plus von 0,6 Prozent. Doch der Gewinn vor Steuern und Zinsen schrumpfte um 15 Prozent auf 102 Milliarden Euro, wie aus einer Analyse von EY hervorgeht. „2025 war ein weiteres Krisenjahr für die deutsche Wirtschaft“, erklärte EY-Experte Jan Brorhilker.

Besonders dramatisch entwickelte sich die Situation in Schlüsselindustrien: Der Gesamtumsatz von Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz sank zwar nur um zwei Prozent, doch der Gewinn im Tagesgeschäft brach um 46 Prozent auf rund 17,8 Milliarden Euro ein. Noch drastischer fiel der Gewinneinbruch bei den Chemiekonzernen mit minus 71 Prozent aus.

Schock-Momente und große Eklats: So turbulent war das Politik-Jahr 2025

Eklat im Oval Office, Demos gegen Friedrich Merz und Putin-Trump-Gipfel in Alaska: Das Politik-Jahr 2025 war von großen Aufregern geprägt.
Eklat im Oval Office, Demos gegen Friedrich Merz und Putin-Trump-Gipfel in Alaska: Das Jahr 2025 war von diesen und weiteren großen Aufregern in der internationalen Politik geprägt. Ein Rückblick in Bildern. © Imago (Montage)
Als US-Präsident vereidigt wurde Trump am  20. Januar 2025 in der Rotunde des Kapitols in Washington, D.C.
Für viele war es ein Schock, dass Donald Trump Ende 2024 zum zweiten Mal die US-Wahl gewann. Als US-Präsident vereidigt wurde Trump am 20. Januar 2025 in der Rotunde des Kapitols in Washington, D.C.  © Imago
Bei seiner Vereidigung im Januar 2025 im Beisein seiner Frau Melania und seiner Kinder sagte Donald Trump, „das ‚Goldene Zeitalter‘ von Amerika beginnt genau jetzt“
Bei seiner Vereidigung im Januar 2025 im Beisein seiner Frau Melania und seiner Kinder sagte Donald Trump: „Das ‚Goldene Zeitalter‘ von Amerika beginnt genau jetzt.“ Seitdem hält der US-Präsident nicht nur sein eigenes Land, sondern die ganze Welt in Atem: zum Beispiel mit exorbitanten Zöllen auf Importe, der Verhaftung von Migranten auf offener Straße und dem Einsatz des Militärs in seinen eigenen Städten.  © imago stock&people
für viele ein Schock und Aufreger zugleich: Trump, selbst milliardenschwerer Immobilien-Mogul, hatte die Tech-Elite und reichsten Männer der USA hinter sich versammelt. Marc Zuckerberg (Meta), Jeff Bezos (Amazon) samt Frau, Sundar Pichai (Google) und Elon Musk (Tesla, Space X).
Dieses Bild von der Vereidigung Trumps 2025 war für viele ein Schock und Aufreger zugleich: Trump, selbst milliardenschwerer Immobilien-Mogul, hatte die Tech-Elite und die reichsten Männer der USA hinter sich versammelt: Marc Zuckerberg (Meta), Jeff Bezos (Amazon) an der Seite seiner Frau, Sundar Pichai (Google) und Elon Musk (Tesla, Space X). © IMAGO/Pool/ABACA
Beim Ball, der in den USA traditionell bei Amtseinführungen von Präsidenten abgehalten wird, tanzte Donald Trump mit seiner Frau Melania.
Beim Ball, der in den USA traditionell bei Amtseinführungen von Präsidenten abgehalten wird, tanzte Donald Trump mit seiner Frau Melania. Es begann ein erstes Regierungsjahr 2025 voller Extreme, Eskalationen und Chaos. © IMAGO/Anna Moneymaker - Pool via CNP
Schock am 22. Januar in Aschaffenburg: Bei einem Messerangriff wurde ein Kleinkind und ein Mann getötet sowie drei weitere Menschen schwer verletzt, darunter ein weiteres Kleinkind.
Schock am 22. Januar in Aschaffenburg: Bei einem Messerangriff wurden ein Kleinkind und ein Mann getötet sowie drei weitere Menschen schwer verletzt, darunter ein weiteres Kleinkind. Der Täter war ein Afghane, der zu jenem Zeitpunkt ausreisepflichtig war. Eine Debatte um illegale Migration in Deutschland beherrschte fortan den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2025.  © IMAGO/Michael Bihlmayer
