„Bedrückend“
„Studierende sind verzweifelt“: Lage in deutschen Städten spitzt sich zu
Wer fürs Studium einen Wohnplatz sucht, muss immer mehr dafür ausgeben. „Viele Studierende sind verzweifelt“, sagt uns das Studierendenwerk Münster.
Für Studierende wird es immer schwerer, eine bezahlbare Wohnung oder ein WG-Zimmer zu finden. Wie aus dem aktuellen Studentenwohnreport des Finanzdienstleisters MLP und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht, sind die sogenannten Angebotsmieten 2023 im Durchschnitt um 5,1 Prozent angestiegen.
Einer der Gründe für diese Preisentwicklung ist das vielerorts sinkende Wohnungsangebot für Studierende: Wie bereits 2022 hat sich die Zahl der inserierten Angebote insgesamt reduziert. In 29 der 38 untersuchten deutschen Städte gibt es weniger inserierte kleine Wohnungen und WGs, besonders in Jena, Münster und Freiburg, wo das Angebot um 20 Prozent und mehr zurückgegangen ist.
Das Studierendenwerk Münster teilt uns mit, dass aktuell 3630 Bewerberinnen und Bewerber auf der Warteliste für Wohnraum stehen. „Die Notunterkunft sei mit 18 Plätzen voll belegt“, sagt eine Sprecherin BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. „Der AStA der Uni Münster hat dieses Jahr zum ersten Mal eine Turnhalle als Notunterkunft für Studenten angemietet, diese ist anscheinend auch schon gut besucht.“
„Knapper“ Wohnraum für Studierende wird zum Problem – es ist „bedrückend“
„Viele Studierende sind verzweifelt, wenn sie nach mehreren Wochen immer noch nichts gefunden haben“, sagt die Sprecherin vom Studierendenwerk Münster. Es sei „bedrückend, diese oft schwierigen Notlagen mitzuerleben“ und trotzdem nicht helfen zu können, außer eben mit Studenten-Notunterkünften. Besonders internationale Studierende hätten „so gut wie keine Chance auf dem privaten Wohnungsmarkt fündig zu werden“, da ihnen Sprachkenntnisse fehlen und sie nicht kurzfristig zu Wohnungsbesichtigungen kommen können.
Auch Clemens Metz, Geschäftsführer des Studierendenwerks Freiburg, bestätigt bei BuzzFeed News Deutschland, dass „bezahlbarer Wohnraum knapp“ sei. Nicht nur für Studierende, aber für diese wird es besonders zum Problem, wenn sie beispielsweise armutsgefährdet sind. Ein möglicher Grund für das knappe Angebot: Laut Studentenwohnreport sinkt die Zahl der öffentlich inserierten Wohnungen insbesondere, weil aufgrund der schwierigen Lage am Wohnungsmarkt aktuell weniger Haushalte umziehen und viele Vermieter bereits im privaten Umfeld Mieter finden.
Studierendenwerke schlagen Alarm: „Nicht annähernd genug Wohnplätze“
„Das Studierendenwerk Freiburg kann aktuell rund 5650 Wohnplätze in den Wohnheimen in Freiburg anbieten, dennoch können wir die Nachfrage damit nicht befriedigen“, sagt Metz. Das Studierendenwerk müsse wegen der steigenden Zahl an Studierenden sogar private Vermieterinnen und Vermieter auffordern, Studenten-Zimmer zu vermieten. Studierenden empfehle man, auf das Freiburger Umland auszuweichen und gegebenenfalls später in Hochschulnähe zu ziehen.
In Münster sind es 5390 Wohnplätze in den Wohnheimen für etwa 60.000 Studierende. „Nicht annähernd genug“, schlägt das Studierendenwerk Münster Alarm. Was tun? „Um mehr preisgünstigen Wohnraum für Studierende anbieten zu können, bräuchten wir mehr Möglichkeiten, günstig Grundstücke oder bereits bestehende Wohnungen zu erwerben“, teilt die Organisation mit.
Hier sei man auf „verbesserte Förderbedingungen von Bund und Land“ und eine „bevorzugte Vergabe von Grundstücken durch die Stadt Münster“ angewiesen. Auch das Studierendenwerk Freiburg fordert von der Stadt „Unterstützung durch die Bereitstellung von Grundstücken zu günstigen Konditionen.“
Wohnraum für Studierende: Stadt Münster spricht von „Höchstwert“ bei Neubauten
Wir fragen bei beiden Städten nach, wie viele Grundstücke sie bisher konkret bereitgestellt haben, um studentischen Wohnraum zu schaffen und wie viel studentische Wohnplätze die Städte in den vergangenen drei Jahren geschaffen haben. Münster teilt uns mit, man habe in den vergangenen drei Jahren insgesamt 244 Wohneinheiten für Studierende gefördert.
2023 seien insgesamt 2221 neue Wohnungen gebaut worden, „ein Höchstwert im Vergleich mit den vergangenen Jahrzehnten“, sagt eine Sprecherin der Stadt BuzzFeed News Deutschland. Viele dieser Wohnungen seien 1-Zimmer-Wohnungen, die auch für Studierende interessant seien. Die Stadt Freiburg hat uns bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (26. September) noch nicht geantwortet.
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