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„Qualität vor Schnelligkeit“

Merz-Regierung baut Bürgergeld um: Vertrauter nennt ersten Zeitpunkt

Die Merz-Regierung plant, das Bürgergeld umzugestalten und härtere Regeln einzuführen. CDU-Politiker Linnemann verrät nun, wann die neue Grundsicherung kommt.

Berlin – Die schwarzrote Koalition will das Bürgergeld zur neuen Grundsicherung umbauen. Durch mehr Härte, also höhere Anforderungen an die Arbeitslosen sowie schnellere und härtere Sanktionen bis hin zum vollständigen Leistungsentzug sollen möglichst viele Menschen in Arbeit kommen. Gleichzeitig soll es laut Union ein Signal an Erwerbstätige sein. „Diese Reform ist die wichtigste Sozialstaatsreform seit der Agenda 2010“, machte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann deutlich. „Da müssen wir liefern.“

„Qualität vor Schnelligkeit“ bei Bürgergeld-Reform: Neue Grundsicherung erst im Frühjahr 2026

Linnemann nannte dabei einen ersten groben Zeitrahmen, bis wann die neue Grundsicherung umgesetzt werden soll. „Wir werden erst im Frühjahr diese Reform auf den Weg bringen können“, sagte der CDU-Politiker dem Stern. Dabei gelte „Qualität vor Schnelligkeit“.

Friedrich Merz und Carsten Linnemann haben im Wahlkampf lautstark die „Abschaffung“ des Bürgergelds gefordert. Bis es soweit ist, kann es noch dauern.

„Wenn sie sich anschauen, wie kompliziert das System ist, die Transferentzugsraten, die Schnittstellenproblematik mit anderen Systemen wie dem Wohngeld – dann wird eine Sozialstaatsreform ein Jahr dauern“, erklärte Linnemann den Zeitraum der Bürgergeld-Reform weiter. „Da darf es keinen Schnellschuss geben.“

Totalsanktionen könnten bei der Einführung der neuen Grundsicherung zum Problem werden

Nicht nur inhaltliche Fragen, auch der Prozess allein setzt der Regierung von Friedrich Merz bei der Reform zeitliche Grenzen. Die Minimalfrist im Gesetzgebungsprozess liegt bei 15 Wochen, die reguläre Dauer bei mindestens 23 Wochen. Dabei schreibt das von Bärbel Bas geführte Bundesarbeitsministerium einen Referentenentwurf. Es folgen Ressortabstimmung und die Verabschiedung im Kabinett.

Anschließend befassen sich Bundesrat und Bundestag mit der Reform. Im Parlament erfolgt zudem eine Expertenanhörung. Anpassungen und Kompromisse sind möglich. Dementsprechend sind Verzögerungen möglich. Und besonders angesichts des umstrittenen „vollständigen Leistungsentzugs“ für Bürgergeld-Empfänger, die „wiederholt“ Stellenangebote ablehnen, ist das möglich. Denn das Bundesverfassungsgericht hatte Totalsanktionen in der Grundsicherung 2019 als verfassungswidrig eingestuft.

Dennoch besteht die Möglichkeit – jedoch haben die Verfassungsrichter enge Grenzen gesetzt. „Für die Verschärfung von Sanktionen werden wir die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts beachten“, heißt es dazu im Koalitionsvertrag. Allein dieser Prozess könnte damit dauern.

Arbeitsministerin Bas lehnt vollständige Bürgergeld-Streichung ab

Und auch inhaltlich könnte es bei einigen Punkten der Bürgergeld-Reform Ärger zwischen Union und SPD geben. Hier sind schon die Totalsanktionen ein Konfliktherd. Bärbel Bas will Sanktionen zwar „anschärfen“, lehnt eine vollständige Streichung der Grundsicherung jedoch ab. „Das Geld komplett zu streichen, ist in extremen Fällen schon heute möglich“, hatte die SPD-Ministerin erklärt. „Wer aber eine komplette Streichung auch der Wohnkosten fordert, verkennt die Lage.“ Sie stellte klar: „Das Existenzminimum muss gesichert werden – das sagen die Gerichte.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

CDU-Generalsekretär Linnemann, der selbst nicht der Merz-Regierung angehört, bleibt jedoch beim harten Unionskurs aus dem Wahlkampf. „Es gibt allein über 200.000 Bürgergeldempfänger, die überhaupt kein Vermittlungshemmnis haben und sofort arbeiten könnten“, sagte Linnemann im Stern-Interview.

Mehrfach abgelehnte Jobangebote: „Dann muss das Bürgergeld ganz gestrichen werden“

Der CDU-Politiker will damit an den Totalsanktionen für Totalverweigerer festhalten. „Bei jemandem, der arbeiten kann und ein Jobangebot mehrfach ablehnt, muss der Staat davon ausgehen, dass er offenkundig nicht bedürftig ist“, sagte Linnemann. „Dann muss das Bürgergeld ganz gestrichen werden.“ Bereits jetzt gibt es – wie Bas auch gesagt hatte – die Möglichkeit, den Bürgergeld-Regelsatz für zwei Monate vollständig zu streichen. Jedoch zahlen die Jobcenter weiterhin die Miete und Heizkosten.

Die Debatte um die Sanktionen und Qualifizierung sei jedoch nicht sinnvoll, kritisierte Enzo Weber. Der Arbeitsmarktforscher fordert, bei der Bürgergeld-Reform „alle Register zu ziehen“, also neben der Verbindlichkeit und der Qualifizierung auch dafür zu sorgen, dass Erwerbstätige im Bürgergeld mehr von ihrem Geld behalten dürfen, damit sich Mehrarbeit stärker lohnt.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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