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Antriebstechnik

Preis-Leistung und Umwelt: E-Autos besser als Verbrenner? Wann das der Fall ist

Eine aktuelle Studie widerlegt gängige Vorurteile über Elektroautos. Mehrere Annahmen scheitern bei genauer wissenschaftlicher Betrachtung – doch nicht alle.

Karlsruhe/München – Kaum ein technisches Thema sorgt im Alltag für so hitzige Diskussionen wie das Elektroauto. Zwischen Euphorie und Abwehrhaltung stehen viele Autokäufer ratlos da – sind Stromer wirklich die bessere Wahl? Oder nur ein teures Versprechen mit grünem Etikett?

Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI liefert nun fundierte Antworten – und das mit einer deutlichen Sprache: Elektroautos schneiden sowohl beim Klimaschutz als auch wirtschaftlich meistens besser ab als Modelle mit Verbrennermotor. Allerdings gibt es nach wie vor Probleme, die noch nicht gelöst sind.

Elektroauto oder Verbrenner? Zwischen Mythos und Realität im Jahr 2025

Über 70 wissenschaftliche Studien wurden für den Bericht ausgewertet, um eine fundierte Aussage über das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Umweltwirkung von E-Autos zu treffen. Studienautor Martin Wietschel schildert, dass gerade in Deutschland die Skepsis gegenüber Stromern ‚relativ hoch‘ sei. Technologisch wurden in den vergangenen Jahren jedoch große Fortschritte gemacht, so der Forscher: „Gerade bei den Batterien hat sich viel getan – das stärkt die Position des Elektroautos.“

Tatsächlich liege der CO₂-Ausstoß eines heute in Deutschland gekauften Mittelklasse-Elektroautos über den gesamten Lebenszyklus hinweg um etwa 40 bis 50 Prozent unter dem eines vergleichbaren Verbrenners – trotz der energieintensiveren Herstellung. Und: Mit steigendem Anteil erneuerbarer Energien im Strommix wird dieser Vorteil künftig noch größer.

Umweltbilanz von Elektroautos nicht perfekt – Rohstoffe als Herausforderung

Natürlich ist das E-Auto kein Allheilmittel: Wer einen tonnenschweren SUV mit riesiger Batterie fast nie fährt und dabei nur Strom aus dem aktuellen deutschen Mix nutzt, verbessert die Klimabilanz kaum. Doch im Regelfall – und vor allem bei Nutzung von Solarstrom oder gesteuertem Laden – ergibt sich laut der ISI-Studie ein Plus für die Umwelt.

Es gibt keinen Zweifel: Elektroautos sind in den vergangenen Jahren effizienter geworden und die Batterien leistungsfähiger.

Ein Nachteil von Elektroautos bleibt etwas überraschend beim Feinstaub: Durch das in der Regel höhere Gewicht aufgrund der Antriebstechnik verursachen Stromer mehr Reifenabrieb, was in Zukunft durch neue Reifentechnologien abgefedert werden soll. Zum Thema Reichweite erklärt die Studie, dass die meisten Menschen mit rund 400 Kilometer auskommen: „Mit zunehmender Reichweite nehmen sowohl Kosten als auch ökologische Folgen zu."

Auf ein weiteres Problem bei E-Mobilität weisen jedoch auch die Studienmacher hin: „Bei anderen Umweltthemen wie der Nutzung kritischer Rohstoffe bestehen noch Herausforderungen.“

E-Autos haben keine größere Feuergefahr als Verbrenner – aber die Kosten

Die Forscher nehmen Stellung zu einem weiteren Vorurteil: Brände bei Elektroautos sind nicht häufiger als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. „Vergleicht man die Häufigkeit von Bränden von Elektro-Pkw mit denen von konventionellen Pkw, ist nach heutigem Stand nicht von einer höheren Brandgefahr auszugehen“, heißt es in der Studie. Der Gesamtverband der Versicherer (GDV) bestätigt das – weist aber auch auf einen anderen Punkt hin: E-Auto-Brände sind oft aufwendiger zu löschen.

Brände bei elektrischen Fahrzeugen erfordern spezifische Anforderungen an die Feuerwehr, wofür Schulungen und „spezifische Brandbekämpfungsstrategien“ nötig sind. Die Löschmethoden bei E-Autos sind daher auch aufwändiger und zuweilen deutlich kostenintensiver. Das wiederum stellt auch die Kfz-Versicherungen vor ein Dilemma, schildert uns der Experte eines großen Versicherers. Reparaturkosten generell sind bei E-Autos im Schnitt etwa 25 Prozent höher als bei Verbrennern, führt der GDV aus.

Wirtschaftlichkeit von Elektroautos: Teuer war gestern?

