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„Da klafft eine Lücke“

Schluss mit russischem Gas: Energiekonzerne trennen sich von Putin – „Haben aus Fehlern gelernt“

Die EU beabsichtigt, den Import von russischem Gas zu stoppen. Bei den Energieunternehmen sind Diversifizierungsstrategien bereits im Einsatz. Uniper dient als Beispiel dafür.

Berlin – Erst kürzlich machte die Europäische Kommission einen Plan bekannt, Importe von russischem Gas ein für alle Mal beenden zu wollen. Spätestens bis Ende 2027 soll Schluss sein. Am 6. Mai 2025 legte die Kommission eine entsprechende Roadmap für diesen Plan vor. Damit will die EU Sicherheitslücken schließen und außerdem verhindern, dass der Kontinent weiter die Kriegskassen von Kreml-Chef Wladimir Putin füllt. Am Beispiel des Energie-Riesen Uniper zeigt sich, wie sehr sich die Meinung in Deutschland gegenüber Russland gewandelt hat.

Uniper schwenkt von russischem Gas ab – „Wir haben aus Fehlern gelernt“

Noch im Jahr 2022 hatte der ehemalige Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach gesagt, Russland sei als Gaslieferant „nicht zu ersetzen“ – heute streut der Konzern seine Importe. „Wir haben die Lieferungen aus Russland ersetzt und sind nun dabei, unseren Gas-Bezug stärker zu diversifizieren“, verrät der neue Uniper-Chef Michael Lewis im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ).

Wladimir Putin in Moskau (Symbolfoto). Die EU will kein russisches Gas mehr importieren. Bei den Energiekonzernen laufen bereits Diversifizierungsprogramme. Ein Beispiel dafür ist Uniper.

Das Gas stamme nun aus verschiedenen Ländern, komme von unterschiedlichen Lieferanten, sogar die Verträge haben unterschiedliche Laufzeiten. „Auf diese Weise können wir unsere Risiken deutlich senken“. Uniper wolle sich nie wieder von einem einzelnen Lieferanten abhängig machen, so wie es früher mit Gazprom war. „Gazprom galt als sehr verlässlich. Aber wir haben aus Fehlern gelernt.“

Kein Ersatz für Erdgas – „Deutschland benötigt verlässliche Kapazität“

Lewis zufolge wird Deutschland auch in den kommenden Jahrzehnten nicht auf Gas verzichten. „Deutschland wird noch in 20 Jahren Erdgas brauchen, sogar nach 2045 wird das so sein“, prognostizierte er. Zwar könne man bei vielen Anwendungen Erdgas ersetzen, aber nicht bei allen – „zumindest nicht zu vernünftigen Kosten“.

In diesem Rahmen verwies er auf die Vorgänge am Energiemarkt vom Winter 2024/2025, als Windkraft und Solarkraft zwischenzeitlich viel zu wenig Energie abwarfen. Während einer sogenannten Dunkelflaute fehlt Energie und der Strompreis kann rapide auf ein enorm hohes Niveau steigen. „Deutschland benötigt wieder mehr verlässliche Kapazität: Kraftwerke, die immer liefern können. Da klafft jetzt schon eine Lücke.“

EU bezieht weniger Erdgas aus Russland – Norwegen springt ein

Auf europäischer Ebene hat die Diversifikation ebenfalls ein neues Level erreicht. Wie der Rat der Europäischen Union mitteilt, brach der russische Anteil an EU-Importen von Pipeline-Gas von 40 Prozent (2021) auf elf Prozent (2024) ein. Pipeline-Gas und flüssiges Erdgas (LNG) machen zusammen weniger als 19 Prozent der EU-Gasimporte im Jahr 2024 aus.

„Dieser Abfall war hauptsächlich durch den scharfen Anstieg von LNG-Importen und der generellen Reduzierung von Gasverbrauch innerhalb der EU möglich“, sagte der Rat dazu. Das meiste Gas kommt nun aus Norwegen in die EU – das skandinavische Land deckt 33 Prozent aller Importe. Zu den weiteren Zulieferern gehören die Vereinigten Staaten, Algerien, Katar, das Vereinigte Königreich und Aserbaidschan.

Zum Vergleich: Die Nachrichtenagentur DW berichtete 2022 noch davon, dass Deutschland im Jahr 2020 sogar 55,5 Prozent der Gasimporte aus Russland bezogen hatte.

Abhängigkeit von Putins Gas – deutsche Akteure haben Entwicklung befeuert

Die Abhängigkeit Deutschlands von russischen Gasimporten hat sich über Jahrzehnte aufgebaut. 2020, im Rahmen des russischen Angriffs auf die Ukraine, stand die große Frage um diese Abhängigkeit im Mittelpunkt der Berichterstattung. Die Wirtschaftswoche hatte im Januar 2022, wenige Wochen vor dem Angriff, noch dargestellt, dass Russland seine Gaslieferungen auf eine Weise limitiert hatte, die letztendlich zu einer Knappheit führte.

„Es macht nachdenklich, dass ein Unternehmen angesichts steigender Nachfrage das Angebot limitiert. Das ist ein ziemlich seltenes Verhalten auf dem Markt“, sagte Margrethe Vestager, damals Vizepräsidentin der EU-Kommission, dazu. Wenig später stellte sich heraus, dass die Befürchtung anderer Experten, Russland könnte diese Lieferungen als Druckmittel nutzen, korrekt war.

Investigative Medien hatten sich anschließend daran gemacht, die Gründe für die Abhängigkeit Deutschlands zu suchen. Correctiv beispielsweise war hier auf ein Netzwerk russischer Akteure gestoßen, das sogar in den Volksparteien CDU und SPD Wurzeln schlug. Eine wichtige Rolle dabei spielte Altkanzler Gerhard Schröder (SPD), der 2005 den Bau der ersten Nord-Stream-Pipeline unterschrieb. Ein Jahr nach der Krim-Annexion durch Russland brachte die Regierung Angela Merkel (CDU) den Bau von Nord Stream 2 auf den Weg. Kürzlich geriet die Aktivierung von Nord Stream 2 wieder in die öffentliche Debatte – die neue Regierung hatte sich jedoch schon dagegen ausgesprochen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / SNA

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