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Analyse

Gasspeicherstand niedriger als bei Start von Ukraine-Krieg – aber ein wichtiger Faktor ist neu

Der Füllstand der deutschen Gasspeicher war selbst 2022, im ersten Jahr des Angriffskriegs auf die Ukraine, nicht so niedrig wie heute. Doch ein entscheidender Umstand ist heute anders. Eine Analyse.

Millionen Menschen in Deutschland heizen immer noch mit Gas. Doch der Vorrat schrumpft. Zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man sich die aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur anschaut. Der Gasspeicher ist noch zu etwa 20 Prozent (Stand 23. Februar) befüllt. Meteorologisch endet der Winter mit dem 28. Februar. Kalenderisch geht er noch bis zum 20. März. Die Temperaturen steigen aktuell mäßig an. Die gängige Empfehlung ist, Heizungen dann einzuschalten, wenn die Außentemperaturen unter rund 15 Grad liegen.

Im Vergleich mit den Vorjahren ist der Füllstand der Gasspeicher relativ niedrig.

„Die Gasspeicher entleeren sich im Moment im Rahmen der marktlichen und wetterbedingten Erwartungen. Die Speicherfüllstände sind weiter wichtig, aber kein Indiz für eine Gasmangellage“, heißt es von der Netzagentur. Die Versorgungslage in Deutschland und in Europa habe sich in den vergangenen Jahren verändert. Deutschland verfüge über unterschiedliche Importmöglichkeiten. Gasmengen können über Pipelines sowie über die neuen LNG-Terminals ins Land geholt werden.

Gute Versorgung durch Nachbarländer: Keine Knappheit erwartet

Deutschland importiert aktuell das meiste Gas aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien sowie über LNG-Terminals an der deutschen Küste (Flüssigerdgasterminals). „Weltweit ist ein ausreichendes Gasangebot vorhanden. Insofern können Händler jederzeit Gas nachkaufen und über die LNG-Terminals importieren, da diese auch noch freie Kapazitäten haben. Auch die Preise auf den Großhandelsmärkten lassen keine Knappheiten erkennen“, sagte ein Sprecher der Netzagentur gegenüber unserer Redaktion. Mittelfristig erwarte man aufgrund der stabilen Versorgung keine Knappheit.

„Ich teile die Einschätzung der Bundesnetzagentur. Die Speicher stellen nur einen Teil der Versorgung dar“, sagt Franziska Holz, stellvertretende Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. „Wir bekommen zusätzlich Gas von unseren Nachbarn und über die Weltmeere.“

Einen permanenten Gasverbrauch, unabhängig vom Wetter, gebe es natürlich durch die Industrie. Die macht etwa ein Viertel des Gesamtbedarfs aus. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt Holz: „Der Großhandelspreis ist sehr stabil und weit von dem entfernt, was wir 2022 hatten.“ Nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine stiegen die Gaspreise 2022 um etwa 17 Prozent.

„Wo die Temperaturen jetzt wieder steigen, werden wir vielleicht auch sehen, dass mal was eingespeichert wird“, sagt die Ökonomin. Sobald die Temperaturen dauerhaft höher sind, werden die Speicher ohnehin zum nächsten Winter hin aufgefüllt. Holzer gibt Entwarnung: „Aber auch wenn es wieder kälter werden sollte, oder – und das ist jetzt hypothetisch – der Speicherstand auf drei Prozent sinkt, würde mich das nicht besorgen. Ähnlich wie der Reservetank beim Auto, gibt es in den Gasspeichern eine Art Reserve-Gaskissen.“ In Hinblick auf die kommunale Wärmeplanung, die in den Städten voranschreitet, schätzt die Energie-Expertin, dass zumindest mittelfristig Gas als Wärmequelle immer weniger Bedeutung haben werde. Das liege auch an der steigenden CO₂-Bepreisung. (Quellen: BMWE, Bundesnetzagentur, Destatis, Gespräch Franziska Holz)

Rubriklistenbild: ©  Montage: Ole Spata (dpa), Bundesnetzagentur

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