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Handel mit Russland

Wegen Russland-Unterstützung: Nimmt Trump nach Indien jetzt China ins Visier?

Trump-Vize JD Vance bringt Strafzölle wegen Chinas Unterstützung für Russland ins Spiel. Das könnte Peking und einen seiner Erzrivalen enger zusammenbringen

Die Aussage Donald Trumps war eigentlich unmissverständlich. Sollten sich die Ukraine und Russland nicht innerhalb von zehn Tagen auf einen Waffenstillstand einigen, würden wichtige Handelspartner Russlands mit Zöllen belegt, erklärte der US-Präsident Ende Juli. In der vergangenen Woche lief die Frist ab – und bislang hat Trump lediglich Indien ins Visier genommen. Ab Ende August werden an der US-Grenze Aufschläge in Höhe von 50 Prozent auf indische Waren fällig, davon 25 Prozentpunkte Grundzoll und 25 Prozentpunkte als Strafmaßnahme. Die US-Regierung stört sich vor allem daran, dass Indien große Mengen russischen Öls abnimmt.

Präsident Donald Trump (li.) trifft den chinesischen Präsidenten Xi Jinping während eines Treffens am Rande des G-20-Gipfels im Jahr 2019.

Andere Unterstützer des russischen Angriffskriegs kamen hingegen bislang ungeschoren davon, was Beobachter vor allem im Falle Chinas verwundert. Schließlich ist die Volksrepublik bereits seit 2010 der wichtigste Handelspartner Russlands, im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von rund 245 Milliarden US-Dollar zwischen beiden Ländern gehandelt, so viel wie nie zuvor. Auch diplomatisch stärkt Peking dem Kreml den Rücken, zudem liefern chinesische Unternehmen seit Jahren sogenannte Dual-Use-Güter an Russland, die auch militärisch genutzt werden können.

China-Unterstützung für Russland im Ukraine-Krieg: USA haben „noch keine endgültige Entscheidung getroffen“

Von einem „Rätsel“ sprach deshalb das Wall Street Journal. „Hoffen wir mal, dass Trump hier eine Strategie verfolgt.“ Zumindest laut Trumps Vize JD Vance sind Strafzölle auf China-Importe tatsächlich noch nicht vom Tisch. „Nun, der Präsident hat gesagt, dass er darüber nachdenkt. Aber er hat noch keine endgültige Entscheidung getroffen“, sagte Vance in einem am Sonntag beim US-Fernsehsender Fox News ausgestrahlten Interview. Im Falle Chinas sei die Sache komplizierter als bei Indien, so Vance. „Es geht um viele andere Dinge, die nichts mit der Situation in Russland zu tun haben.“

Tatsächlich liefern sich die USA und China seit Jahren einen massiven Handelsstreit, der in den letzten Monaten weiter eskaliert ist. Zwischenzeitig lag der Zollsatz auf US-Seite bei 145 Prozent, als Gegenmaßnahme hatte Peking 125-prozentige Zölle auf US-Waren eingeführt. Nach mehreren Verhandlungsrunden wurde ein Teil der Zölle vorübergehend wieder zurückgenommen. Laut dem Peterson Institute for International Economics in Washington erheben die USA aktuell durchschnittlich Zölle in Höhe von fast 55 Prozent auf chinesische Waren, der chinesische Zollsatz für US-Importe liegt demnach bei knapp 33 Prozent, wobei auf einzelne Produktkategorien teils deutlich höhere Grenzsteuern fällig sind. Am Dienstag verkündete Trump in dem Streit eine weitere 90-tägige Pause, um weiter zu verhandeln.

Hintergrund ist das massive Handelsdefizit der USA, aber auch Anschuldigungen der Trump-Regierung, China würde nicht genug gegen den Strom von Stoffen zur Herstellung der Droge Fentanyl in die USA tun. Ein Aufschlag von 25 Prozentpunkten wegen der chinesischen Unterstützung für Russland, wie ihn nun Indien kassiert hat, würde den ohnehin schon angeschlagenen Handel zwischen den beiden Ländern weiter massiv belasten.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Handel zwischen China und Russland bricht ein – Peking aber weiter wichtiger Partner im Ukraine-Krieg

Zwar ist der Handel zwischen China und Russland laut einer Analyse von Handelsdaten durch den China-Experten Maciej Kalwasiński vom Centre for Eastern Studies im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich zurückgegangen, auch russisches Öl kauft China weniger, der Wert der Lieferungen sank um 24 Prozent. Dennoch ist China weiterhin der größte Abnehmer russischen Öls, deutlich vor Indien. „China bleibt auch 2025 von zentraler Bedeutung, wenn es darum geht, Russlands Wirtschaft und seine Kriegsanstrengungen zu stützen“, so Kalwasińskis Fazit.

Am vergangenen Freitag und damit genau eine Woche vor seinem für Ende dieser Woche geplanten Treffen mit Donald Trump in Alaska hatte der russische Präsident Wladimir Putin sowohl mit Indiens Premierminister Narendra Modi als auch mit Chinas Staatschef Xi Jinping telefoniert. Während Modi den russischen Präsidenten als „Freund bezeichnete“, bekundete Xi seine Unterstützung für eine „langfristige Lösung“ des Ukraine-Kriegs.

Mit seiner Entscheidung, Indien mit Strafzöllen zu belegen, hat Trump nun ausgerechnet einen wichtigen Partner der USA im Konflikt mit China gegen sich aufgebracht. Peking und Neu-Delhi streiten seit Jahrzehnten über den Verlauf der gemeinsamen Grenze, vor fünf Jahren starben bei Zusammenstößen im Grenzgebiet mindestens zwei Dutzend Soldaten. Zuletzt kam es zwischen beiden Ländern indes zu einer Annäherung. Medienberichten zufolge will Modi zudem Ende August zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder in die Volksrepublik reisen. Der Druck aus Washington, so Beobachter, könnte die beiden Rivalen enger zusammenbringen.

Anmerkung: Dieser Artikel wurde am 12. August aktualisiert. Ergänzt wurde die erneute 90-tägige Zollpause.

Rubriklistenbild: © Susan Walsh/dpa

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