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Weniger Netto vom Brutto

Beitragsanstieg: So stark beeinflussen höhere Sozialleistungen die Netto-Gehälter

Die Sozialleistungen könnten bis 2035 erheblich steigen. Fachleute appellieren an die Regierung, einzugreifen – und warnen: Das Nettogehalt vieler Versicherten könnte bis 2035 deutlich sinken.

Berlin – Die finanziellen Belastungen für Arbeitnehmer und Versicherte in Deutschland sollen laut Experten in den kommenden Jahren steigen. Eine Prognose des Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) rechnet bei den Sozialversicherungsbeiträgen mit drastischen Erhöhungen – besonders betroffen: die gesetzliche Renten- und Krankenversicherung. Experten warnen: Wenn die Politik nicht gegensteuert, schrumpft bis 2035 kontinuierlich das Netto-Einkommen vieler Versicherter.

Konkret gehen die Experten davon aus, dass die Sozialausgaben bis 2035 von derzeit 42,5 Prozent auf rund 49,7 Prozent steigen könnten. Diese Mehrbelastungen für die kommenden zehn Jahre würden sich aus folgenden Komponenten zusammensetzen:

  • Gesetzliche Krankenkasse: Die Abgaben könnten von 14,6 Prozent auf rund 20 Prozent klettern
  • Gesetzlichen Rentenversicherung: Es dürfte ein Beitragssatz von bis zu 22,3 Prozent fällig werden – bisher lag dieser bei 18,6 Prozent
  • Gesetzliche Pflegeversicherung: Hier droht ein Anstieg um 0,9 Prozent auf 4,5 Prozent
  • Arbeitslosenversicherung: Experten gehen von einem Anstieg auf 3,1 Prozent aus (2025: 2,6 Prozent).

Höhere Sozialausgaben lassen Gehälter schrumpfen – Experten fordern Politik zum Handeln auf

Stiegen die Sozialausgaben, bedeutet das für Arbeitnehmer in erster Linie: Ihr Netto-Gehalt schrumpft. Die folgende Übersicht zeigt, wie sich das konkret auf verschiedene Bruttogehälter auswirken könnte:

  • Bruttoeinkommen von 2.000 Euro: Bei Arbeitnehmeranteil von 21,25 Prozent folgen Abgaben von 531,25 Euro – 2035: 621,25 Euro. Verlust: 110 Euro
  • Bruttoeinkommen von 3.000 Euro: Im Jahr 2025: 637,50 Euro – 2035: 745,50 Euro – Differenz: 108 Euro
  • Bruttoeinkommen von 3.500 Euro: Im Jahr 2025: 743,75 Euro – 2035: 869,75 Euro – Differenz: 126 Euro
  • Bruttoeinkommen von 4.500 Euro: Im Jahr 2025: 956,25 Euro – 2035: 1.118,25 Euro – Differenz: 162 Euro
  • Bruttoeinkommen von 5.500 Euro: Im Jahr 2025: 1.168,75 Euro – 2035: 1.366,75 Euro – Differenz: 198 Euro
  • Bruttoeinkommen von 6.000 Euro: Im Jahr 2025: 1.275,00 Euro – 2035: 1.491,00 Euro – Differenz: 216 Euro
Wenn die Sozialabgaben bis 2035 tatsächlich so drastisch steigen, wie Experten prognostizieren, sinken auch die Netto-Gehälter.

Hinter den explodierenden Kosten steckt unter anderem das demografische Ungleichgewicht in Deutschland: Immer mehr Menschen gehen in Rente, während immer weniger junge Arbeitnehmer nachrücken – und einzahlen. Parallel dazu steigen die Gesundheitskosten seit Jahren, wofür in erster Linie die Beitragszahler aufkommen müssen. Schon heute klagen die gesetzlichen Krankenkassen über Milliardenlöcher, die sich künftig noch vergrößern werden. DAK-Chef Andreas Storm fordert deshalb ein sofortiges Hilfsprogramm der Bundesregierung, ansonsten blieben auch künftig die Versicherten die Leidtragenden der Kostenschübe.

Lösungen für den Beitragskollaps – Staatliche Zuschüsse, höheres Renteneintrittsalter und Reformen

Konkret sind vier verschiedene Lösungsansätze im Gespräch, um die Beitragswelle zu verhindern:

  • Staatliche Zuschüsse: Die Forderung Storm zielt darauf ab, dass der Bund das Milliardenbudget für die Sozialkassen erhöht, um die Beitragszahler aktiv zu entlasten. Die nächste Regierung müsste entsprechende Mehrausgaben im Bundeshaushalt einplanen.
  • Längeres Arbeiten: Durch eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters ließe sich das Rentensystem stabilisieren – besonders angesichts der scheidenden Babyboomer. Gesellschaftlich wie politisch ist dieses Vorhaben allerdings höchst umstritten. Speziell die SPD wehrt sich dagegen, während CDU/CSU seit Längerem fordern, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln.
  • Strukturelle Reformen: In der Krankenversicherung könnte eine einheitliche Bürgerversicherung die Trennung zwischen gesetzlicher und privater ablösen. Das Konzept wird seit mehr als 20 Jahren in Deutschland diskutiert, durchgesetzt hat sie sich nie. Wohl auch, weil Besserverdienende, die über die Beitragsbemessungsgrenze von heute 66.150 Euro kämen, mehr einzahlen müssten. Zudem müssten auch Gruppen wie Selbstständige, Beamte und andere Privatversicherte einzahlen, die bisher von der Beitragspflicht ausgenommen waren. Eine IGES-Studie kommt zu dem Urteil: So könnte jedes Mitglied sowie die Arbeitgeber 145 Euro im Jahr sparen. Auch Experten wie Armin Prasuhn, Gesundheitswissenschaftler von der AOK Bremen/Bremerhaven, befürworten dieses Konzept: „Mehrere Studien belegen, dass gesetzlich Versicherte in Deutschland benachteiligt werden.“
  • Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen: Bürokratieabbau, Digitalisierung und gezielte Steuerung medizinischer Leistungen könnten dabei helfen, Kosten zu senken.

Rubriklistenbild: © Lobeca/Imago

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