Bleibt noch das Argument der höheren Kosten. Tatsächlich sind E-Autos beim Kauf meist teurer – doch bei den laufenden Ausgaben punkten sie gegenüber Verbrennern, so die These des „Policy Brief“ der Karlsruher Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen:

Von Audi bis Jaguar: Diese Autos wurden 2024 bereits eingestellt

Renault Megane in Blau
Renault Mégane: Seit knapp 30 Jahren bauen die Franzosen den Kompaktwagen. Er ist damit ein absoluter Dauerbrenner. Doch für den Verbrenner ist nun Schluss! Die elektrische Version mit dem Namenszusatz E-Tech darf jedoch weiterleben. © Renault
Ein Renault Zoe.
Renault Zoe: Obwohl der Kleinwagen rein elektrisch unterwegs ist, sind seine Tage nach knapp zehn Jahren gezählt. Damals war der Zoe eines der ersten elektrischen Massenmodelle. In seine Fußstapfen tritt Ende des Jahres der 5. Damit verabschiedet Renault ein Modell und holt den Namen eines anderen sehr erfolgreichen Pkw wieder zurück. © Renault
Kia e-Soul.
Kia e-Soul: Und auch ein weiterer Wegbereiter der Elektromobilität verschwindet vom deutschen Markt. Und auch hier füllt ein anderes Modell die Lücke. Der Kia EV3 soll den e-Soul beerben. Die Gründe liegen auf der Hand: Der EV3 ist günstiger und bietet mehr Leistung als der e-Soul. Mit der veralteten Technologie und dem unkonventionellen Design war der e-Soul in Deutschland nie besonders beliebt. 2023 wurden lediglich 556 Einheiten in Deutschland verkauft. © Kia
Smart ForTwo EQ.
Smart ForTwo EQ: Der Abschied des Kleinstwagen kommt alles andere als unvorbereitet. Er ist die Folge der Neuausrichtung der Marke an sich. Nach 25 Jahren ist seit Ende März endgültig Schluss. Ein neuer Zweisitzer ist aber in Planung und könnte 2026 auf den Markt kommen. © Mercedes-Benz
Mitsubishi Space Star.
Mitsubishi Space Star: Mit dem Japaner stirbt ein weiterer Kleinwagen den Modelltod. Mitsubishi begründet das Aus des Space Star mit steigenden Anforderungen an Assistenzsysteme und Cybersicherheit. © Mitsubishi
Volvo S60
Volvo S60: Ein kompletter Abschied ist das eigentlich nicht. Denn der S60 soll ab 2025 in China und der Türkei weiter angeboten und gebaut werden. In Deutschland ist er dann jedoch nicht mehr erhältlich. Der Kombi V60 hingegen vermutlich schon. © Volvo
Ein Peugeot 508 Hybrid lädt an einer Wallbox
Peugeot 508: Und auch bei den Franzosen muss ein Mittelklassemodell gehen. Mit dem 508 trat Peugeot gegen den VW Passat und den Audi A4 an. Anfang 2023 spendierte man dem 508 noch einmal ein Facelift. Hier erwischt es neben der Limousine aber auch den Kombi. Diese gibt es schon jetzt nur noch als Plug-in-Hybride. Ende des Jahres ist dann Schluss. © Peugeot
Maserati Levante
Maserati Levante: Im Jahr 2016 war der Levante der erste SUV der Nobelmarke aus Italien. Sieben Jahre später heißt es frei nach Andrea Bocelli: Time to say Goodbye. Die Produktion lief bereits im März aus. Einen Nachfolger soll es ab 2027 geben. Natürlich rein elektrisch! © Maserati
Ein Jaguar F-Type.
Jaguar F-Type: Mit einem finalen Sondermodell schicken die Briten den Sportwagen in seinen wohlverdienten Ruhestand. Das letzte Exemplar wird im Markenmuseum ausgestellt. Doch auch andere Modellreihen werden nur noch abverkauft. Jaguar stellt nämlich konsequent auf Elektro um und verkauft vorerst keine Neuwagen mehr. © Jaguar
Audi R8
Audi R8: Sportwagen kann man auch in Ingolstadt. Das hat Audi mehrfach beweisen und mit dem R8 im GT-Bereich zahlreiche Rennen und Titel gewonnen. Und auch auf der normalen Straße war der Sportwagen eine Ikone. Im März 2024 verließen die letzten Exemplare die Manufaktur Böllinger Höfe in Heilbronn. Insgesamt wurde der R8 seit 2006 45.949 Mal gebaut.  © Audi

Elektroautos hätten geringere Wartungskosten, profitieren von günstigerem Strom statt teurem Kraftstoff und erreichen bei den meisten Nutzungsprofilen etwa nach drei Jahren den wirtschaftlichen Vorteil. Mit dem ersten Punkt hat auch eine Erkenntnis des GDV zu tun: Reparaturkosten sind bei E-Autos im Schnitt etwa 25 Prozent höher als bei Verbrennern, heißt es in einer Mitteilung. Wie es um den Vergleich mit Verbrennern tatsächlich bestellt ist, darüber klärte kürzlich die Prüforganisation Dekra auf.

Bidirektionales Laden als Schlüssel für E-Mobilität der Zukunft

„Die derzeit noch höheren Anschaffungskosten werden durch die geringeren laufenden Kosten ausgeglichen“, heißt es in der ISI-Studie. Besonders interessant: Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann, spart besonders – auch durch sogenannte Smart Meter, die günstige Ladezeiten erkennen. „Selbst wenn man die Batterie nur halb vollmacht, sind schnell 10 Euro gespart“, erklärt Wietschel.

Ein weiterer Zukunftsbaustein ist das bidirektionale Laden – also Strom vom Auto zurück ins Haus oder Netz speisen. Laut ISI-Experten kann das zur Netzstabilisierung beitragen und bares Geld sparen. Und anders als oft befürchtet, leide darunter die Batterie kaum: „Spätestens in ein paar Jahren werden wir wahrscheinlich ohnehin den Punkt erreichen, bei dem die Batterie deutlich länger hält als der Rest des Autos“, sagt Wietschel. (PF)

Rubriklistenbild: © Joerg Boethling/Imago

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