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„Verödung“: Karte zeigt bitteres Problem bei deutschen Immobilien

Vor mehr als zehn Jahren haben engagierte Bürger den „Leerstandsmelder“ gegründet, mit dem Privatpersonen leere Wohnungen melden können. Warum das wichtig ist.

Direkt vor meiner Haustür gibt es ein Baugrundstück, das seit Jahren als Parkplatz genutzt wird. Es wäre perfekt für eine Mischung aus Wohnhaus und Ladenfläche im Erdgeschoss, aber anscheinend hat niemand vor, auf diesem Stück Land etwas zu bauen. Ist das in Zeiten von akutem Wohnraummangel (besonders unter Studierenden), in Ordnung? Nein, findet Sebastian*. Er ist Software-Entwickler und seit Jahren Teil des Vereins „Gängeviertel“, der 2010 einen ehrenamtlichen Leerstandsmelder ins Leben gerufen hat.

„Mit dem Leerstandsmelder wollen wir auf ein Problem auf deutschem Wohnungsmarkt hinweisen“, sagt er BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Beim Leerstandsmelder können sich Privatpersonen anmelden und auf Leerstand oder brachliegende Bauflächen hinweisen. Dieser wird dann erfasst und wenn er in eine von 41 Regionen fällt, in der es einen Verantwortlichen gibt (der die Meldung prüft), auf einer Deutschlandkarte angezeigt. Auch das Grundstück direkt vor meiner Haustür ist hier gemeldet.“

Ehrenamtliche vom „Leerstandsmelder“ sammeln Daten zu leerstehenden Wohnungen oder brachliegenden Bauplätzen in einigen deutschen Städten.

Leerstand: Wie groß ist das Problem in Deutschland?

Laut Zensus standen am 15. Mai 2022 bundesweit rund 1,9 Millionen Wohnungen leer. Das entspricht einer Leerstandsquote von 4,3 Prozent. Im Vergleich zum Zensus 2011 ist die Leerstandsquote nahezu unverändert. „Dies ist als bundesweiter Durchschnitt kein gravierend hoher Wert“, sagt der Geograf Matthias Waltersbacher vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (bbr) BuzzFeed News Deutschland. Allerdings unterschieden sich verschiedene Teile Deutschlands sehr. In einzelnen, meist ländlichen Kreisen oder Gemeinden könne der Leerstand eine Quote von zehn bis 20 Prozent erreichen.

Die Konsequenzen von Leerstand auf den Immobilienmarkt seien vielfältig. Für Vermieter bedeute er Einnahmeausfälle, im schlimmsten Falle Insolvenz. „Für die Stadtentwicklung können Immobilienleerstände zu einer Verödung und zu einer Abwärtsspirale von Stadtteilen führen, dem häufig nur mit dem Einsatz massiver öffentlicher Mittel begegnet werden kann“, warnt er.

Die Zensus-Daten zum Wohnungsleerstand seien eine „gute Basis“, sagt Waltersbacher. Gemeinden und Städte, die noch mehr gegen Wohnungsmangel tun wollten, sollten darüber hinaus auch ein „Grundstücksmonitoring betreiben, um Brachland, untergenutzte Flächen oder leerstehende Wirtschaftsimmobilien (Büro, Einzelhandel etc.) zu identifizieren, denn dies kann die Basis für zusätzliche Wohnungen sein“, rät er.

Leerstand in Erfurt.

Leerstand melden bedeutet eine „kritische Stadt-Dokumentation“

„Wir wollen ein Bewusstsein für alle Formen von Leerstand schaffen, auch für die, die vom Zensus gar nicht erfasst werden“, sagt Sebastian vom Leerstandsmelder. Eine „kritische Stadt-Dokumentation“ sei wichtig für das demokratische Miteinander, auch weil so politische Forderungen zum Leerstand umgesetzt werden können. Erst vor kurzem haben Sebastian und seine Kollegen und Kolleginnen Unterstützung vom Civic Data Lab (CDL) bekommen und den Melder neu aufgesetzt.

Neues Design, verbesserte IT, sichere Dateninfrastruktur: Das CDL half, den Leerstandsmelder grundlegend zu überarbeiten. Das Ziel: Durch bessere Datenverfügbarkeit gesellschaftliche Probleme wie Wohnungsnot und spekulativen Leerstand sichtbar zu machen und Lösungen zu ermöglichen. „Mit Daten können Engagierte aus der Zivilgesellschaft die Demokratie stärken und Menschen helfen“, sagt Angela Berger, Sprecherin vom CDL BuzzFeed News Deutschland. Das Civic Data Lab wolle sie dabei unterstützen – „und die Welt damit ein Stück besser machen“.

*Sebastian möchte in diesem Artikel nur mit seinem Vornamen genannt werden. Sein vollständiger Name ist der Redaktion bekannt.

Rubriklistenbild: © Screenshot Leerstandsmelder

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