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Wandel am Kapitalmarkt

Rüstungsindustrie Europas floriert: Tschechischer Konzern gewinnt Investoren

Die europäische Rüstungsindustrie zieht immer mehr Kapital an. Der grundlegende Wandel in Wirtschaft und Finanzwelt wird besonders am Beispiel des tschechischen Unternehmens CSG erkennbar.

Prag – Die Bedrohungslage in Europa hat sich verschärft. Steigende Ausgaben in Verteidigung und Militär sollen die Sicherheit der europäischen Gemeinschaft gewährleisten, heißt es seitens der Politik. Weltweit riechen auch Investoren den Braten am Kapitalmarkt und verlagern ihre Aufmerksamkeit zunehmend in den europäischen Raum. Dies zeigt der rasante Aufstieg des tschechoslowakischen Rüstungskonzerns Czechoslovak Group (CSG). Investitionen in Rüstung und Militär erfreuen sich steigender Beliebtheit – und backen neue europäische Milliardäre.

Europäische Verteidigung im Aufschwung: Rüstungsindustrie erlebt Imagewandel

Wie die Financial Times berichtet, haben sich Renditen für fünfjährige Dollar- und Euro-Anleihen des Unternehmens im Wert von bis zu 1,8 Milliarden Euro in der vergangenen Woche auf 6,75 oder 5,5 Prozent verringert. Die Zinskosten für Anleihen halbierten sich demnach fast. Im November noch wurden Anleihe über 755 Millionen Dollar mit elf Prozent verzinst. CSG erhöhte das Transaktionsvolumen seiner Anleihen aufgrund hoher Nachfrage von 350 Millionen auf eine Milliarde Euro. 

Niedrige Zinsen deuten auf eine hohe Bonität des Unternehmens hin. Finanzexperten sehen darin ein deutliches Zeichen für den jüngsten Aufschwung der europäischen Rüstungsindustrie. Zuvor hätten Investoren einen Bogen um den Sektor wegen Umwelt-, Sozial- und Governance-Grundsätzen – kurz ESG – gemacht. Kapitalflüsse in die Rüstungsindustrie wurden daher aus Angst vor der öffentlichen Wahrnehmung seitens Banken und privaten Investoren gemieden.

Nach jahrzehntelanger Abrüstung: Europa steigt auf Rüstungsmarkt auf

Mit Ende des Zweiten Weltkrieg herrschte in Europa ein Zeitalter der Abrüstung. Ziel war es vor allem Spannung zwischen Atommächten zu reduzieren. Auch nach Ende des Kalten Krieges wurden Rüstungskontrollmaßnahmen zur Eingrenzung der Verbreitung von Raketentechnologien und Atomwaffen eingeführt. Der Überfall auf die Ukraine verschärfte die geopolitische Lage aber wieder. Trotz noch immer tief sitzenden Kriegswunden vollzieht sich ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Umdenken innerhalb Europas – was jetzt auch an den Kapitalflüssen abzulesen ist.

Vor der russischen Invasion der Ukraine ist der Verteidigungssektor Europas im Vergleich zu Ländern drastisch unterfinanziert worden. Die USA hingegen haben im Zuge des Krieges in Korea und Vietnam, aber besonders infolge des erklärten Kriegs gegen den Terror kontinuierlich in ihren Rüstungssektor investiert und die Nachfrage hoch gehalten. Zwischen 2020 und 2024 waren die Staaten mit 43 Prozent am weltweiten Anteil der Waffenexporte Top-Lieferant der Branche, wie eine SIPRI-Analyse zeigt. Frankreich, Russland und China reihen sich demnach nach den Vereinigten Staaten ein und hängen den Rest Europas ab.

Die Czechoslovak Group (CSG) wird auf dem internationalen Rüstungsmarkt zunehmend mehr nachgefragt.

Europas Rüstungsindustrie richtet sich neu aus

Die Gründe dafür sind aus Sicht von Experten vielseitig: Zunächst seien Investitionen im internationalen Vergleich weiterhin gering. Während der Europäische Verteidigungsfonds ein Budget von acht Milliarden für 2021 bis 2027 bereitstellt, sind die jährlichen US-Ausgaben viermal so hoch. Zum anderen gebe es keine einheitliche EU-Verteidigungsindustrie, da die EU-Länder über lange Zeit zersplittert produziert haben. Die Budgets werden weniger für internationale Kooperationen genutzt, sondern vielmehr in die heimische Produktion gesteckt. Aber auch hier haben Top-Konzerne wie Rheinmetall oder Airbus ein Umdenken eingeleitet und ihre Strategie neu ausgerichtet.

Mit Änderung der Bedrohungslage infolge des Ukraine-Kriegs und den wachsenden geopolitischen Spannungen haben europäische Länder ihre Verteidigungsausgaben deutlich erhöht. Zwischen 2021 und 2024 stiegen diese um mehr als 30 Prozent auf 326 Milliarden Euro. Auch durch Druck von US-Präsident Donald Trump sind NATO-Mitgliedsstaaten zu höheren Ausgaben gezwungen. Die Politik des Republikaners trägt aber auf der anderen Seite dazu bei, dass sich globale Partnerschaften im Rüstungssektor neu ausrichten.

Wachsender Sektor: Investoren zeigen keine Scheu vor Anlagen in Rüstungsindustrie

Zudem vollzieht sich ein Paradigmenwechsel innerhalb der Gesellschaft über die Wahrnehmung der Rüstungsindustrie. Investoren schrecken aktuell nicht mehr davor zurück, in Verteidigung und Rüstungen zu investieren. „Durch den Krieg in der Ukraine sehen die Menschen nun, dass dieser Sektor wirklich wichtig für das Wohlergehen und die Sicherheit der Gesellschaft ist“, zitiert die Financial Times den Investor für Hochzinsanleihen. Es sei jetzt einfacher, den Besitz eines solchen Titels zu rechtfertigen. „Und ich kann mir kaum einen Sektor vorstellen, der in Bezug auf die Wachstumsaussichten überzeugender ist als die europäische Verteidigung“, ergänzte der Anleger.

CSG gilt als einer der größten Mutinitionshersteller Europas und erzielt über 40 Prozent der Einnahmen über Lieferungen von T-72-Panzer sowie Munition, Haubitzen, Artilleriemunition und anderer Ausrüstung an die Ukraine. 2024 vervierfachte sich alleine der Umsatz der Ukraine auf 1,7 Milliarden Euro. Innerhalb der EU steigerte sich der Umsatz um 90 Prozent auf eine Milliarde Euro. Im vergangenen Jahr kündigte das Unternehmen an, mit der Gründung von Joint Ventures Hunderte von Millionen Euro in der Ukraine zu investieren, um die Verteidigungskapazitäten des Landes zu stärken.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Chris Emil Janssen

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