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„Verantwortungslose Handelspolitik“

Deutscher Export erlebt überraschenden Aufschwung – das ist der Hintergrund

Die deutsche Wirtschaft erstaunt mit hohen Exportzahlen und Produktionswachstum – doch der Boom ist auf temporäre Effekte zurückzuführen und verschleiert Gefahren.

München – Die deutsche Wirtschaft erlebt derzeit eine Entwicklung, die viele überrascht. Trotz geopolitischer Spannungen, stagnierender Wachstumsraten und zunehmender Unsicherheiten durch die US-Zollpolitik zeigen die aktuellen Exportzahlen im Frühjahr 2025 eine deutliche Aufwärtsbewegung.

Doch die scheinbare Erholung täuscht – sie resultiert weniger aus einem nachhaltigen Aufwärtstrend als vielmehr aus einer Kombination aus strategischen Maßnahmen, einmaligen Sondereffekten und kurzfristigen Marktmechanismen.

Anstieg der Exporte in die USA durch Vorzieheffekte im März 2025. (Symbolfoto)

Deutsche Produktion auf Rekordniveau

Wie das Statistische Bundesamt meldet, wuchs die Produktion von Industrie, Bau und Energieversorgern im März um drei Prozent gegenüber dem Vormonat – der stärkste Anstieg seit dreieinhalb Jahren. Besonders deutlich war der Zuwachs in der Industrie, wo ein Plus von 3,6 Prozent registriert wurde. Im Dreimonatsvergleich liegt das Wachstum bei 1,4 Prozent – ein Wert, der zuletzt Anfang 2022 erreicht wurde. Zu den besonders wachstumsstarken Branchen gehörten der Automobilbau mit einem Plus von 8,1 Prozent, die Pharmabranche mit 19,6 Prozent und der Maschinenbau mit 4,4 Prozent.

Exporttreiber USA – aus Angst vor Zöllen

Auffällig ist, dass insbesondere der Export in die USA im März zulegte – um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Damit liegt das US-Geschäft über dem Durchschnitt. Laut Informationen von WELT ist dieser Zuwachs vor allem auf sogenannten Vorzieheffekte zurückzuführen: US-Importeure haben offenbar verstärkt Waren aus Deutschland bestellt, um den Anfang April angekündigten Strafzöllen zuvorzukommen.

Andreas Scheuerle, Konjunkturexperte bei der DekaBank, bestätigt diesen Zusammenhang: „Nicht nur, dass die Ausfuhr in die USA entgegen der Entwicklung im Drittstaatenhandel spürbar zugenommen hat. In Deutschland wurden im März auch die Exportschlager für die USA – Autos, Maschinen und Pharmazeutika – in besonderem Umfang produziert.“ Doch mit dem Auslaufen dieser vorgezogenen Käufe werde die Produktion im nächsten Quartal voraussichtlich deutlich zurückgehen.

Auch Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA), warnt: „Der Anstieg der Zahlen ist leider kein Aufwärtstrend.“ Die Sondereffekte seien das Resultat der „verantwortungslosen Handelspolitik“ der USA.

Zölle, Börsenbeben und politische Unsicherheit

Anfang April hatte US-Präsident Donald Trump umfassende Importzölle auf fast alle Produkte angekündigt. Für europäische Waren gilt ein pauschaler Aufschlag von 20 Prozent. Zwar wurden die Maßnahmen für die meisten Handelspartner zunächst für 90 Tage ausgesetzt, dennoch sorgte die Ankündigung für ein weltweites Börsenbeben. Bereits jetzt gelten erhöhte Zölle auf Autos sowie auf Stahl und Aluminium von 25 Prozent.

Die ökonomische Unsicherheit zeigt sich auch in den Erwartungen der Unternehmen. Laut einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts sind die Exporterwartungen im verarbeitenden Gewerbe auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gesunken. Besonders betroffen sind die Autoindustrie, Maschinenbauer, Chemieunternehmen sowie die Möbel- und Metallbranche, berichtet WELT.

Finanzmärkte und Industrie profitieren – vorerst

Parallel zur Exporterholung profitieren auch deutsche Finanzinstitute von den globalen Verwerfungen. Die Deutsche Bank konnte im ersten Quartal 2025 den höchsten Gewinn seit 14 Jahren verzeichnen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Grund ist das gestiegene Handelsvolumen mit Anleihen, Derivaten und Währungen – ein typisches Muster in Krisenzeiten. Denn bei steigender Unsicherheit erhöhen sich die Gewinnspannen bei Finanztransaktionen, was Banken kurzfristig zugutekommt.

Auch die Rüstungsindustrie verzeichnet starke Umsätze. Das Düsseldorfer Unternehmen Rheinmetall konnte Umsatz und Betriebsergebnis im ersten Quartal um fast 50 Prozent steigern. Hintergrund ist der gestiegene Rüstungsbedarf westlicher Staaten seit Beginn des Ukrainekriegs. Die Kieler Werftengruppe Thyssenkrupp Marine Systems erhielt unterdessen einen Großauftrag aus Singapur – die Auftragsbücher des Unternehmens summieren sich inzwischen auf 16 Milliarden Euro.

Rubriklistenbild: © Uncredited/CHINATOPIX/AP/dpa

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