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Mehr Wirtschaftsliberalismus

Merz-Ministerin Reiche tilgt direkt Habecks Erbe - und die Planwirtschaft

Reiche übernimmt das Wirtschaftsministerium und definiert neue Schwerpunkte. Einer davon: Die Energiepolitik. Ein Richtungswechsel zeichnet sich ab.

Berlin – In dieser Woche übernahm Katherina Reiche (CDU) das Amt der Bundeswirtschaftsministerin von Robert Habeck (Grüne). Nach einer umfassenden Bestandsaufnahme plant sie nun umfangreiche Umstrukturierungen im Ministerium. Beim Ludwig-Erhard-Gipfel skizzierte die Ministerin am Freitag (9. Mai) ihre neuen Schwerpunkte. Ihr Ansatz unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers: Die Diplom-Chemikerin setzt auf mehr Marktwirtschaft und weniger Bürokratie – und sie will Bezahlbarkeit über den Klimaschutz stellen.

Reiches Energiewende-Realitätscheck – Gaskraftwerke statt Klimaschutz?

Übergabe des Bundeswirtschaftsministeriums am 7. Mai 2025 von Robert Habeck an Katherina Reiche.

Die Energiepolitik soll im neuen Wirtschaftsministerium an erster Stelle stehen. Klimaschutz muss laut Reiche demnach hinter Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit zurückstehen. Nötig sei ein Realitätscheck der Energiewende, denn der Ausbau der erneuerbaren Energien habe auch Kosten etwa für Netzausbau und Netzengpässe verursacht. Die neue Ministerin kündigte als Maßnahme den schnellen Ausbau von Gaskraftwerken an. „Wir müssen die Stromsteuer senken, wir müssen die Gas-Speicher-Umlage senken, wir brauchen einen Industriestrompreis, wobei ich sagen muss, dass das in Europa ein dickes Brett ist, das wir bohren“, erklärte die Ministerin am Freitag weiter.

Kritik dazu kam prompt von den Grünen. Fraktionsvize Julia Verlinden betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die Stromerzeugungskosten für erneuerbare Energien deutlich unter denen für neue fossile Kraftwerke lägen und warnte vor „Erpressbarkeiten von autokratischen Staaten, steigenden CO₂-Preisen und Klimafolgekosten.“ Reiche unterstreicht zudem die Bedeutung neuer Freihandelsabkommen wie Mercosur, den politischen Zusammenhalt in Europa und den Abbau von Bürokratie in Deutschland. Ihre Führung steht für mehr Wirtschaftsliberalismus, oder wie sie es ausdrückt: „Mehr Ordnungspolitik als Ordnungsrecht“. Sie betont: „Wir müssen wieder mehr ermöglichen als wir vorgeben.“ Im Gegensatz zur Vorgängerregierung, wolle sie keine „jahresscheibengenaue Planung“ mehr, zitiert Wirtschaftswoche die Ministerin. Weniger „Planwirtschaft“, wenn man so will.

Personalumbau im Wirtschaftsministerium: Grüne Staatssekretäre müssen gehen

Berichten zufolge ersetzt Reiche alle Staatssekretäre mit Grünen-Parteibuch. Wohl nur der parteilose Bernhard Kluttig könnte zumindest vorübergehend im Amt bleiben, wie Handelsblatt berichtet. Auch die Abteilungsleiter für Wirtschaftsstabilisierung und Energiesicherheit, Mittelstandspolitik, Europapolitik, Wärme und Wasserstoff, Strom sowie der Leiter der Zentralabteilung müssen ihre Positionen räumen. Reiche soll selbst viele Personalgespräche geführt haben. Kühl seien diese Gespräche verlaufen, sehr kühl, berichtet ein Betroffener laut Wirtschaftswoche.

Der Kommunikationsstil der neuen Ministerin wird als nüchtern und faktenorientiert beschrieben, durchsetzt von englischer Wirtschaftsterminologie. Wer die freigewordenen Posten im Wirtschaftsressort übernehmen wird, ist noch unklar. Ein Name, der für die Position der beamteten Staatssekretäre kursiert, ist Frank Wetzel, bisher Kanzleramtsgruppenleiter. Das Handelsblatt berichtet, dass dieser Personalwechsel aus Regierungskreisen bekannt wurde. Reiche kommentierte ihre Personalentscheidungen mit den Worten: „Ich würde mir wünschen, dass dieses Haus wieder das ordnungspolitische Gewissen der Bundesregierung wird.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Trotz inhaltlicher Differenzen lobte Reiche beim Ludwig-Erhard-Gipfel die Arbeit ihres Vorgängers Habeck. In der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine habe er fast Übermenschliches geleistet und Schlimmeres verhindert. „Das ist eine große Leistung und hat Deutschland gutgetan“, sagte sie, was das Publikum mit Applaus quittierte. Habeck zeigte sich gerührt. Die neue Ministerin selbst steht wenige Tage nach dem Amtsantritt bereits in der Kritik: Ihre vorherige Position als Chefin der E.ON-Tochter Westenergie AG gilt Kritikern als potenzieller Interessenkonflikt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Matthias Gränzdörfer / pictureteam

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