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„Bis zu 20 Euro pro Quadratmeter“?

Merz‘ Reform-Vorstoß: Wohnen Bürgergeld-Bezieher zu teuer?

Das Bürgergeld will Schwarz-Rot reformieren. Friedrich Merz schlägt eine Deckelung der Wohnkosten für Leistungsempfänger vor. Was der Staat an Miete übernimmt.

Berlin – Die Bundesregierung will das Bürgergeld reformieren: Wie eine solche Reform aussehen soll, darüber herrscht offenbar noch Uneinigkeit. Bundeskanzler Friedrich Merz stellte im ARD-Sommerinterview eine Deckelung der Wohnkosten in Aussicht. Die SPD hält dagegen. „Leistungskürzungen wird es mit uns nicht geben“, erklärte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Dagmar Schmidt. Weiter entgegnete die Sozialdemokratin: „Wohnungen für Normalverdiener werden nicht günstiger, indem man Bürgergeldempfängern die Unterstützung streicht.“

Bürgergeld-Debatte: Merz stellt Deckelung der Mietkosten in Aussicht

Friedrich Merz hatte angekündigt, Spannungen abbauen zu wollen, die dadurch entstünden, dass Bürgergeld-Beziehenden mehr Miete gezahlt werde als sich „eine normale Arbeitnehmerfamilie“ leisten könne. „Sie haben in den Großstädten heute teilweise bis zu 20 Euro pro Quadratmeter, die Sie vom Sozialamt oder von der Bundesagentur bekommen für Miete, und wenn Sie das mal hochrechnen, das sind bei 100 Quadratmetern schon 2.000 Euro im Monat“, so der Kanzler.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Das Jobcenter übernimmt für Bürgergeldempfänger Kosten für Unterkunft und Heizung in angemessener Höhe. „Die Höhe der angemessenen Kosten der Unterkunft unterscheidet sich regional und liegt in kommunaler Verantwortung“, erklärt ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit gegenüber unserer Redaktion. Welche Kosten „angemessen“ sind, lässt sich demnach pauschal nicht beantworten.

Mietkosten für Bürgergeld-Bezieher: Staat zahlt im Bundesdurchschnitt 8,19 Euro pro Quadratmeter

Jedoch erklärt der Sprecher der Arbeitsagentur unter Berufung auf statistische Daten: „Die tatsächlich anerkannten Kosten der Unterkunft (Kaltmiete) liegen aktuell bundesweit bei durchschnittlich 8,19 Euro pro Quadratmeter.“ Starke Abweichungen nach oben zeigen sich jedoch bei einigen größeren Städten wie Hamburg und München. In Hamburg liege der Durchschnitt der aktuell anerkannten Kosten der Unterkunft bei 15,15 Euro pro Quadratmeter – in München bei 16,14 Euro.

Bürgergeld: Bundeskanzler Friedrich Merz hält eine Deckelung bei den Mietkosten für denkbar. (Symbolbild)

„In anderen der fünf größten Städte liegen die Quadratmeterpreise hingegen nicht ganz so deutlich über dem Bundesdurchschnitt, z. B. in Berlin (8,65), Köln (10,03) oder Frankfurt am Main (10,37).“ Hinzu kommen dabei jedoch noch die Heizkosten, die das jeweilige Jobcenter ebenfalls im Falle der „Angemessenheit“ übernimmt.

Wohnkosten für Bürgergeld-Bezieher: Worauf beruft sich Friedrich Merz?

Ob, und wenn ja, auf welche konkreten Zahlen sich der Kanzler bei seiner Aussage über die Höhe der Wohnkosten beruft, geht aus einer Anfrage an die Bundesregierung nicht explizit hervor. Eine Regierungssprecherin erklärt gegenüber unserer Redaktion: „Die Mieten in vielen deutschen Großstädten sind sehr hoch, und darauf hat der Bundeskanzler hingewiesen. Ordnungspolitische Aufgabe der Kommunen ist es, Obdachlosigkeit vorzubeugen.“

Weiter führt die Regierungssprecherin aus: „Mangels alternativem günstigem Wohnraum kann es daher durchaus dazu kommen, dass die Kommunen bereit sind, deutlich erhöhte Mietkosten zu übernehmen, die über der vorher durch die Kommune festgelegte Angemessenheitsgrenze liegen. Darüber hinaus stehen die Worte des Kanzlers für sich.“

Miete und Bürgergeld: Was darf eine Wohnung kosten?

