Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Wortbruch“

Massen-Insolvenzen bei Kliniken – Bund will trotzdem Milliarden kürzen

Hohe Kosten im Gesundheitssektor setzt auch Krankenhäusern zu. Die Finanzlage treibt einige Einrichtungen sogar in die Insolvenz. Dennoch kommt ein Sparplan auf den Tisch.

Berlin – Die Krise bei den Krankenhäusern verschärft sich. Viele Klinken haben sich noch nicht von den Kostensteigerungen aus den Zeiten der Corona-Pandemie erholt. Die Sorge vor steigenden Krankenhausinsolvenzen wächst. Eine Klinik kämpft nach einem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung nun ums Überleben.

Krankenhäuser leiden unter hohen Kosten – Klinik muss Insolvenz anmelden

Berichten zufolge musste die Park-Klinik Weißensee aufgrund von Überschuldung ein Insolvenzverfahren einleiten. Betroffen sind genauso wie die Gesellschaft seit Anfang Oktober auch die Tochterunternehmen. Gegenüber der Bild gab eine Unternehmenssprecherin gestiegene Betriebskosten, wie beispielsweise für Medikamente, Verbrauchsmaterialien und Instandhaltung des Gebäudes an.

Hohe Kosten im Gesundheitssektor setzen auch Krankenhäusern zu. (Symbolbild)

Die Mitarbeiter seien informiert worden und der Betrieb laufe weiter. „Unsere Patienten werden vollumfänglich weiter behandelt“, so die Mitarbeiterin. Auch die Lohnzahlungen sind laut eigenen Angaben für die ersten drei Monate sichergestellt. Derzeit arbeitet das Krankenhaus an der Entwicklung eines Sanierungskonzepts.

Viele Kliniken kämpfen seit Corona mit Finanzkrise

Es handelt sich um eine Insolvenz von vielen. Nach 30 Jahren Betrieb musste bereits das Herz-Zentrum Bodensee in Konstanz Insolvenz anmelden. In Ingolstadt hat eine Privatklinik dasselbe Schicksal erlitten. Den Krankenhäusern in Angermünde und Prenzlau droht nach Angaben des Landkreises Uckermark die Insolvenz. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, sagte im Juni gegenüber der Rheinischen Post, dass insbesondere kleine und mittlere Häuser auf dem Land gefährdet seien.

Besonders die hohen Kosten während der Corona-Pandemie stellten eine große Belastung in den Krankenhäusern dar. Ausgleichszahlungen und Schutzschirme sollten die Finanzen abfedern – so gab es eine Zahlung von 50.000 Euro pro Intensivbett im Zeitraum vom 16. März 2020 bis zum 30. Juni 2022. Zudem gab es einen Versorgungsaufschlag für die Behandlung von mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Patientinnen und Patienten, die im Zeitraum vom 1. November 2021 bis zum 30. Juni 2022 aufgenommen wurden.

Doch auch nach Corona gibt es problematische Finanzierungslücken. „Besorgniserregend ist, dass die zusätzlichen Defizite von Jahr zu Jahr größer werden“, sagte Heiner Scheffold, BWKG-Vorstandsvorsitzende, mit Blick auf die Lage in Baden-Württemberg. 2023 betrug die neu entstandene Finanzierungslücke 670 Mio. Euro, 2024 waren es 900 Mio. Euro und 2025 seien es nun eine Milliarde Euro.

Gesundheitsministerin Warken will bei Krankenhäusern sparen

Die Hoffnung liegt nun auf der Krankenhausreform, um die Schließung von Kliniken zu verhindern und eine qualitative Behandlung zu gewährleisten. Im Rahmen des Krankenhaustransformationsfonds stellt der Bund in den Jahren 2026 bis 2035 insgesamt 29 Mrd. Euro bereit.

Trotz der Lage in den Krankenhäusern will die Gesundheitsministerin den Rotstift ansetzen. Konkret will Nina Warken (CDU) 1,8 Milliarden Euro einsparen, um die GVK zu entlasten. Für Kliniken ist konkret die Aussetzung der sogenannten Meistbegünstigungsklausel geplant.

Warken will neben den Kliniken auch beim Innovationsfonds und bei den Verwaltungskosten der Krankenkassen kürzen. Ein Sparpaket soll am Mittwoch (15. Oktober 2025) im Kabinett beschlossen werden. Kritiker warnen, dass die Kürzungen im Krankenhaussektor die Versorgungssicherheit gefährden könnte. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warf der Regierung zudem „Wortbruch“ vor. Erst vor zwei Jahren sei eine Regelung eingeführt worden, wonach Kliniken einen vollen Inflationsausgleich für gestiegene Kosten erhalten. Wenn die Ministerin dies jetzt wieder abschaffe, schicke sie die Krankenhäuser erneut massiv in einen „kalten Strukturwandel“.

Die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) hingegen begrüßen Warkens Pläne: Endlich lägen konkrete Vorschläge auf dem Tisch, sagt Oliver Blatt, Chef des GKV-Spitzenverbands. Warken kündigte an, dass auch bei der Pflegeversicherung eine Lücke von knapp zwei Milliarden Euro geschlossen werden soll, um eine Beitragsanhebung zu vermeiden. (Bohy mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Michael Bihlmayer/Imago

Kommentare