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Rohstoffkrise

Kampf um Seltene Erden: Japan zeigt Weg aus der China-Abhängigkeit

Japan geriet früh in Chinas Rohstoff-Falle. Daraufhin hat das Land Schritte unternommen, um die Abhängigkeit zu verringern. Und hat teilweise Erfolg.

Tokio – China hält den Westen mit verschiedenen Restriktionen auf wichtige Rohstoffe auf Trab. Unter anderem geht es dabei um seltene Erden, die für viele Zukunftstechnologien (etwa Elektroautos) unabdingbar sind. Aktuell bestehen dabei noch enorme Abhängigkeiten, aus denen sich Europa zu lösen versucht. Ein Land in Asien kennt jedoch den chinesischen Modus Operandi – und hat früh reagiert.

Japans Problem mit seltenen Erden – so will sich das Land von China lösen

Im Gegensatz zu anderen westlich eingestellten Industrieländern hat Japan seine ersten Erfahrungen darin, wie China seine Dominanz bei seltenen Erden ausnutzt, schon 2010 gemacht. Damals ging es um einen Abschnitt der Ost-Chinesischen See, der zwar von Japan verwaltet wird, aber um den es seit Jahren Dispute gibt. China hätte diesen Abschnitt des Meeres offenbar selbst gern. Um Japan zu Konzessionen zu zwingen, stellte Peking die Lieferung von seltenen Erden kurzerhand ein. Die Maßnahme hielt nur kurzzeitig vor, aber das reichte Japan, um Konsequenzen zu ziehen.

Premierminister Shigeru Ishiba in Taiwa, Japan (Symbolfoto). Japan geriet früh in Chinas Rohstoff-Falle. Daraufhin hat das Land versucht, die Abhängigkeit zu verringern. Und hat teilweise Erfolg.

Damals hatte Japan noch rund 90 Prozent seiner eingeführten seltenen Erden aus China bezogen. „Japan hat eine konzertierte Antwort gestartet, angeführt vom Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI)“, zitierte das Nachrichtenportal Bloomberg Chris Kennedy von Bloomberg Economics. Dabei sei Japan einem Plan aus vier Schritten gefolgt: „Quellen diversifizieren, Recyceln, Intensität reduzieren und Ersatzstoffe finden“.

Japans Problem dabei: Das Land besitzt selbst wenig bis keine seltenen Erden, weswegen es mit Partnern von Übersee zusammenarbeiten musste. Unter anderem begann das Land ein Joint Venture mit Australien, von wo aus jede Menge seltene Erden kommen. Speziell geht es um Lynas Rare Earths Ltd, einem Unternehmen aus Perth. Kennedy zufolge habe Japan seinen gesamten Staatsapparat genutzt und eng mit der Industrie zusammengearbeitet. Ein Ergebnis: Japan konnte seine Abhängigkeit bei den seltenen Erden von China auf 60 Prozent senken. Bis Jahresende 2025 sind 50 Prozent angepeilt.

„Es kommen nicht viele seltene Erden“ – Japans Probleme bei Rohstoff-Krise

Allerdings hat Japan noch ein zweites Problem. Einfach seltene Erden woanders einzukaufen, reicht nämlich nicht aus. Sie müssen auch verarbeitet werden, ehe sie zum Beispiel in wichtigen Magneten enden. Bei der Verarbeitung kontrolliert China sogar noch mehr der Kapazitäten als es bei der Produktion der Fall ist.

„Es kommen nicht viele seltene Erden von Lynas, und die, die es tun, müssen sogar zur Verarbeitung nach China geschickt werden“, erklärte Nils Backeberg, Gründer der Beratungsgesellschaft Project Blue, gegenüber dem US-Nachrichtensender CNBC. Japan hätte noch einen langen Weg vor sich, ehe es die Abhängigkeit zu China ganz abbauen könne. Hier gab Lynas jedoch an, Fortschritte gemacht zu haben.

Im Juni schrieb das Unternehmen in einer Unternehmensmeldung, erstmals einen erfolgreichen Trennungsprozess bei Terbium vorgenommen zu haben. Einen Monat zuvor sei dasselbe bei Dysprosiumoxid gelungen. Beide Rohstoffe sind in erheblichem Maße für die Automobilindustrie notwendig.

EU-Reaktion auf Chinas Monopol – seltene Erden aus eigener Herstellung

Europa und die USA stehen heute vor demselben Problem wie Japan vor 15 Jahren. Eine Reaktion des Westens war zunächst ausgeblieben, auch wenn längst klar war, wie China sich bei den seltenen Erden positioniert hatte und dass Peking keine Skrupel hat, das Monopol auszunutzen. Bei der Produktion kontrolliert es 60 Prozent der globalen Kapazitäten. Bei der Weiterverarbeitung die bereits erwähnten 90 Prozent. Um die seltenen Erden aus den Metallen zu lösen, in denen sie vorkommen, sind chemische Prozesse notwendig – die erstens schwer umweltschädlich sind und zweitens Expertise verlangen, die der Westen nur bedingt hat.

Allerdings hat die Europäische Union bereits begonnen, immerhin ein Rahmenwerk zu schaffen, um diese Abhängigkeit zu verringern. Der sogenannte Critical Raw Materials Act soll beim Aufbau von sicheren und nachhaltigen Lieferketten helfen. Unter anderem legt er fest, dass bis 2030 bestimmte Anteile vom Recycling und dem Zukauf rein europäisch sein müssen. Außerdem regelt er, wie viele Rohstoffe aus einem einzelnen Drittland stammen dürfen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Kyodo News

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