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Entkopplung von den USA

„Solange es nicht amerikanisch ist“ – Japans Rüstungsindustrie löst sich von USA

Die Trump-Regierung schafft international Unbehagen und Misstrauen. Auch bei Sicherheitsbelangen zeichnet sich ein Wandel weg von den USA ab.

Makuhari – Die USA und Japan verbindet eine ereignisreiche Geschichte. Obwohl die beiden starken Volkswirtschaften seit Ende des Zweiten Weltkrieges als unzertrennlich galten, steht ihnen unter der Führung von Donald Trump nun eine ernsthafte Krise bevor. Wie die Financial Times schreibt, will Japan sich nach neuen Partnern für seine Rüstungsimporte umschauen. Die Skepsis darüber, ob die USA ein verlässlicher Lieferant sei, wächst. Experten sind der Ansicht, dass die Wahrnehmung der Trump-Regierung ein Gefühl der Vorsicht hervorgerufen habe.

Anti-US-Trend in der Waffenindustrie: Entkopplung von den USA

In diesem Monat trafen sich Vertreter der japanischen Verteidigungsindustrie in Makuhari in der Nähe von Tokyo. Teilnehmer der dreitägigen Veranstaltung mit dem Namen „Defence and Security Equipment International“ (DSEI) berichteten, dass Japan sich offener für Geschäfte mit nicht-amerikanischen Auftragnehmern zeigt. „Japan steht den Angeboten des Vereinigten Königreichs, Europas und weiterer internationaler Verbündeter viel aufgeschlossener gegenüber als dem bisher eher US-zentrierten Ansatz“, so James de St John-Pryce, Geschäftsführer des britischen Panzerfahrzeugherstellers NMS UK.

Der Trend bewege sich hin zur Entkopplung von den USA. „Es gibt eine Verschiebung in Japan“, sagte ein Vertreter eines britischen Rüstungsunternehmens. Zunehmend wird seitens der europäischen Rüstungsindustrie beobachtet, dass Japan seine Rüstungslieferanten außerhalb der USA sucht. Der japanische Rüstungssektor ist weltweit der sechstgrößte Importeur von Militärgütern. Laut Angaben von Germany Trade & Invest wickelte das Land bisher 95 Prozent seines Waffenhandels mit den USA ab.

Internationale Sicherheit: Europa und Japan reduzieren Abhängigkeit von den USA

Auf der Internationalen Rüstungsmesse DSEI hat sich der Wandel in der Waffenindustrie durch die gestiegene Teilnehmerzahl von Unternehmen und Organisationen aus Europa abgezeichnet. Es sollen erstmalig insgesamt ein Viertel der 470 Teilnehmer aus Europa gekommen sein. „Insbesondere die europäischen Länder beginnen, Sicherheit zu suchen, die nicht von den Vereinigten Staaten abhängt, und sie werden sich im Waffenhandel wahrscheinlich von den USA abwenden“, hieß es von einer anonymen Quelle, die das japanische Blatt The Asahi Shimbun zitiert.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth (l.) und der japanische Premierminister Shigeru Ishiba im Büro des Premierministers in Tokio.

Experten aus Japan nehmen den Anti-US-Trend auch auf europäischer Seite wahr. „Die USA und Europa haben die Rüstungsindustrie seit den 1990er Jahren umstrukturiert und aufgeteilt, aber die internationale Arbeitsteilung wird leicht von den Trends anderer Länder beeinflusst“, so Heigo Sato, Professor für Sicherheitsstudien an der Takushoku-Universität. „Wenn etwas passiert, könnte der Schaden groß sein. Europa versucht, die Risiken der Abhängigkeit von den USA abzuschätzen“, erklärte Sato vor dem Hintergrund der DSEI-Messe weiter.

Wie japanische Medien schreiben, kündigte Japans Verteidigungsminister Gen Nakatani im April an, die Rüstungsausgaben im Jahr 2025 auf 1,8 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) zu erhöhen. Für 2027 plane man sogar eine Erhöhung auf zwei Prozent. „In der Vergangenheit wurde die Branche von den USA dominiert“, sagte Lars Eriksson, ein Vertreter des schwedischen Rüstungsunternehmens Saab der Financial Times. Seit kurzem könnten auch andere Länder einen größeren Teil des Kuchens abhaben, wie ihn das US-Blatt zitiert. 

Geopolitische Spannungen und Druck aus den USA: Japan erwägt Besitz von Atomwaffen

Japan hatte 1946 in einem Artikel seiner „Friedensverfassung“ eigentlich kriegerische Aktivitäten sowie den Unterhalt von Streitkräften verboten. Seit den 1960er Jahren lagen die Verteidigungsausgaben des Landes bei etwa einem Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Doch angesichts der zunehmenden internationalen Bedrohungslage auch im asiatischen Raum richtet sich der ostasiatische Staat neu aus. Nicht nur die Aufrüstung Chinas, Südkoreas oder die Atombedrohung durch Nordkorea zwingt Japan zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben. 

Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump an die Nato-Mitgliedstaaten, künftig fünf Prozent des BIP für die Verteidigung aufzuwenden, tragen ebenso zum Wandel auf dem globalen Rüstungsmarkt bei. Denn Trump drohte bei Nichteinhaltung auch damit, den US-amerikanischen Schutz für die Verbündeten zu pausieren. Die jüngsten Aussagen des US-Präsidenten haben asiatischen Medienberichten zufolge auch dazu geführt, dass Japan in Erwägung zieht, wieder eigene Atomwaffen zu besitzen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/POOL

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