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Streitpunkt Karenzzeit

Experte kritisiert Bürgergeld-Wohnkosten: „Denkbar, dass jemand in Villa am Starnberger See wohnt”

Ein Arbeitsmarkt-Experte zerlegt die Bürgergeld-Regelungen. Theoretisch könne das Wohnen in einer Villa finanziert werden. Doch es gibt regionale Unterschiede.

München – Ein Arbeitsmarkt-Experte schlägt Alarm: Die aktuellen Regelungen bei den Bürgergeld-Wohnkosten könnten zu absurden Situationen führen. Holger Schäfer vom Institut der Deutschen Wirtschaft sieht „für viele keine ausreichende Motivation, um sich beruflich zu engagieren“ und warnt bei bild.de: „Theoretisch wäre denkbar, dass jemand in der Villa am Starnberger See wohnt und das auch vom Jobcenter finanziert bekommt.“

Die Debatte über Bürgergeld reißt nicht ab. Immer wieder rückt auch die Übernahme der Wohnkosten in den Fokus.

Die Unterschiede bei den Mietobergrenzen für Bürgergeld-Empfänger sind deutschlandweit gravierend. Während München für einen Ein-Personen-Haushalt bis 50 m² eine Bruttokaltmiete von bis zu 890 Euro als angemessen einstuft, sind es in Frankfurt am Main 786 Euro. Leipzig hingegen setzt die Obergrenze bei nur 345,79 Euro für dieselbe Haushaltsgröße fest (Stand: 6. August 2025).

Scharfe Kritik an Bürgergeld-Wohnkosten: Experte stört sich vor allem an fehlender Prüfung während Karenzzeit

Diese Karenzzeit soll Betroffenen Gelegenheit geben, sich an ihre veränderte Lebenssituation zu gewöhnen, ohne unmittelbar einen Umzug bewältigen zu müssen. Erst nach Ablauf dieser zwölf Monate überprüfen die Jobcenter, ob die Wohnkosten den örtlichen Richtlinien entsprechen. Aus Sicht von Kanzler Friedrich Merz muss eine Deckelung der Mietkosten von Bürgergeld-Empfängern her.

Schäfer sieht dringenden Reformbedarf, insbesondere beim Sanktionssystem und den Unterkunftskosten-Regelungen. Die Aufgabe bestehe darin, ein System zu entwickeln, das Bedürftige ausreichend unterstützt, aber auch Arbeitsanreize schafft. Mit den aktuellen Regelungen könne es rein hypothetisch passieren, dass ein „Bürgergeld-Empfänger womöglich in einer größeren Wohnung wohnt und die vom Jobcenter bezahlt bekommt, als der Nachbar, der arbeitet, Steuern zahlt und dieses Bürgergeld mit seinen Steuern finanziert“, so Schäfer gegenüber bild.de. Aus Expertensicht sei das kein Motivationsschub für Bürgergeld-Empfänger, wieder zu arbeiten.

Für Bürgergeld-Beziehende bedeutet die Situation trotzdem häufig eine Ungewissheit. Zwar bietet die Karenzzeit im ersten Jahr Schutz, danach drohen aber möglicherweise Umzüge oder Zuzahlungen aus dem Regelsatz, falls die Miete als zu hoch bewertet wird. Die Diskussion um die Bürgergeld-Wohnkosten wird voraussichtlich anhalten. Es bleibt offen, welche Reformen kommen und wie diese das Verhältnis zwischen sozialer Sicherung und Arbeitsanreizen verändern werden. Eine Wirtschaftsweise warf der Regierung Merz in Sachen Bürgergeld-Reformen aber jüngst Mutlosigkeit vor.