Ein sichtlich erschütterter Merz erklärte bei einer aufsehenerregenden Pressekonferenz am 23. Januar 2025, er werde „von Tag 1 an“ als Kanzler ein „faktisches Einreiseverbot“ für illegale Migranten durchsetzen.
Friedrich Merz, damals noch CDU-Kanzlerkandidat, führte nach dem Attentat in Aschaffenburg die Migration in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes. Bei einer aufsehenerregenden Pressekonferenz am 23. Januar 2025 erklärte er, er werde „von Tag 1 an“ als Kanzler ein „faktisches Einreiseverbot“ für illegale Migranten durchsetzen.  © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Florian Wiegand
Am 29. Januar 2025 trat vor der umstrittenen Abstimmung ein energischer Merz ans Rednerpult im Bundestag, hinter ihm noch die alte Regierung aus Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Vizekanzler Robert Habeck (Grüne). ehrere Anträge zur Migration in Deutschland wollte er auf Teufel komm raus im Bundestag durchbringen – auch unter Inkaufnahme von Stimmen der AfD.
Friedrich Merz entschloss sich in der Folge zu einem drastischen Schritt im Wahlkampf: Mehrere Anträge zur Migration in Deutschland wollte er im Bundestag durchbringen – auch unter Inkaufnahme von Stimmen der AfD. Am 29. Januar 2025 trat vor der umstrittenen Abstimmung ein energischer Merz ans Rednerpult im Bundestag, hinter ihm die alte Regierung bestehend aus Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Vizekanzler Robert Habeck (Grüne).  © IMAGO
Die AfD-Fraktion macht ein Selfie nach der umstrittenen Abstimmung zur Migration im Bundestag am 29. Januar 2025.
Die gemeinsame Abstimmung der CDU unter Merz mit der AfD war für viele in SPD, Grüne und Linke ein Schock im Jahr 2025. Auch Abgeordnete der Union saßen danach im Bundestag wie vom Donner gerührt über ihr eigenes Handeln. Allein die AfD-Fraktion lachte nach der Abstimmung: Gemeinsam mit anderen Abgeordneten machten die AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla ein Selfie. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Unter dem Motto „Wir sind die Brandmauer – Keine Zusammenarbeit mit der AfD“ gingen 2025 Millionen Menschen auf die Straße. Auf dem Bild zu sehen ist der „Aufstand der Anständigen“ in Berlin.
Nach dem Schock der Abstimmung von Merz‘ Union mit der AfD gab es Anfang 2025 massive Proteste in ganz Deutschland. Unter dem Motto „Wir sind die Brandmauer – Keine Zusammenarbeit mit der AfD“ gingen Millionen Menschen auf die Straße. Auf dem Bild zu sehen ist der „Aufstand der Anständigen“ in Berlin.  © IMAGO/Christian Ender
Ein Schock für alle Zuhörer war am 14. Februar 2025 die Rede von US-Vizepräsident JD Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Unter den Verbündeten in Europa sorgte die Rede für helle Aufregung: Vance rechnete in der halbstündigen Rede mit Europa ab.
Ein Schock für alle Zuhörer war am 14. Februar 2025 die Rede von US-Vizepräsident JD Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Unter den Verbündeten in Europa sorgte die Rede für helle Aufregung: Vance rechnete in der halbstündigen Rede mit Europa ab und attestierte ein mangelndes Demokratieverständnis. „Wenn ihr Angst vor euren eigenen Wählern habt, dann gibt es nichts, was Amerika für euch tun kann“, so ein Zitat von Vance, das 2025 in den Köpfen blieb. © IMAGO/Andreas Stroh
Beim Besuch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Oval Office am 28. Februar 2025 kam es zum Eklat. US-Präsident Donald Trump stritt öffentlich mit ihm und warf ihm mangelnde Dankbarkeit vor. Am Ende wurde Selenskyj aus dem Weißen Haus geworfen.
