Kritik reißt nicht ab
„Rente mit 63“ untragbar – Brisante Äußerung von Palmer zu GroKo-Vorhaben
Wieder einmal entbrennen Debatten um die „Rente mit 63“. Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, äußert sich im Fernsehen.
Berlin – Das deutsche Rentensystem wankt: Es gibt immer weniger Beitragszahler und die Sorge über Finanzierung der Rente wächst. Die Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag auf zahlreiche Pläne bei der Rente geeinigt. Ein Punkt gilt schon länger als umstritten: die Rente mit 63. Auch unter der neuen GroKo-Regierung soll eine Rente für besonders langjährig Versicherte möglich sein. Das ist dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ein Dorn im Auge.
Palmer äußert sich zur „Rente mit 63“ – Kritik an GroKo-Plänen
„Wir können uns, obwohl der Koalitionsvertrag es leider nicht korrigieren will, einfach nicht mehr leisten, Prämien zu zahlen, damit 63-Jährige früher in Rente gehen. Und das voll aus dem Bundeshaushalt finanziert.“, sagte Palmer in der TV-Sendung “Markus Lanz“ am Dienstag (22. April 2025).
„Wir haben Fachkräftemangel, Gott sei Dank immer längere Lebenszeit, wir haben die Boomer, die in Rente gehen. Und diese Koalition bringt es nicht fertig, diese Wohltat zu streichen.“ Es werde nicht mehr möglich sein, „die höchsten Sozialleistungen weltweit mit den niedrigsten Arbeitszeiten und den längsten Urlaubsansprüchen zu kombinieren“, kritisierte Palmer.
Was Union und SPD für die „Rente mit 63“ planen
Um Palmers Aussage einzuordnen: Es können nur die Geburtsjahrgänge bis 1952 mit 63 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen. Für spätere Jahrgänge wird das Eintrittsalter schrittweise bis auf 65 Jahre angehoben. Für alle ab 1964 Geborenen müsste es also richtigerweise „Rente ab 65“ heißen.
Die Möglichkeit des vorzeitigen Renteneintritts ist auch den Wirtschaftsweisen schon lange ein Dorn im Auge. In den vergangenen Monaten und Jahren wurden Forderungen nach einer Abschaffung der Frührente ohne Abschlag („Rente mit 63“) sowie eine Anhebung der Abschläge lauter, um den vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand unattraktiver zu machen.
Union und SPD wollen eine Rente mit 63 auch weiterhin ermöglichen. Aus dem Papier der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales ging im Vorfeld hervor, dass Unionschef und Kanzler in spe Friedrich Merz die Rente mit 63 auf den Prüfstand stellen will. In dem Papier hatte die Union eine Anhebung der Frührente mit 63 auf 65 Jahre gefordert.
Was die „Rente mit 63“ bedeutet – und wer ohne Abschläge in Frührente gehen darf
Hinter der Rente mit 63 verbirgt sich die Rente für besonders langjährig Versicherte. Mit der Rente für besonders langjährig Versicherte können Beschäftigte vor Ihrem regulären Renteneintrittsalter abschlagsfrei in den Ruhestand wechseln, wenn sie mindestens 45 Jahre lang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt haben.
Nach 35 Jahren dürfen Versicherte mit Abschlag früher in Rente gehen. Das geht ab dem 63. Lebensjahr. Pro Monat, den man vor dem regulären Eintrittsalter in den Ruhestand geht, müssen Rentner mit 0,3 Prozent weniger Rente auskommen. Diese Versicherten gelten als „langjährig versichert“.
Kritik an Plänen für die Rente – nicht nur „Rente mit 63“ im Visier
Nicht nur Pläne zur Rente mit 63 sind in der Kritik. Auch Vorhaben zur Mütterrente und die Stabilisierung des Rentenniveaus sind aus Sicht von Experten kritisch, weil sie sehr teuer sind und den Staat Milliarden kosten könnten. Kritiker befürchten, dass die neue Regierung langfristig nicht um eine Erhöhung der Rentenbeiträge herumkommen wird. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands BDA, Steffen Kampeter, rechnet mit einem Anstieg auf 20 Prozent in dieser Legislaturperiode.
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