Engpässe belasten Wirtschaft: In diesen 15 Berufen ist der Fachkräftemangel am größten

Ein Koch steht an einer Arbeitspfläche in einer Küche und richtet seine Zutaten, darunter sind Tomaten.
Viele Restaurants müssen mehrere Ruhetage machen oder können nur mittags oder abends öffnen, weil ihnen Mitarbeiter fehlen. Besonders bei ausgebildeten Köchen haben es Unternehmen schwer, Personal zu finden. Aber auch im Service bleiben zahlreiche offene Stellen unbesetzt. In der Engpass-Analyse der Bundesagentur für Arbeit (BA) ergibt sich ein Index-Wert von 2,3. © Harald Tittel/dpa
Urteil im Prozess um heimliche Videos vom Schlachthof
Es gibt kaum noch Nachwuchs: Die Zahl der Auszubildenden im Fleischerhandwerk geht seit Jahren zurück. Laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks machten rund 2300 Menschen eine Ausbildung, zur Jahrtausendwende waren es noch 9500 Azubis. Ergebnis ist eine Fachkräftelücke. In der gesamten Lebens- udn Genussmittelherstellung ergibt sich im BA-Index ein Wert von 2,3 und damit ein Engpass. © Sina Schuldt/dpa
Ein Mann arbeitet in einer Werkstatt von Lufthansa Technik am Triebwerk eines Flugzeuges.
Im Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik beobachtet die BA ebenfalls einen Fachkräftemangel. Das gilt auch für den Schiffbau. Gemeinsam kommen die Felder in der Engpassanalyse auf einen Indexwert von 2,3. © Daniel Reinhardt/dpa
Ein Mitarbeiter der Rochlitzer Porphyr Manufaktur zersägt mit einer Steinsäge einen Porphyrblock.
In den großen Debatten rund um den Fachkräftemangel finden das Feld der Naturstein-, Mineral- und Baustoffherstellung kaum statt. Dabei beobachtet die BA bei ihrer Analyse ebenfalls einen Engpass. Der Wert liegt bei 2,3. © Jan Woitas/dpa
Ein Bauer kontrolliert das Schneidwerk seines Mähdrescher.
Systemrelevant: Ohne die Landwirtschaft bleiben alle ohne Nahrung. Trotz der Bedeutung haben Betriebe Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu finden, berichtet das Branchemagazin Top Agrar. Im Index der BA liegt die Branche beim Wert von 2,3 – und damit im Bereich eines Engpasses. © Peter Gercke/dpa
Eine medizinische Fachangestellte führt eine Spritze an den Oberarm eines älteren Mannes, um ihn zu impfen. Im Hintergrund sitzt eine Ärztin.
Medizinsche Fachangestellte, kurz MFA, sind gefragt: Im Berufsfeld der Arzt- und Praxishilfe stuft die BA den Engpass mit 2,5 ein. Besonders kritisch ist die Fachkräftelücke im Bereich der zahnmedizinischen Fachangestellten. © Jens Kalaene/dpa
Auf einem Plakat einer Steuerberatungsfirma werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Azubis, Steuerfachangestellte, Steuerfachwirte, Steuerberater und Bilanzbuchhalter gesucht.
Auszubildende, Steuerfachangestellte, Fachwirte und Steuerberater gesucht: Auch im Bereich der Steuerberatung beobachten Fachleute einen Engpass, der BA-Index zeigt den Wert 2,5. © Jens Kalaene/dpa
Eine Kundin steht vor der Auslage einer Metzgerei, in der verschiedene Wurstsorten liegen. Sie deutet auf eine Wurst. Hinter der Theke steht einer Verkäuferin.
Allein in München und Oberbayern fehlen laut Industrie- und Handelskammer (IHK) über 2000 Verkäuferinnen und Verkäufer in Metzgereien, doch das Problem ist nicht regional begrenzt. Die BA verbucht für alle Berufe im Verkauf von Lebensmitteln eine Arbeitskräftelücke. Der Engpass-Indikator ergibt den Wert 2,5.  © Patrick Pleul/dpa
Zwei Techniker mit grellgelben Jacken stehen oben auf einem großen Windrad.