Zwei Wochen später kam der nächste Schock-Moment für die Europäer: Beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Oval Office am 28. Februar 2025 kam es zum Eklat. US-Präsident Donald Trump stritt öffentlich mit ihm und warf ihm mangelnde Dankbarkeit vor. Am Ende wurde Selenskyj aus dem Weißen Haus geworfen. Die Welt schaute fassungslos zu.  © IMAGO/JIM LO SCALZO
Bei dem Eklat im Oval Office war Trumps Vize JD Vance bei der öffentlichen Demütigung von Selenskyj ganz vorne dabei. Beobachter sprachen danach von einer bewussten Provokation der Ukraine.
Bei dem Eklat im Oval Office war Trumps Vize JD Vance bei der öffentlichen Demütigung von Selenskyj ganz vorne mit dabei. Beobachter sprachen danach davon, dass der die Ukraine bewusst provozieren wollte. Seit diesem Schock-Moment am 28. Februar zittern viele Staatschefs vor ihren Besuchen im Weißen Haus.  © IMAGO/JIM LO SCALZO
Einen Schock in der Türkei und der ganzen westlichen Welt, löste die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu am 19. März 2025 aus.
Einen Schock in der Türkei und der ganzen westlichen Welt löste die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu am 19. März 2025 aus. Wenige Tage später sollte er zum offiziellen Präsidentschaftskandidaten nominiert werden und war daher einer der gefährlichsten Gegner für Präsident Recep Tayyip Erdogan. Wegen angeblicher Korruption und Terrorismusunterstützung nahm die Polizei ihn gemeinsam mit 100 weiteren Personen fest. İmamoğlu sitzt bis heute in Haft.  © IMAGO/Tolga Uluturk
Nach der Verhaftung von İmamoğlu demonstrierten hunderttausende Menschen in der Türkei gegen Erdogans Willkür.
Nach der Verhaftung von İmamoğlu demonstrierten hunderttausende Menschen in der Türkei gegen Erdogans Willkür. Auch 100 Tage später gab es noch Proteste von zehntausenden Menschen in Istanbul.  © IMAGO/Abdullah Tepeli
Schock für CDU-Chef Friedrich Merz bei der Kanzlerwahl im Bundestag am 6. Mai 2025: Der Wahlsieger scheiterte bei der Abstimmung im ersten Wahlgang. Nach dem gescheiterten ersten Wahlgang verließ Merz fluchtartig das Parlament.
Schock für CDU-Chef Friedrich Merz bei der Kanzlerwahl im Bundestag am 6. Mai 2025: Der Wahlsieger scheiterte bei der Abstimmung im ersten Wahlgang. Zuviele Abgeordnete aus Union und SPD stimmten gegen ihn als Kanzler. Nach dem gescheiterten ersten Wahlgang verließ Merz fluchtartig das Parlament.  © IMAGO/Emmanuele Contini
Charlotte Merz, die Ehefrau von Friedrich Merz, sowie deren Kinder verfolgten das Debakel bei der Kanzlerwahl mit ausdruckslosen Mienen von der Tribüne aus.
Charlotte Merz, die Ehefrau von Friedrich Merz, sowie deren Kinder verfolgten das Debakel bei der Kanzlerwahl mit ausdruckslosen Mienen von der Tribüne aus. Sie hatten sich von dem Tag der Kanzlerwahl anderes erhofft.  © IMAGO
CDU-Chef Friedrich Merz am 6. Mai 2025 einsam und allein im Deutschen Bundestag, nachdem er im ersten Wahlgang bei der Wahl des Bundeskanzlers durchgefallen war.
Ein Bild, das von 2025 bleibt: CDU-Chef Friedrich Merz einsam und allein im Deutschen Bundestag, nachdem er im ersten Wahlgang bei der Wahl des Bundeskanzlers durchgefallen war. Der Tag sollte für ihn nach der gewonnenen Bundestagswahl 2025 eigentlich ein Tag des Triumphs werden.  © IMAGO/Emmanuele Contini
Nach stundenlangen aufgeregten Beratungen in den Fraktionen von Union und SPD gab es am 6. Mai 2025 bei der Kanzlerwahl schließlich ein Aufatmen für Merz und seine Regierung: Im zweiten Wahlgang schaffte er die Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag.
Nach stundenlangen aufgeregten Beratungen in den Fraktionen von Union und SPD gab es am 6. Mai 2025 bei der Kanzlerwahl schließlich ein Aufatmen für Merz und seine Regierung: Im zweiten Wahlgang schaffte er die Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag, danach konnte ihm endlich gratuliert werden.  © IMAGO
