Exklusive Auswertung
Millionen Deutsche mussten im letzten Winter frieren – Umfrage zeigt klaren Grund auf
Ein kalter Winter liegt hinter Deutschland. Viele Haushalte haben gefroren. Dafür sind verschiedene Entwicklungen um Gas verantwortlich.
Heidelberg – Im vergangenen Winter waren Deutsche beim Heizverhalten deutlich sparsamer als sonst. Rund 1,8 Millionen hätten so sehr gespart, dass sie regelmäßig gefroren haben. Das förderte eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Verivox zutage. Vor allem habe das Haushalte mit Gasheizungen betroffen.
Fast zwei Millionen Deutsche froren im Winter – viele drehten die Heizung wegen hoher Gaspreise herunter
Konkret sieht das so aus: Etwa 19 Prozent der Befragten gaben gegenüber Verivox an, im Winter 2024/2025 die Heizung „deutlich“ heruntergedreht und ihre Wohlfühltemperatur „spürbar“ gesenkt zu haben. Umgerechnet entspreche das etwa 13 Millionen Erwachsenen, teilte Verivox gegenüber IPPEN.MEDIA mit. Weitere drei Prozent (1,8 Millionen Erwachsene) hatten angegeben, dass dieses Heizverhalten ihre Wohnung häufig zu kalt gelassen habe, sodass sie frieren mussten.
„Der vergangene Winter war deutlich kälter als der vorige. Zusätzlich verteuert wurde das Heizen mit Gas durch die Rückkehr zum vollen Mehrwertsteuersatz auf Erdgas im April 2024 sowie durch einen höheren CO₂-Preis und steigende Gasnetzentgelte“, erklärte Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.
Billigeres Gas nach Anbieterwechsel – Haushalte können viel Geld sparen
Für gewöhnlich müssten Mieter den abgeschlossenen Gastarif des Vermieters akzeptieren. Allerdings gibt es unter Umständen die Möglichkeit, die Heizkosten durch den Wechsel in einen günstigeren Gastarif zu senken. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Mieter einen eigenen Gaszähler haben. Laut Verivox kostet eine Kilowattstunde Gas im teuren Grundversorgungstarif des örtlichen Versorgers aktuell 14 Cent pro Kilowattstunde (bundesweiter Durchschnitt). Der günstigste verfügbare Gastarif mit Preisgarantie komme dagegen auf zehn Cent pro Kilowattstunde.
Wer ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Gas beheizt, könne pro Jahr 800 Euro sparen, wenn er denn wechselt. Experten raten Deutschen immer wieder dazu, regelmäßig ihre Verträge (neben Gas auch Strom oder gar Versicherungen) zu prüfen, um womöglich einen günstigeren Vertrag zu ergattern. Wichtig dabei: Die Leistungen können sich unterscheiden, weswegen eine genaue Prüfung notwendig ist, ehe ein Wechsel erfolgt.
Fast 80 Prozent Preissteigerung – Gas wird durch Ukraine-Krieg teuer
Auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ist ein wichtiger Faktor für die Gaspreise. Seitdem die EU-Staaten wegen des Ukraine-Kriegs auf russisches Gas verzichten, gelangt Deutschland bei Weitem nicht mehr so billig an sein Gas wie noch vor fünf Jahren.
Am 31. März hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass private Haushalte im zweiten Halbjahr 2024 im Schnitt 12,28 Cent pro Kilowattstunde Erdgas gezahlt haben – ein Plus von 3,5 Prozent, verglichen mit dem ersten Halbjahr 2024. Und verglichen mit dem zweiten Halbjahr 2021, dem letzten Zeitraum vor dem russischen Angriff auf die Ukraine, steht sogar ein Plus von 79,8 Prozent auf dem Papier.
Speicherfüllstände noch im Rahmen – kalter Winter treibt Preise beim Gas
Trotz aller Sparmaßnahmen hatten die deutschen Haushalte im Winter 2024/2025 wesentlich mehr Gas verbraucht als ein Jahr zuvor. Das zeigen Daten der Bundesnetzagentur. Die Speicherstände der Gasspeicher waren schon ab Anfang Oktober niedriger als im Vorjahr. Zwischen Mitte Januar und Mitte März sanken sie um ein drastisches Maß stärker und reichten Ende März fast an das aufgezeichnete Minimum der Speicherstände zwischen 2018 und 2021 heran.
„Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil“, gibt die Bundesnetzagentur Entwarnung. Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet. Trotzdem bleibe ein sparsamer Gasverbrauch wichtig.
Rubriklistenbild: © IMAGO / Wolfilser
