„Bereit zum Loslegen“
Druck auf Putins Wirtschaft wächst: Trump drängt EU zu Mega-Zöllen
Trump bereitet Handelshürden für China und Indien vor. Europa soll sich beteiligen. Das soll Russlands Wirtschaft beeinträchtigen.
Washington, D.C. – Dem Kreml drohen Milliarden-Verluste. Russlands wichtiger Ölsektor steht unter massivem Druck von verschiedenen Seiten. Der Westen versucht, die Einnahmen weiter einzudämmen, um der Kriegskasse Russlands die Mittel zu entziehen. Jetzt verdichten sich die Zeichen: Offenbar sind die USA bereit, ihren Handelskrieg gegen diejenigen Länder zu verstärken, die russisches Öl kaufen.
Schwerer Schlag gegen Putins Handelspartner – Donald Trump will Mega-Zölle
Am Dienstag, 9. September, so berichtete ein Offizieller der US-Regierung, soll US-Präsident Donald Trump an entsprechenden Diskussionen teilgenommen haben, an denen auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beteiligt war. Die Idee dahinter: Trump hat vor, Strafzölle gegen die betreffenden Länder einzusetzen, die in der Reichweite zwischen 50 und 100 Prozent liegen können.
Das soll in erster Linie die massiven Gewinne dämpfen, die Russland aus dem Verkauf von Öl macht. Das erzählte der US-Offizielle gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. China und Indien (Indien hatte schon ähnliche Strafzölle abbekommen) stehen dabei weit oben auf der Liste, weil sie nach dem Embargo des Westens als hauptsächliche Käufer eingesprungen waren. „Die Geldquelle für Russlands Kriegsmaschine sind die Ölkäufe aus China und Indien“, erklärte der Informant. „Wenn man diese Quelle nicht angreift, gibt es keinen Weg, die Kriegsmaschine zu stoppen.“
Bei den Gesprächen waren angeblich auch Offizielle des US-Handelsministeriums und des Innenministeriums anwesend – und außerdem Finanzminister Scott Bessent. Bessent hatte erst Anfang September gesagt, die USA seien bereit, sich den europäischen Strafmaßnahmen anzuschließen, die gegen Russlands Handelspartner verhängt werden sollen. Wenn beide Wirtschaftsräume an einem Strang zögen, könnte Russlands Wirtschaft zum „Kollaps“ gebracht werden. Trump sei „Bereit zum Loslegen“, aber „die EU muss mit uns arbeiten“. Im Klartext heißt das, dass auch die EU bis zu 100-prozentige Zölle auf indische und chinesische Waren legen müsste.
China als Russlands wichtigster Handelspartner – Zölle sollen Öl-Einnahmen stoppen
Was war passiert? Seitdem Russland den Ukraine-Krieg führt, hat sich Europa nach Möglichkeit von den russischen Ölimporten losgelöst. Außerdem haben die G7-Staaten damals einen Preisdeckel eingesetzt, der die russischen Ölexporte bei einem Maximalpreis von 60 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) halten sollte. Schiffe, die teureres Öl aus Russland transportierten, durften nicht mit westlichen Gesellschaften Handel treiben und auch keine westlichen Dienstleistungen erhalten (etwa die Schiffsversicherung).
Also hatte sich Kreml-Chef Wladimir Putin nach Asien gewandt, um Alternativkäufer zu finden. Einen hatte er in China gefunden. Laut dem Center for Research on Energy and Clean Air (CREA) hat China im Juli 2025 47 Prozent der russischen Rohölexporte abgenommen. Indien übernahm 38 Prozent, die EU sechs Prozent. Bei den Ölprodukten war die Türkei im selben Monat mit einem Anteil von 26 Prozent der größte Käufer, gefolgt von China mit zwölf Prozent.
Indien ist ein zweiter Profiteur vom West-Ausfall. Genau wie China hat das Land es ausgenutzt, dass Russland sein Öl irgendwie loswerden musste, und deftige Rabatte herausgehandelt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete dazu, dass diese Rabatte Indien beim Ölkauf eine Summe von mindestens 17 Milliarden US-Dollar eingespart hätten. Indische Offizielle gaben wiederholt an, dass das Land sein Öl überall da kaufen würde, wo es „den besten Deal“ erhält, um die Interessen seiner 1,4 Milliarden Einwohner zu schützen.
EU soll bei Trump-Plan mitziehen – und könnte sich mit Zoll-Politik selbst schaden
Das passt Trump nicht. Weil Indien so viel Öl und Waffen aus Russland kauft, hat die US-Regierung kurzerhand Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf ohnehin schon angekündigte, ebenfalls 25-prozentige, Zölle angekündigt. Damit liegt die US-Zolllast gegenüber Indien nun bei 50 Prozent – Indien ist also einer der am strengsten bezollten Handelspartner der USA.
Die große Frage dabei ist aber, ob die Europäische Union bei einem solchen Zollschritt mitziehen würde. Schon die Zölle zwischen 7,0 Prozent und 35 Prozent auf chinesische Elektroautos im Jahr 2024 hatten hierzulande eine größere Debatte ausgelöst. Der Wert chinesischer Importe nach Europa belief sich im Dezember 2024 auf 44,1 Milliarden Euro, im Gegenzug lieferte die EU Waren im Wert von 16,8 Milliarden Euro nach China. Die Handelsdatenplattform Trading Economics bezifferte das Handelsdefizit auf 27,3 Milliarden Euro (Stand Dezember 2024). In vielen Sektoren ist Deutschland von chinesischen Produkten abhängig. Besonders gravierend ist hier der Markt für seltene Erden, den China völlig dominiert.
Mit Indien ist das anders. Die EU ist für Indien der zweitgrößte Handelspartner und lieferte 2024 Waren im Wert von 120 Milliarden Euro nach Indien. Das macht 11,5 Prozent von Indiens gesamtem Handel aus. Im Gegenzug machen indische Waren für die EU lediglich 2,4 Prozent des Gesamthandelsvolumens aus (auch 2024). Wichtiger sind für die EU die USA, China und das Vereinigte Königreich.
Russlands Ölmarkt unter Druck – Sanktionen und Fördermaßnahmen
Der Ölsektor in Russland steht derzeit unter Druck, weil die Sanktionsmaßnahmen des Westens sich mit dem Förderplus überschneiden, das das Ölkartell Opec+ zuletzt beschlossen hat. Mit einem Plus an Öl auf dem Weltmarkt sinken die Preise – was kürzlich dazu führte, dass mehrere wichtige russische Ölkonzerne massive Verluste über die 50 Prozent berichteten.
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