Am 21. Mai 2025 kam es zum nächsten Eklat im politischen Jahr: US-Präsident Donald Trump attackierte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa vor versammelter Presse mit Vorwürfen.
Am 21. Mai 2025 kam es zum nächsten Eklat im politischen Jahr: US-Präsident Donald Trump attackierte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa vor versammelter Presse. Trump konfrontierte seinen Gast mit Artikeln und einem Videofilm. Dies sollte nach Darstellung Trumps einen Massenmord an der weißen Bevölkerung Südafrikas belegen. Die Vorwürfe basieren auf einem Verschwörungsmythos, der in rechtsextremen Kreisen in den USA weit verbreitet ist: der sogenannte „weiße Genozid“. © IMAGO/Jim LoScalzo - Pool via CNP
Nach über drei Jahren Ukraine-Krieg wurde Russlands Präsidenten Wladimir Putin am 15. August 2025 in Alaska die Rückkehr auf die politische Weltbühne gewährt: US-Präsident Donald Trump traf ihn in Alaska.
Nach über drei Jahren Ukraine-Krieg wurde Russlands Präsidenten Wladimir Putin am 15. August 2025 in Alaska die Rückkehr auf die politische Weltbühne gewährt: US-Präsident Donald Trump traf ihn in Alaska. Für viele Menschen waren die Bilder vom Putin-Trump-Gipfel in Alaska ein Schock.  © IMAGO/Sergey Bobylev
Unvergessen vom Trump-Putin-Gipfel 2025 in Alaska bleibt der Empfang, den Trump seinem russischen Kollegen gewährte: Er sollte ihm auf dem Flugplatz den roten Teppich aus und klatschte dem russischen Despoten schon von weitem zu.
Unvergessen vom Trump-Putin-Gipfel 2025 in Alaska bleibt der Empfang, den Trump seinem russischen Kollegen gewährte: Er rollte ihm auf dem Flugplatz den roten Teppich aus und klatschte dem russischen Despoten schon von weitem mit Beifall zu.  © IMAGO/Sergey Bobylev
Die Ergebnisse des Treffens von Donald Trump und Wladimir Putin in Alaska fielen enttäuschend aus. Putin konnte auf der anschließenden Pressekonferenz die Agenda bestimmen und seine Sicht auf den Ukraine-Krieg unwidersprochen darstellen.
Die Ergebnisse des Treffens von Donald Trump und Wladimir Putin in Alaska fielen enttäuschend aus. Putin konnte zur Aufregung vieler auf der anschließenden Pressekonferenz die Agenda bestimmen und seine Sicht auf den Ukraine-Krieg unwidersprochen darstellen.  © IMAGO/Anchorage Daily News/TNS/ABACA
Ein absolutes Aufreger-Thema in der Bundespolitik war im Sommer 2025 die geplante Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin. Sie scheiterte am Widerstand der Union, die sie als zu links empfand. Der Streit um die Richterwahl brachte die Koalition unter Friedrich Merz fast an den Abgrund.
Ein Aufreger-Thema in der Bundespolitik war im Sommer 2025 die geplante Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin. Sie scheiterte am Widerstand der Union, die sie als zu links empfand. Brosius-Gersdorf zog ihre Kandidatur schließlich freiwillig zurück. Der Streit um die Richterwahl brachte die Koalition unter Friedrich Merz fast an den Abgrund.  © IMAGO/M. Popow
Mit dieser Pressekonferenz Mitte Oktober 2025 in Brandenburg begann in Deutschland eine Zeit wochenlanger Diskussionen und Proteste: Kanzler Friedrich Merz erklärte bei einem Besuch bei Ministerpräsident Dietmar Woidke, es gebe in Deutschland noch „Probleme im Stadtbild“, die Innenminister Dobrindt mit Rückführungen von Migranten zu lösen versuche.
Mit dieser Pressekonferenz Mitte Oktober 2025 in Brandenburg begannen in Deutschland wochenlange Diskussionen und Proteste: Kanzler Friedrich Merz erklärte bei einem Besuch bei Ministerpräsident Dietmar Woidke, es gebe in Deutschland noch „Probleme im Stadtbild“, die Innenminister Dobrindt mit Rückführungen von Migranten zu lösen versuche. Merz war zunächst nicht bereit, sich näher zu erklären. Er sagte stattdessen, man solle „die Töchter“ fragen, die wüssten, was er meine.  © IMAGO/Chris Emil Janssen
