Unternehmen zahlen „Rekordpreise“
Seltene Erden: USA stehen „außen vor“ – China treibt Markt in Unsicherheit
China verursacht Marktunsicherheit bei seltenen Erden. Exportbeschränkungen sind der Auslöser. Die USA spüren die Folgen besonders deutlich.
Peking – Preisexplosion bei kritischen Rohstoffen: Maßnahmen aus China lassen derzeit die Kosten von wichtigen Metallen und Mineralen drastisch steigen. Seien es seltene Erden wie Dysprosium oder das Gebrauchsmetall Aluminium; die Exportrestriktionen zwingen den Markt, tiefer in die Taschen zu greifen. Europa reagiert hektisch und hat kürzlich sowohl mit Kanada als auch mit Indonesien entsprechende Deals abgeschlossen. Allerdings zeigt sich nun auch in China eine leichte Wende.
Seltene Erden und Magnete – Europas Wirtschaft auf dem Weg zur Normalität?
Und zwar scheint es, als würde China die Bremse bei seinen Exportrestriktionen wieder ein Stück weit lockern. Das betrifft mehrere seltene Erden, darunter Dysprosium. Dabei handelt es sich um einen Rohstoff, der für Hightech-Anwendungen (etwa in der Halbleiterindustrie oder in chemischen Prozessen) wichtig ist. Eine besondere Rolle spielt Dysprosium für Neodym-Eisen-Bor-Magnete, die wiederum in Windkraftanlagen und Elektromotoren zum Einsatz kommen. Im August hat China zehn Prozent mehr Seltenerdmagnete ausgeliefert als im Vormonat.
Laut dem Frankfurter Rohstoffhändler TRADIUM belief sich die Exportmenge auf 6.146 Tonnen, von denen mit 1.346 Tonnen der Bärenanteil nach Deutschland floss. TRADIUM geht davon aus, dass sich die Lieferungen langsam wieder normalisieren. „Grundsätzlich war zu erwarten, dass sich die Ausfuhren nach ein paar Monaten wieder zu normalisieren beginnen, da Magnete stark anwendungsspezifisch sind und nur schwer zweckentfremdet eingesetzt werden können“, erklärt Jan Giese, Senior Manager Minor Metals and Rare Earths bei Tradium.
Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede bei den Rohstoffarten, wie stark China seine Restriktionen lockert. Während nämlich Dysprosium ein deutliches Plus im Export verzeichnet (16,7 Tonnen im August), ist bei Terbium ein weiterer Exportverfall sichtbar. Im August ging die Exportmenge auf 5,5 Tonnen zurück. Hier hat China lediglich die Länder Japan, Südkorea und Estland beliefert.
China sperrt USA vom Handel mit seltenen Erden aus – Markt ist aber „stabil“, wenn auch eingeschränkt
Was aber meint Giese mit der Zweckentfremdung? Hier geht es an den Kern der chinesischen Exportstrategie: Das Land hatte selbst erklärt, dass es den Einsatz seiner Rohstoffe in westlicher Militärtechnik verhindern wolle – vor allem nicht in der aus den USA. Seltene Erden, die nicht in Magnetform ausgeliefert werden, sind daher wesentlich strenger reguliert. Beispiele dafür sind Germanium und Gallium, zwei Rohstoffe, die ebenfalls für Hightech benötigt werden. Unter anderem kommen sie in der Glasfaserproduktion, bei der Halbleitertechnik und in Infrarotsystemen zum Einsatz.
Im August hat China wesentlich mehr Germanium ausgeliefert als noch im Juli – das Plus beläuft sich auf mehr als 50 Prozent. Russland und Deutschland waren die größten Abnehmer. Die Zahl der Käuferländer hat sich weiter verringert.
„China liefert Germanium nur an wenige Länder und an dieser Auswahl ändert sich kaum etwas. Russland zählt seit Monaten konstant zu diesen Abnehmern, während andere Staaten wie die USA weiterhin außen vor bleiben. Der Markt zeigt sich in dieser Hinsicht stabil, aber stark eingeschränkt“, sagt Dr. Christian Hell, Senior Manager Germanium and Minor Metals bei TRADIUM.
Beim Gallium gab es dagegen einen weiteren Einbruch: ein Rückgang um 20 Prozent bei den Exporten von Juli auf August. Japan erhielt 5.200 Kilogramm von knapp 7.200, fast den ganzen Rest erhielt Kanada. Für Gallium und Germanium hatte China im Sommer 2023 Exportauflagen eingesetzt, im Winter 2024 kam noch ein Ausfuhrverbot in die USA dazu. Die weltweite Versorgungslage verschiedener seltener Erden und weiterer kritischer Rohstoffe ist seitdem zunehmend erschwert.
China dominiert bei seltenen Erden – und nutzt dies als Waffe
Das grundlegende Problem dahinter ist bekannt: China hat den Weltmarkt für seltene Erden quasi in der Hand. 60 Prozent der Kapazitäten für Produktion stehen unter chinesischer Kontrolle. Bei den Kapazitäten für Weiterverarbeitung und Raffinerie sind es ganze 90 Prozent. Das heißt: Selbst Länder, denen es gelungen ist, eine eigene Produktion aufzubauen, müssen ihre Rohstoffe nach China weiterschicken, damit die seltenen Erden überhaupt nutzbar gemacht werden können.
Diese Marktmacht nutzt China als geopolitische Waffe. Das hatte Japan in den 2010er-Jahren gemerkt, als Peking in Reaktion auf einen Revierszwist die Ausfuhr seltener Erden beschränkte. Heute sind es die USA, die am meisten davon getroffen sind. Weil die USA die Ausfuhr wichtiger Computerteile nach China verboten haben, konterte Chinas Präsident Xi Jinping mit den Ausfuhrverboten, die derzeit den Markt aufrütteln.
Auswirkungen der China-Politik auf Europa – Unternehmen zahlen „Rekordpreise“
Das hat auch Auswirkungen auf Europa. Im Sommer hatten die Autozulieferer Alarm geschlagen und davor gewarnt, dass sie wegen der Mangellage bei seltenen Erden ihre Produktion kürzen müssten. Zuletzt kam auch von der europäischen Handelskammer in China eine Warnung. Wegen der Exportkontrollen auf seltene Erden erwartet sie Produktionsausfälle bei ihren Mitgliedsfirmen.
Diese Entwicklung soll sich zwischen September und Dezember hinziehen. Der Grund dafür sind langfristige Antragsverfahren, mit denen die Unternehmen zu kämpfen haben. Chinas Exportrestriktionen bedeuten nämlich nicht einfach ein Verbot für den Export – vielmehr müssen die Firmen sich regelrecht auf den Ankauf bewerben und teils sensible Informationen mit China teilen, ehe die Regierung das Go für die Ausfuhr erteilt.
In der Folge zahlen Käufer derzeit auf dem Spotmarkt „Rekordpreise“ für Produkte wie Dysprosium, Terbium und Yttrium, hatte die Rohstoffexpertin Ellie Saklatvala von der Preisberichtsagentur Argus Media dazu gesagt. Europa konnte allerdings zuletzt Fortschritte dabei erzielen, sich Exportlizenzen für Hochleistungsmagnete aus seltenen Erden zu sichern.
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