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Milliardenschwere Aufträge
Das Geschäft mit der Rüstung: Bekannte deutsche Marken und der Handschlag mit der Militärindustrie
Deutsche Marken entdecken das Rüstungsgeschäft. Es locken Milliardenschwere Aufträge. Schöffel, Lufthansa und VW steigen ein.
Schwabmünchen – Die deutsche Rüstungsindustrie erlebt einen beispiellosen Boom – und längst sind es nicht mehr nur traditionelle Waffenhersteller wie Rheinmetalloder ThyssenKrupp, die davon profitieren. Bekannte Marken aus völlig anderen Branchen drängen in den lukrativen Militärmarkt. Und was als Diversifizierungsstrategie in Krisenzeiten begann, könnte langfristig die Geschäftsmodelle ganzer Branchen verändern.
Die Outdoor-Marke Schöffel aus Schwabmünchen hat bereits den Sprung gewagt und beliefert die Bundesmarine mit Einsatzkleidung. „Rechnet man alles zusammen, dann wird es bei diesen Aufträgen um mehrere Milliarden Euro gehen“, berichtet der Bayerische Rundfunk über die geplanten Beschaffungen der Bundeswehr. Die Armee benötigt „Unterwäsche und Schuhe in riesigen Stückzahlen, um Hunderttausende von Socken, Hosen, Hemden und Jacken“, so der BR weiter.
Outdoor-Marken werden zu Rüstungspartnern: Milliardenschwere Aufträge als Rettungsanker
Schöffel bestätigt auf Nachfrage gegenüber IPPEN.MEDIA den Zuschlag für 77.000 Bundeswehr-Hosen, über den das Fachmedium Hartpunkt.de berichtet hatte. „Ja, wir können die Beauftragung bestätigen“, erklärt Nicole Prell, Prokuristin von Schöffel TEC. Das TEC-Geschäft macht bereits „rund fünfzehn Prozent des Umsatzes der Schöffel Gruppe“ aus und „soll in den kommenden Jahren stetig weiter wachsen“, so Prell weiter.
Für Schöffel kommt das Militärgeschäft zur rechten Zeit. Wie Business Insider berichtet, hat das Familienunternehmen „seit drei Jahren keinen Gewinn abgeworfen“. Der neue Vorstandschef Jakob Schöffel – erst 26 Jahre alt – sieht in den staatlichen Aufträgen eine Chance zur Stabilisierung. Laut Business Insider sei sein Ziel, „dass die PRO und TEC schon in fünf Jahren jede für sich soviel Umsatz generiert wie heute die Sportbekleidung“. Die Outdoor-Branche steckt in der Krise, wie Nicole Prell, Chefin der neu gegründeten Sparte Schöffel TEC, gegenüber dem BR erklärte. „Billigangebote von asiatischen Online-Händlern und Kampfpreis-Aktionen bei Discountern bedrohen Markenhersteller wie Schöffel oder Lowa“, so der BR.
Vom Schützen bis zum General: Das sind die Dienstgrade der Bundeswehr
Schöffel TEC erklärt: „Wir sind nicht Teil der Rüstungsindustrie“
Auf die Frage nach der Rechtfertigung des Einstiegs in das Militärgeschäft antwortet Prell gegenüber IPPEN.MEDIA: „Wir sehen uns nicht als Teil der Rüstungsindustrie, sondern als Teil der Verteidigungs- und Sicherheitsausstattung.“ Das Unternehmen stelle „unser Know-how in funktionaler Bekleidung zur Verfügung, um diejenigen bestmöglich auszustatten, die uns im Ernstfall schützen und verteidigen“. Die Abgrenzung zu reinen Rüstungsunternehmen sei klar: „Die großen Rüstungsunternehmen befassen sich in erster Linie mit Waffen, Fahrzeugen oder Waffensystemen. Wir hingegen sind spezialisiert auf funktionelle Bekleidungssysteme“, erklärt Prell.
Schöffel TEC arbeitet nicht nur mit der Bundeswehr zusammen. Wie Prell gegenüber IPPEN.MEDIA erklärt, ist das Unternehmen „bereits seit vielen Jahren Partner verschiedener Behörden, darunter Polizei, Ordnungsämter und Marine in Deutschland, Österreich und der Schweiz“.
Schöffel, VW und Co.: Die Transformation deutscher Marken zu Partnern der Verteidigungsindustrie zeigt, wie sich die geopolitische Lage auf die Wirtschaft auswirkt.
Bundesregierung als Vorreiter der Aufrüstung: Großkonzerne und Mittelstand entdecken Rüstungsgeschäft
Schöffel steht nicht allein da. Denn zahlreiche deutsche Großkonzerne aus verschiedensten Branchen wollen ebenfalls ein Stück vom großen Kuchen „Sondervermögen Bundeswehr“. Die Lufthansa unterstützt die deutsche Kampfjetflotte bei Wartung und Ausbildung, während der Autokonzern Volkswagen gemeinsam mit Rheinmetall militärische Lkw und andere Logistikfahrzeuge produziert. Auch Siemens hilft der Verteidigungsindustrie bei der digitalen Transformation. Aber auch zahlreiche mittelständische Unternehmen, besonders im Maschinenbau, verkaufen ihre Technik vermehrt an die Rüstungsindustrie. Denn kein Wirtschaftszweig erlebt derzeit eine so starke Nachfrage.
Das Militärgeschäft birgt jedoch auch Unwägbarkeiten. Firmen müssen Fixpreise für sieben Jahre akzeptieren. Obwohl sie gar nicht wissen können, wie sich zum Beispiel die Kosten für Energie, Rohstoffe und Löhne entwickeln. Die Bundesregierung treibt diese Entwicklung massiv voran: 24 Milliarden Euro des Sondervermögens 2025 sind für die Bundeswehr vorgesehen. Thomas Meyer von Gore Fabrics erklärt gegenüber dem BR, dass „sowohl aktive Soldaten als auch Reservisten ein komplett neues Bekleidungssystem erhalten sollen: Von der Socke über die Unterwäsche bis hin zu Kampfbekleidung inklusive Nässe- und Kälteschutz“. (ls)