Die Äußerungen des Kanzlers zum Stadtbild war für vielen ein Grund, auf die Straße zu gehen: Sie warfen dem Kanzler Rassismus und die Differenzierung von Menschen nach Hautfarben vor. Unter dem Motto „Wir sind die Töchter“ gingen Tausende auf die Straße, so wie hier in Berlin.
Die Äußerungen des Kanzlers zum „Stadtbild“ waren für viele ein Grund, auf die Straße zu gehen: Sie warfen dem Kanzler Rassismus und die Differenzierung von Menschen nach Hautfarbe vor. Zudem fühlten sich viele junge Frauen durch Merz‘ Aussage, die „Töchter“ würden wissen, was er meine, instrumentalisiert. Unter dem Motto „Wir sind die Töchter“ gingen Tausende auf die Straße, so wie in Berlin.  © IMAGO/Carsten Thesing
Begleitet von heftigen Protesten gründete die AfD am 29. November 2025 ihr neue Jugendorganisation „Generation Deutschland“. In Gießen demonstrierten bis zu 30.000 Menschen gegen die AfD, dabei kam es auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Begleitet von heftigen Protesten gründete die AfD am 29. November 2025 ihre neue Jugendorganisation „Generation Deutschland“. In Gießen demonstrierten bis zu 30.000 Menschen gegen die AfD, dabei kam es auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.  © IMAGO/5VISION.NEWS
Einen schockierenden Auftritt legte Alexander Eichwald hin bei der Gründung der neuen AfD-Jugend „Generation Deutschland“ am 30. November 2025 in Gießen: Mit stark rollendem R und NS-Rhetorik erinnerte er an Adolf Hitler.
Einen schockierenden Auftritt legte Alexander Eichwald bei der Gründung der neuen AfD-Jugend „Generation Deutschland“ in Gießen hin: Mit stark rollendem „R“ und NS-Rhetorik erinnerte er an Adolf Hitler. Nach der Aufreger-Rede gab es Rätselraten, ob die Rede ernst gemeint oder Satire war. Zwölf Prozent der AfD-Jugend gaben Eichwald immerhin ihre Stimme für einen Posten im Vorstand. Er muss nun mit dem Ausschluss aus der Partei rechnen. © dpa/X
Ein Schock für Europa war die Bekanntgabe der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA im Dezember 2025: Die Regierung unter Donald Trump sieht darin Europa als Gegner und will den „Widerstand“ gegen den aktuellen Kurs der EU fördern. Von vielen wird das Dokument, das den offiziellen Kurs der US-Außenpolitik darlegt, wie ein Scheidungspapier an Europa aufgefasst.
Ein Schock für Europa war die Bekanntgabe der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA im Dezember 2025: Die Regierung unter Donald Trump sieht darin Europa als Gegner und will den „Widerstand“ gegen den aktuellen Kurs der EU fördern. Von vielen wird das Dokument, das den offiziellen Kurs der US-Außenpolitik darlegt, als ein Scheidungspapier an Europa aufgefasst.  © IMAGO/Pool/ABACA
Die neue Sicherheitsstrategie der USA unter der Führung von Donald Trump (M.), Außenminister Marco Rubio (l.) und Verteidigungsminister Pete Hegseth schockte auch Deutschland: Kanzler Friedrich Merz sagte danach alarmiert, dass es nun umso wichtiger sei, dass Deutschland sich auch ohne die USA verteidigen könne.
Die neue Sicherheitsstrategie der USA unter der Führung von Donald Trump (M.), Außenminister Marco Rubio (l.) und Verteidigungsminister Pete Hegseth schockte auch Deutschland: Kanzler Friedrich Merz sagte danach alarmiert, dass es nun umso wichtiger sei, dass Deutschland sich auch ohne die USA verteidigen könne. Ein Rückzug der USA aus der NATO wird immer wahrscheinlicher.  © IMAGO/CNP / MediaPunch