Die Angemessenheit der Kosten orientiert sich an der Wohnungsgröße, der Anzahl der Personen im Haushalt und dem örtlichen Mietspiegel. Die Mietobergrenze ist dabei von Stadt zu Stadt unterschiedlich. So liegt die Grenze in München – der Stadt mit den durchschnittlich höchsten anerkannten Mietkosten – bei einer Person mit einer Wohngröße von bis zu 50 Quadratmeter bei 890 Euro. Für Hamburg etwa liegt laut Website der Stadt der Mietspiegel 2023 zugrunde. Darauf ergibt sich für eine Haushaltsgröße von einer Person eine Angemessenheitsgrenze von 573 Euro – ohne Heizkosten.

München: Mietobergrenzen Richtwerte für Bruttokaltmiete in Euro (Stand: 1. Januar 2025)

  • Eine Person mit einer Wohngröße bis 50 Quadratmeter: 890 Euro
  • Zwei Personen mit einer Wohngröße bis 65 Quadratmeter: 1.092 Euro
  • Drei Personen mit einer Wohngröße bis 75 Quadratmeter: 1.286 Euro
  • Vier Personen mit einer Wohngröße bis 90 Quadratmeter: 1.569 Euro
  • Fünf Personen mit einer Wohngröße bis 105 Quadratmeter: 1.939 Euro
  • Sechs Personen mit einer Wohngröße bis 120 Quadratmeter: 2.188 Euro

Mietkosten im Bürgergeld: SPD kritisiert Merz‘ Vorstoß zu Karenzzeit

Was die Angemessenheit der übernommenen Kosten betrifft, gibt es zudem eine Karenzzeit: Die Angemessenheit der Kosten der Unterkunft wird im ersten Jahr nicht geprüft – Heizkosten ausgenommen. Die Karenzzeit wurde zusammen mit dem Bürgergeld eingeführt. Sie soll die Sorge von Bürgergeldempfängern mindern, seine aktuelle Wohnung zu verlieren und „den Betroffenen mehr Zeit für die Jobsuche geben“, heißt es in einem Text des Magazins des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Die SPD-Fraktionsvize hatte nach Merz‘ Sommerinterview auch kritisiert, dass Merz die Karenzzeit streichen wolle. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD lediglich festgehalten, dass „dort, wo unverhältnismäßig hohe Kosten für Unterkunft vorliegen“, die Karenzzeit entfallen soll: Ab welcher Höhe das der Fall sein soll, bleibt dabei offen.

Merz‘ Vorstoß zu Bürgergeld: Übernimmt der Staat Mietkosten in Höhe von 20 Euro pro Quadratmeter?

In welcher Höhe der Staat Wohnkosten für Bürgergeldbeziehende übernimmt, lässt sich allgemein also schwer beantworten. Zum einen durch die regionalen Unterschiede. Zum anderen heißt es in einem Text der FAZ: „Auf Klagen von Bür­ger­geld­beziehern hin werden die kommunalen Bestimmungen immer wieder von Sozialgerichten beanstandet und mit, je nach Gericht unterschiedlichen Maßstäben, korrigiert.“ Auch die Karenzzeit erschwert eine allgemeine Antwort.

Die von Friedrich Merz angesprochenen 20 Euro pro Quadratmeter erscheinen vor diesem Hintergrund möglich, dürften mit Blick auf die Zahlen dennoch eher Extremfälle sein. Zahlen dazu, wie viele Bedarfsgemeinschaften in Wohnungen mit einer Miete von mehr als 20 Euro pro Quadratmeter leben, liegen der Agentur für Arbeit laut Angaben des Sprechers „aktuell nicht vor“. (pav mit dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON, IMAGO / dts Nachrichtenagentur

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