Auch der Energiesektor sucht händeringend nach Fachkräften. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnt, dass der Mangel die Energiewende gefährden könne. Die BA bewertet die Lücke mit dem Indexwert von 2,5 – damit gibt es im Bereich der Energietechnik ebenfalls einen Engpass. © Jan Woitas/dpa
Eine Mitarbeiterin eines Automatisierungstechnik-Unternehmens prüft eine Platine mit einer Lupe.
Automatisierungstechnik und Mechatronik ist ein weiteres Berufsfeld, wo Unternehmen mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen haben. Der Engpassindex der BA zeigt den Wert 2,5. © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Empfangsmitarbeiterin eines Hotels sitzt an der Rezeption und telefoniert. Im Hintergrund ist eine andere Mitarbeiterin zu erkennen.
Mit 2,6 stuft die Arbeitsagentur die Fachkräftelücke im Bereich der Hotellerie ein – und beobachtet damit einen Engpass. Zwar bewegt sich das Verhältnis von Arbeitsuchenden und Stellen im grünen Bereich. Alle übrigen Indikatoren senden Warnsignale. © Marcel Kusch/dpa
Ein Straßenbauer kniet auf einem frisch geteerten Asphalt, um den neuen Straßenbelag auszubessern.
Berufe im Tiefbau gehören zu den Tätigkeiten, die am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen sind. Darunter fallen etwa Straßen- und Kanalbauer sowie Betonbauer. Die Bundesagentur für Arbeit berichtet von einem Engpass. Der entsprechende Indikator liegt bei 2,7. © Jörg Carstensen/dpa
Eine junge Frau, die eine Ausbildung zur Anlagenmechanikerin Sanitär-Heizung-Klima macht, trägt eine blaue Jacke. Sie steht an einer Wärmepumpe und hält ein gelb-schwarzes Messgerät in der Hand, auf das sie blickt.
Auszubildende für den Beruf der Anlagenmechanikerin Sanitär-Heizung-Klima sind gefragt. Denn auch im Bereich der Klempnerei, Santitär, Heizung, Klimatechnik besteht laut Arbeitsagentur ein großer Engpass. Auch hier liegt der Wert bei 2,7. © Uwe Anspach/dpa
Die Mitarbeiterin einer Zahntechnik-Firma arbeitet an einer Totalprothese des Oberkiefers
Ebenfalls einen großen Engpass gibt es bei Berufen der Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik. Die BA vergibt auch hier den Wert 2,7. Neben Zahntechnikerinnen sind etwa Hörgeräteakustiker gefragt. © Patrick Pleul/dpa
Eine Pflegerin schiebt eine pflegebedürftige Person, die nicht zu sehen ist, in einem Rollstuhl über den Flur eines Pflegeheims.
Die Alterung der Gesellschaft belastet nicht nur den Arbeitsmarkt, weil viele Fachkräfte in den Ruhestand gehen. Immer mehr Menschen werden damit auch Pflegebedürftig. Damit braucht es immer mehr Pflegekräfte, um sie zu versorgen. Laut Statistischen Bundesamt werden bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Plegekräfte fehlen. Die BA beobachtet bereits jetzt einen Engpass – und vergibt den Wert 2,7. © Christophe Gateau/dpa

Deutschen Städtetag erkennt Stadt-Land-Gefälle: Bürgergeld-Wohnkosten belasten Kommunen unterschiedlich stark

Die regionalen Unterschiede bei den Bürgergeld-Wohnkosten führen derweil zu einer ungleichen Belastung der Kommunen. Laut dem Deutschen Städtetag tragen Städte in Hochpreisregionen wie München oder Hamburg überproportional hohe Kosten, während strukturschwache Gebiete weniger belastet sind. Diese Schieflage verstärkt das Stadt-Land-Gefälle und könnte langfristig die kommunalen Haushalte in Ballungsräumen destabilisieren. Indes führte der verpasste Termin eines Bürgergeld-Empfängers dazu, dass dessen Jobcenter ein Bett-Attest anforderte. (kh)

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa

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