Investoren wenden sich ab – Gefährliche Kettenreaktion droht

Die Attraktivität Deutschlands für Investoren schwindet rapide. Während vor vier Jahren noch zwei Drittel insolventer Unternehmen gerettet werden konnten, liegt die Quote mittlerweile deutlich unter 50 Prozent, wie Daten der Unternehmensberatung Falkensteg zeigen. „Wir bekommen in unseren internationalen M&A-Prozessen mittlerweile sehr häufig die Rückmeldung, dass Investoren ganz grundsätzlich in Deutschland nicht mehr investieren“, berichtete Falkensteg-Partner Jonas Eckhardt. „Deutsche Unternehmen sind in vielen Branchen einfach raus.“ Die Liste gescheiterter Traditionsunternehmen wird dabei immer länger: Weltmarktführer Mayer & Cie., die Autozulieferer AE Group und Allgaier, Autoverleiher Starcar, Modekette Gerry Weber sowie die deutschen Standorte von Meyer Burger mussten schließen.

Die chronisch roten Zahlen in der Heimat könnten laut EY-Analyse eine regelrechte Kettenreaktion in den Unternehmen auslösen. So müssten sich Konzerne die Frage stellen, wie werthaltig bestehende Verlustvorträge hierzulande noch seien, wenn diese auf absehbare Zeit nicht mehr mit Gewinnen verrechnet werden könnten. Dies könnte die tatsächliche Steuerlast der Unternehmen erhöhen und damit den Standort Deutschland weiter verschlechtern. Zudem stelle sich die Frage, ob Konzerne nicht Dienstleistungen, Forschungsaktivitäten oder Patente entsprechend der veränderten Wertschöpfung ins Ausland verlagern müssten. In der Automobilbranche ist diese Entwicklung bereits erkennbar: VW-Chef Oliver Blume kündigte Ende November bei der Eröffnung eines Entwicklungszentrums in der chinesischen Stadt Hefei an, Volkswagen wolle am weltgrößten Automarkt zum globalen Technologietreiber werden.

Stellenabbau für 2026 prognostiziert: Know-how-Verlagerung ins Ausland belastet Standort

Die Krise hinterlässt deutliche Spuren am Arbeitsmarkt. Zwischen Januar und September 2025 verloren die 100 größten deutschen Unternehmen 17.500 Arbeitsplätze. Seit 2023 summiert sich der Stellenabbau auf rund 100.000 Jobs. Eine Trendwende ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Laut einer Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft erwarten 22 von 46 befragten Wirtschaftsverbänden für 2026 weiteren Personalabbau. Lediglich neun Verbände rechnen mit Zuwächsen, 15 prognostizieren stagnierende Beschäftigtenzahlen. Betroffen sind vor allem beschäftigungsintensive Sektoren wie Metall-, Chemie- und Stahlindustrie sowie Automobilbau, Maschinenbau und Handwerk. „Wer auf ein baldiges und umfassendes Ende der Wirtschaftskrise gehofft hat, wird auch 2026 enttäuscht“, erklärte IW-Direktor Michael Hüther.

Die EY-Analyse beobachtet außerdem eine kontinuierlich steigende Wertschöpfungstiefe in Forschung und Entwicklung bei chinesischen Tochtergesellschaften deutscher Konzerne. Die Folge: Hochqualifizierte Arbeitsplätze und Know-how gehen verloren, Lizenzeinnahmen für geistiges Eigentum sinken, was wiederum die in Deutschland zu versteuernden Gewinne reduziert.

Steuerliche Entlastungen beschlossen: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundeswirtschaftsministerin Reiche wollen Unternehmen stärken. Ob das gegen die Standortkrise hilft, bleibt offen.

Regierung reagiert mit Investitionsbooster – IHK München: „Wichtiges Signal, aber nur ein erster Schritt“

Als Reaktion auf die Krise hat die Bundesregierung das Gesetz zur steuerlichen Förderung privater Investitionen in Deutschland – auch als Investitionsbooster bekannt – auf den Weg gebracht. Das am 18. Juli 2025 im Bundesgesetzblatt verkündete Gesetz sieht drei zentrale Maßnahmen vor: Eine Investitionsprämie von zehn Prozent auf bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die zwischen dem 1. Januar 2025 und dem 31. Dezember 2028 angeschafft werden. Die Prämie wird als Steuergutschrift gewährt und mindert die Körperschaftsteuer oder Einkommensteuer. Eine Sonder-Abschreibung für Gebäude: Unternehmen können für neue Betriebsgebäude im Jahr der Fertigstellung und in den folgenden vier Jahren jeweils bis zu 6 Prozent der Anschaffungskosten zusätzlich abschreiben – insgesamt bis zu 30 Prozent. Eine verbesserte Verlustverrechnung: Der Verlustrücktrag wird von bisher einer Million auf drei Millionen Euro verdreifacht. Zudem wird die Mindestbesteuerung gelockert, sodass Verluste besser mit Gewinnen verrechnet werden können.

Die IHK für München und Oberbayern begrüßt das Gesetz als „wichtiges Signal“, mahnt aber weitere Reformen an. „Der Investitionsbooster kann helfen, kurzfristig Anreize zu setzen. Doch ohne grundlegende Strukturreformen bei Energiekosten, Bürokratie und Infrastruktur wird Deutschland im internationalen Wettbewerb weiter zurückfallen“, erklärte ein IHK-Sprecher.

Trotz der düsteren Gesamtlage gibt es auch vereinzelte Hoffnungsschimmer: 19 von 49 befragten Wirtschaftsverbänden erwarten für 2026 höhere Produktion oder Umsätze. „Ein Ende der Misere ist in Sicht“, sagte Hüther. Eine „leichte Stimmungsaufhellung“ werde erkennbar. Profiteure sind vor allem Branchen, die vom Sondervermögen und steigenden Verteidigungsausgaben profitieren – etwa Luft- und Raumfahrt, Schiffbau oder Teile des Baugewerbes. Auch der Dienstleistungssektor meldet Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr. EY-Experte Brorhilker zeigt sich dennoch nur vorsichtig optimistisch: „Von der deutschen Autoindustrie gab es im Jahr 2025 vor allem schlechte Nachrichten. Aber die strategische Neuausrichtung und starke neue Modelle, auch und gerade im Elektrosegment, bieten durchaus Chancen, dass das Tal der Tränen bald durchschritten sein wird.“ (ls)

Rubriklistenbild: © IMAGO / photothek

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